Ev. Gemeinde Gemarke-Wupperfeld Pfarrer Manuel Stötzel: „Glaube braucht Haltung“

Wuppertal · Nach einem Jahr im Probedienst wird Manuel Stötzel am Sonntag (17. Mai 2026) als Pfarrer der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld eingeführt. Im Interview spricht er über die Bedeutung der Barmer Theologischen Erklärung, Kirche im Wandel – und warum widerständige Theologie heute aktueller ist denn je.

Pfarrer Manuel Stötzel.

Foto: Stötzel

Die Gemarker Kirche ist als Ort, an dem die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet wurde, weltweit bekannt. Was macht dieses Erbe mit Ihnen als Theologe?

Stötzel: „Ich empfinde es als Privileg, an diesem Ort wirken zu dürfen. Die Barmer Theologische Erklärung entstand 1934 als theologisches Bekenntnis gegen die Vereinnahmung der evangelischen Kirche durch die sogenannten Deutschen Christen und den nationalsozialistischen Staat. Auch heute erinnert sie daran, dass die Kirche allein an Jesus Christus gebunden ist und ihren Auftrag nicht politischen Ideologien unterordnen darf.

Mich beeindruckt der Mut der Frauen und Männer der Bekennenden Kirche, die unter großem Druck ihrem Glauben und Gewissen treu geblieben sind. Dieses Erbe ist für mich kein Denkmal der Vergangenheit, sondern eine bleibende Erinnerung daran, Glauben verantwortlich zu leben und Orientierung aus dem Evangelium zu suchen.“

Sie sind nun seit einem Jahr in der Gemeinde. Wo sehen Sie die Chancen, aber auch die Herausforderungen?

Stötzel: „Ich erlebe hier viele engagierte Menschen, eine große Offenheit und den Wunsch, Kirche lebendig zu gestalten. Darin liegt eine große Chance. Gleichzeitig merken wir natürlich, dass sich Kirche – so wie überall – auch hier in Wuppertal und in unserer Gemeinde verändert: weniger Ressourcen, weniger Selbstverständlichkeit, weniger Bindung.

Die Herausforderung wird sein, trotzdem Räume zu schaffen, in denen Menschen Gemeinschaft, Trost und Sinn erfahren können. Ich glaube aber, dass gerade in Zeiten des Wandels viel Neues entstehen kann, wenn wir mutig sind und in Kooperationen mit anderen Gemeinden als sogenannte Weggemeinschaften unterwegs sind.“

Sie haben in Ihrem beruflichen Werdegang schon einige Städte und Gemeinden erlebt – von Leipzig bis Lissabon. Was war neu für Sie in Wuppertal?

Stötzel: „Wuppertal bedeutet für mich ein Stück Heimat. Als Student an der Kirchlichen Hochschule habe ich hier tolle Menschen kennengelernt. Mit einigen von ihnen bin ich bis heute verbunden. Und ich habe diese Stadt lieben gelernt. Wuppertal hat für mich eine ganz eigene Mischung aus Bodenständigkeit, einer bewegten Geschichte und großer Herzlichkeit. Auf manch eine bzw. einen wirkt die Stadt zunächst vielleicht etwas rau, aber wenn man die Menschen hier näher kennenlernt, merkt man sehr schnell, wie viel Wärme und Offenheit einem hier entgegenschlägt. Und mit dem E-Bike sind die Berge kein Problem mehr.

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für ein Theologiestudium. Warum wollten Sie Pfarrer werden?

Stötzel: „Schon als Kind und Jugendlicher habe ich Kirche als Heimat empfunden. Eigentlich wollte ich immer Schauspieler werden, doch in meinem letzten Schuljahr hat es Klick gemacht. Die Freude daran, Gottes Geschichte mit uns Menschen immer wieder neu zu erfahren und weiterzugeben, macht meine Motivation am Pfarramt aus.