Pflegearbeiten in Barmen : Ziel sind stabile, schöne und artenreiche Wälder

Die städtischen Förster und ihre Mitarbeitenden beginnen in den kommenden Tagen mit Waldpflegemaßnahmen auf dem Stübchensberg. Das Gebiet ist besser bekannt als Carnaper Wald, kurz Carnap oder Westerbusch.

Das Ziel der Pflegemaßnahmen sind stabile, schöne und artenreiche Wälder. Zudem werden Maßnahmen durchgeführt, die aufgrund der Dürre in den Jahren 2018 und 2019 notwendig geworden sind. „Wald erfüllt eine große Vielzahl an Funktionen. Gerade in einer Großstadt dient er der Erholung, er ist Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen, reguliert den Wasserhaushalt, Schützt vor Erosionen und Lärm, bindet Kohlendioxid und vieles mehr. Da der Wald auf dem Stübchensberg direkt an der A 46 liegt, kommt ihm zudem noch in besonderem Maße die wichtige Funktion des Immissionsschutzes zu. Denn Bäume filtern viele Schadstoffe und Stäube aus der Luft“, so die Verwaltung.

Es klinge erst einmal paradox: Um dies alles dauerhaft zu gewährleisten, müssten Bäume gefällt werden. „Denn bei unseren Wäldern handelt es sich ausnahmslos um menschlich gepflanzte Wälder. Daher bestehen die einzelnen Waldflächen auch meist aus einer Baumart gleichen Alters. Der Stübchensberg besteht dabei größtenteils aus amerikanischen Roteichen, die nach dem II. Weltkrieg gepflanzt wurden. Aus ökologischen und ästhetischen Gründen, aber auch vor dem Hintergrund der ungewissen Auswirkungen des Klimawandels sind jedoch ungleichartige Mischwälder das Ziel der städtischen Forstabteilung“, heißt es. „Ein kleinflächiges Nebeneinander von jungen und alten Bäumen unterschiedlicher Baumarten wird angestrebt. So erhöht sich auch dauerhaft die Fähigkeit Immissionen auf der Luft zu filtern. Dort wo Straßen und Bebauung weit genug entfernt sind, wird zudem auch dem natürlichen Zerfall der Bäume genügend Raum gelassen.“

Eine Besonderheit auf dem Stübchensberg stellen aber auch einige Buchen dar, die bereits über 180 Jahre alt sind. Diese Exemplare sollen bei der Maßnahme besonders gefördert werden, damit sie noch möglichst lange erhalten bleiben. Dies setze voraus, dass diese Exemplare nicht direkt an der Autobahn oder der angrenzenden Bebauung stünden und durch Krankheit bereits eine Gefahr darstellten. „Das Fällen der Bäume dient der langfristigen Sicherung des Artenreichtums und der Entwicklung eines stabilen Mischwalds. Denn die verbleibenden Bäume erhalten dadurch mehr Kronen- und Wurzelraum und können besser wachsen. Durch den größeren Wurzelraum sind die verbleibenden Bäume bei Trockenheit auch weniger anfällig. Der Wald wird stabiler, artenreicher und stufiger, denn durch den vermehrten Lichteinfall entwickelt sich Naturverjüngung und eine Kraut- und Strauchschicht“, erklärt das Presseamt.

Bereits abgestorbene Bäume, die von den Wegen weit genug entfernt stehen, bleiben aus Artenschutzgründen (Höhlen für Fledermäuse und andere seltene Tierarten) stehen. Zudem werden einzelne noch vitale Bäume ausgewählt, die dem natürlichen Zerfall überlassen werden. Dies sind vor allem alte Buchen und Eichen.Das Astreisig der gefällten Bäume wird aus ökologischen Gründen in den Beständen liegen gelassen, da es Vögeln Unterschlupf und Nistmöglichkeit bietet und dem Nährstoffkreislauf wieder zugeführt wird.

Die Maßnahme wird vor allem von den Auszubildenden der Forstabteilung durchgeführt. Unter Anleitung durch den Forstwirtschaftsmeister Lukas Ringel lernen die jungen Leute, wie man sicher Bäume zu Fall bringt. Daneben wird die Maßnahme auch von der Berufsfeuerwehr zur Ausbildung der Feuerwehrleute genutzt. Denn bei Sturmereignissen müssen regelmäßig Bäume von der Feuerwehr gefällt werden, die drohen auf Straßen oder Häuser zu fallen. Hier ist es unerlässlich, dass die betroffenen Feuerwehrleute über ausreichende Übung verfügen.

Das anfallende Holz wird regional vermarktet. So wird sichergestellt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem ökologischen Rohstoff Holz versorgt werden und dies aus den Wuppertaler Stadtwäldern, statt aus zweifelhaften Quellen ferner Länder. Eine Geldquelle für den städtischen Haushalt stellt der Verkauf jedoch nicht dar. Da die Erholung und die Ökologie absolut im Vordergrund stehen, sind die Waldpflegemaßnahmen meist lediglich kostendeckend.

Durch die Fällarbeiten und den Transport des Holzes kann es auf den Wegen, besonders bei ungünstiger Witterung, zu Behinderungen kommen. Die Abteilung Forsten bittet daher für die Dauer der Arbeiten um Verständnis. Die befestigten Wege werden wieder freigeräumt und, falls nötig, im kommenden Sommer wieder ausgebessert. Auf unbefestigten Trampelpfaden bleiben hingegen die Baumkronen liegen, damit sich hier die Natur regenerieren kann.

Waldbereiche, in denen Bäume gefällt werden, dürfen nicht betreten werden. Darauf weist die städtische Forstverwaltung hin. Das gilt auch für die Wege laut Landesforstgesetz. Das Verbot dient der Sicherheit der Waldbesucher: Umstürzende Bäume oder fortgeschleuderte Äste können sogar für Lebensgefahr sorgen. Mindestens 50 Meter Sicherheitsabstand zu den Männern mit den Sägen müssen eingehalten werden. Die gefährlichen Zonen sind mit gut sichtbarem rot-weißem Band abgesperrt. Sind die Durchforstungen in einem Abschnitt beendet, wird er wieder freigegeben.

Die Holznutzungen in den Stadtwäldern sind „nachhaltig“, das heißt, seit sieben Jahrzehnten wachsen in den Stadtwäldern mehr Bäume nach, als gefällt werden. Das zeigten die Ergebnisse der Forstinventur. Trotz Orkanschäden durch „Kyrill“ und trotz regelmäßiger Baumfällungen nahm die Stadtwaldfläche stetig zu: Das Durchschnittsalter der Bäume und der Holzvorrat sind aktuell so hoch wie seit Jahrhunderten nicht.