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Kitas in Wuppertal: „Der Fachkräftemangel ist ein Problem“

Kitas in Wuppertal : „Der Fachkräftemangel ist ein Problem“

Seit 2009 ist Barbara Kohls als Pädagogische Leitung für die evangelischen Kindertageseinrichtungen in Wuppertal (in unterschiedlicher Trägerschaft: erst VeKiB, dann EKV, heute EKitaDiakonie) verantwortlich. Vorher hat sie acht Jahre lang beim Landesjugendamt gearbeitet. Jetzt geht die 64-Jährige in den Ruhestand. Ein Interview zum Abschied.

Was waren Ihre Aufgaben als Pädagogische Leitung?

Kohls: „Ich habe eng mit der Geschäftsführung der EKita zusammengearbeitet, die Kitas in allen pädagogischen, strukturellen und personellen Fragen beraten und war für das gesamte Personalmanagement verantwortlich. Aktuell bin ich für 24 Einrichtungen der Diakonie zuständig und berate zusätzlich 12 Kitas in anderer Trägerschaft (evangelische Elterninitiativen, Gemeinde, Verein).“

Was ist in Ihren Augen das Besondere an den evangelischen Kitas?

Kohls: „In unseren Einrichtungen ist der pädagogische Standard sehr hoch. Wir haben sehr motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gerne mitgestalten, engagiert an den vom Träger angebotenen Fortbildungen teilnehmen und über viele Jahre bei uns arbeiten. Die Kinder treffen bei uns auf sehr aufmerksame und liebevolle Erwachsene, die sie ernst nehmen und in ihren Entwicklungsprozessen begleiten. Als evangelischer Träger haben wir einen enorm großen Schatz. Wir arbeiten eng mit den Gemeinden zusammen. Das ist uns verstärkt auch noch einmal bei der Fachtagung ,Evgl. Kita – ein Plus der Gemeinde‘ 2018 bewusst geworden, bei der unter anderem auch die Gemeindepfarrer dabei waren. Von diesem Schatz können beide Seiten sehr profitieren.“

Was zeichnet die Kitas noch aus?

Kohls: „Unsere inhaltlichen Schwerpunkte: Die Religionspädagogik, Reggio, Marte Meo und die systemische Kita. Bei allen Ansätzen geht es uns darum, dass die Rechte der Kinder gestärkt werden und sie in den Mittelpunkt unserer Arbeit gestellt werden. Die Religionspädagogik zum Beispiel hilft den Kindern dabei, eine bessere Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) zu entwickeln und eigene Antworten auf Fragen zu finden, die sie besonders beschäftigen.“

Was hat Sie rückblickend besonders bewegt?

Kohls: „Zu Beginn meiner Tätigkeit ging es schwerpunktmäßig um den Ausbau der U3-Betreuung (Betreuung für Kinder unter drei Jahren). Die Finanzierung der Einrichtungen ist immer noch ein Thema – und wird es auch noch bleiben. Mit der Kampagne ,Kitastrophal‘ hat sich die Diakonie in Wuppertal ja einiges erstritten. Aber das Kibiz (Kinderbildungsgesetz in NRW) reicht immer noch nicht aus, um ausreichend Personal zu finanzieren. Bei Urlauben, Krankheitsfällen etc. stoßen wir immer noch schnell an unsere Grenzen. Auch der Fachkräftemangel ist ein Problem. Wobei es uns jetzt gerade gelungen ist, die neue Kita an der Sternstraße, die im August eröffnet, personell gut auszustatten. Durch die Unterstützung des Kirchenkreises waren viele Neueinstellungen in Form der praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher möglich. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?

Kohls: „Erstmal möchte ich mich in Ruhe um meine beiden Enkelkinder kümmern. Da freue ich mich sehr drauf und kann es jetzt richtig genießen. Es wird immer viel von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geredet, aber ganz so einfach ist es in Wirklichkeit ja nicht. Darum möchte ich meine beiden Töchter bei der Kinderbetreuung unterstützen. Die Zeit bei der Diakonie war sehr schön. Darum gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“