Kommentar zur Finanznot des Tierheims: Mit Elan vor die Wand gefahren

Kommentar zur Finanznot des Tierheims : Mit Elan vor die Wand gefahren

Mit 190.000 Euro jährlich sowie der Finanzierung von zwei Vollzeitstellen galt die Stadt die Leistung des Tierheims für Aufnahme und Versorgung von Fundtieren ab. Dies war vertraglich verankert, und dieser Betrag fehlte dem Tierschutzverein nach Kündigung des Vertrags im Etat.

Doch wirtschaftliche Einschränkungen auferlegte sich die neue Leitung nicht. Im Gegenteil, in Umbau und Sanierung wurde investiert. Sicherlich zum Wohl der Tiere, doch finanzieller Weitblick ließ sich nicht erkennen. Dazu kam die Abschottung: Sichtblenden verhinderten den freien Blick aufs Anwesen an der Waldkampfbahn, Kritik von außen wurde nicht gerne gesehen.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Für viele Wuppertaler Tierbesitzer war es unverständlich, dass das Tierheim keine Fundtiere mehr aufnahem. Auch im Verein selber kam das nicht bei allen Mitgliedern gut an. Austritte mussten verbucht werden, was die Einnahmen weiter schmälerte. Schnell waren die Rücklagen aus Spenden und Erbschaften aufgebraucht.

Die Notbremse wurde nicht gezogen, die Öffentlichkeit nicht informiert, kein Aufruf an Sponsoren, Spendenaktionen oder der Versuch, nochmals das Gespräch mit der Stadt zu suchen.

Jetzt hat der Vorstand das Aus für das Tierheim und den eventuellen Verkauf des Geländes samt Immobilie beschlossen. Was auch die Frage aufwirft: Kann wirklich der Vorstand alleine eine so weitreichende Entscheidung fällen — ohne eine außerordentliche Mitgliederversammlung?

Meiner Meinung nach kann das Ende auch gleichzeitig die Chance zum Neuanfang sein: Wenn der Verein mit 800 Mitgliedern aufmuckt, sich auf die Hinterbeine stellt, einen neuen Vorstand wählt, engagiert und mit kreativen Ideen nach Sponsoren sucht, im Stadtbild wieder auftaucht, aufs Gelände einlädt, mit Ehrenamtlichen Veranstaltungen plant und durchführt sowie sich mit den Kommunalpolitikern wieder an den Verhandlungstisch setzt. Oberbürgermeister Andreas Mucke hat bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. Und dann habe ich die Hoffnung, dass das Tierheim wieder das wird, was es mal war: Ein zentraler Anlaufpunkt für alle Fe(ä)lle — also auch für die Fundtiere der Stadt. Wuppertal würde das gut zu Gesicht stehen.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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