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Zart wie Seide: T-Shirts aus Holz

Jungunternehmer aus Wuppertal : Zart wie Seide: T-Shirts aus Holz

Wo kommt eigentlich unsere Kleidung her, fragten sich drei Wuppertaler Jungunternehmer und sie recherchierten den langen Weg, den unsere T-Shirts auf sich nehmen.

Sie fanden intensiv bewirtschaftete Baumwollplantagen, stickige Fabriken in Bangladesch, bedenkliche Pestizide und dramatische Umweltverschmutzung. "Wir wollten dazu eine Alternative", erklärt Unternehmer Timo Beelow. Lokal, fair, langlebig - und bezahlbar. Ihre Lösung fanden sie im Wald. Das Start-Up "wijld" möchte T-Shirts aus Holz produzieren.

Seit dem Frühjahr beschäftigen sich Beelow und zwei Freunde mit der ungewöhnlichen Idee. Er und Aline Hauck führen die Geschäfte des Start-Ups, Angelo Cicero gehört zu den Künstlern, die die Prints für die Shirts zeichnen.

"Als wir entdeckten, dass aus Holz Stoffe gewonnen werden können, waren wir sofort begeistert", erzählt Beelow. Dabei gibt es das Verfahren bereits seit Ende 1800. "Seitdem wurde es allerdings perfektioniert und immer umweltschonender", sagt der 33-Jährige. "Der Rohstoff wird ohne Pestizide gewonnen, die Produktion verbraucht bis zu 20 Mal weniger Wasser als die Gewinnung von Baumwollstoffen und die Prozesse finden in Europa statt." Und auch das Ergebnis, so ist Beelow überzeugt, kann längst mit Baumwoll- und Polyesterstoffen mithalten. "Die Shirts sind reißfest, atmungsaktiv und fühlen sich ähnlich an wie Seide."

Um aus einem Baum ein Shirt zu machen, wird zunächst heimisches Holz aus ökologisch nachhaltigem Anbau in Schnipselform in Wasser eingeweicht, um den Zellstoff zu lösen. Anschließend wird der entstandene Brei mit Lösungsmittel und Wasser vermischt und unter Vakuum erhitzt, wobei sämtliches Wasser entzogen wird. Im nächsten Schritt entsteht eine Spinnlösung, die gesiebt und gepresst wird. Im Spinnbad formen sich die Fasern, die zu Stoffen weiterverarbeitet werden.

Fair sollen die Shirts sein - und natürlich auch modisch. Die Kunden können das Design und die Passform selbst bestimmen. Beelow: "Wir arbeiten mit mehreren Künstlern zusammen, die die Designs für die Drucke entwickeln."

Auf der Crowdfunding-Plattform "Kickstarter" werben die jungen Unternehmer um Unterstützer. Noch wenige Tage können Interessierte ein Shirt bestellen und damit "wijld" auf den Weg bringen. Die Gründer sind zuversichtlich, einen Erfolg zu landen. Es ist nicht das erste Projekt, das Beelow und Hauck gemeinsam realisieren. Noch als Studenten entwickelten sie das Spiel Cross-Boccia und machten sich damit über die Stadtgrenze hinaus einen Namen.

Auf ihrer Homepage bieten sie bereits Design-Lampen, Holzuhren sowie Handyhüllen aus recycelten Plastikflaschen zum Verkauf. "Wir hoffen, dass noch mehr Geld zusammenkommt und wir unser Angebot ausweiten können", sagt Beelow. Er und seine Kollegen träumen längst schon von einer ganzen Mode-Linie aus Holz.

Noch gibt es aber nur Muster der neuen Shirts. Zwei davon hängen bereits in Timo Beelows Schrank. Einen Print haben sie nicht, davor den vollen Komfort. Beelow: "Wenn ich die Shirts trage und am eigenen Körper merke, wie gut sich der Stoff anfühlt, macht das echt stolz."