Vier Wände für ein selbständiges Leben

Wuppertal · Wer Integration wirklich leben will, muss behinderte Menschen in die Mitte der Gesellschaft holen. Das möchte auch der Verein "Wohnkiste Papperlapapp": Seit einem Jahr versucht die Initiative, ein Haus zu finden, in dem idealerweise acht Menschen mit Handicap gemeinsam als Wohngruppe leben können.

 Sie möchten gerne zusammenziehen: die potenziellen Kandidaten für die „Wohnkiste Papperlapapp“, die Behinderten den Weg in ein selbständiges Leben ebnen will.

Sie möchten gerne zusammenziehen: die potenziellen Kandidaten für die „Wohnkiste Papperlapapp“, die Behinderten den Weg in ein selbständiges Leben ebnen will.

Foto: Verein

"Die Finanzierung steht, uns fehlt nur noch ein geeignetes Objekt", sagt die Vorsitzende Barbara Genth. Der Verein hatte sich 2011 gegründet. Die 25 Mitglieder sind hauptsächlich Eltern, deren erwachsene Kinder geistige Behinderungen wie das Fragile-X-Syndrom oder das Down-Syndrom haben. Außerhalb der Schulzeit waren die Kinder recht isoliert. Wie anderen Menschen wird auch ihnen langweilig, wenn nichts los ist. Die Eltern organisierten deshalb schon damals regelmäßige Veranstaltungen und Fahrten. "Wenn sie auf Ferienfreizeit waren, haben wir gemerkt, dass unsere Kinder viel selbstständiger sind als zu Hause. Sie entwickeln ein ganz anderes Selbstbewusstsein und haben mehr Spaß, wenn sie mit ihren Freunden zusammen sind. Sie haben den Wunsch geäußert, zusammen zu wohnen. Daraus, und aus der Sorge um die Zukunft der Kinder, entstand die Idee einer betreuten Wohngemeinschaft", sagt Vereinsmitglied Susanne Heinson.

Zwei Pläne liegen auf dem Tisch. Entweder findet sich ein passendes Haus, das gekauft und umgebaut wird. Oder es gibt ein Grundstück, das neu bebaut werden kann. "Das soll aber nicht draußen auf der grünen Wiese liegen, sondern im Sinne der Inklusion inmitten der Nachbarschaft", sagt Heinson. Ein geeignetes Gebäude ist nach den Plänen des Vereins, der auch einen Architekten in seinen Reihen hat, rund 400 bis 550 Quadratmeter groß. Es sollte leer gezogen sein. Niemand soll weichen müssen, und zunächst muss es noch behindertengerecht umgebaut werden. Die Bewohner sollen 24 Stunden am Tag betreut werden, unter anderem von langjährigen Betreuern der Freizeitfahrten und -treffen.

Der Plan zur Finanzierung steht laut Verein. Zwei private Investoren steuern Geld für den Kauf bei. Wenn sich nicht noch ein Träger findet, werden die Bewohner nach dem Einzug Miete zahlen und voraussichtlich vom LVR unterstützt. Das Projekt hat laut Barbara Genth ein Volumen von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. "Wir sind weiterhin offen für kommerzielle Investoren oder für Menschen, die uns helfen und vielleicht ein Haus schenken oder günstiger abtreten wollen", sagt Barbara Genth.

Den möglicherweise bald bevorstehenden Auszug ihres Sohnes Rouven (22) sieht sie wie jede Mutter mit gemischten Gefühlen. "Ich bin sehr froh, wenn ich ihn auf den Weg zu einem selbstständigen Leben gebracht habe. Andererseits muss man dann auch loslassen. Wenn er in der Wohngruppe unterkommt, hätte ich aber ein sehr gutes Gefühl", sagt die Vorsitzende.