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Bergische Uni: Inklusion durch digitale Medien

Bergische Uni : Inklusion durch digitale Medien

Menschen mit Behinderung beim Erlernen und Ausüben einer beruflichen Tätigkeit durch den Einsatz digitaler Medien zu unterstützen — so lautet die Zielsetzung der Förderlinie "Inklusion durch digitale Medien in der beruflichen Bildung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Die Bergische Universität ist dort mit zwei Projekten vertreten.

Sie sind am SIKoM Institut für Systemforschung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie unter Leitung von Prof. Dr. Treichel verortet: "InProD2 — Inklusion in der Produktion" und "Reality Coach". Das Institut SIKoM erhält für diese Projekte über drei Jahre eine Förderung in Höhe von rund 760.000 Euro.

Bei InProD2 geht es darum, behinderten Menschen sowie ihren Ausbilderinnen und Ausbildern, Lehrerinnen und Lehrern digitale, barrierekompensierende Hilfestellungen zur Verfügung zu stellen, um eine inklusive und praxisnahe Berufsorientierung zu bieten, berufliche Ausbildung zu unterstützen und neue Perspektiven auf dem ersten Arbeitsmarkt zu eröffnen. Der Schwerpunkt liegt auf der Druck- und Medienindustrie.

"Die Fachpraktiker-Regelungen Buchbinder/Buchbinderin, Medientechnologie Druckverarbeitung und Medientechnologie Druck sind relativ frisch und bieten sich daher für unser Projekt an", erläutert Christian Dominic Fehling vom SIKoM. "Wir tragen u.a. bestehende Lerninhalte auf einer gemeinsamen Plattform zusammen und passen sie individuell an. Zum Beispiel, indem wir Texte in einfache Sprache übersetzen oder via Screenreader zugänglich machen."

Auch auf Anwendungen der Augmented und Virtual Reality wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen — in Anlehnung an das bereits laufende Projekt Social Virtual Learning 2020. "Unsere Erfahrungen mit Augmented und Virtual Reality in der beruflichen Bildung zeigen, dass mit diesen Tools u.a. didaktische Ziele wie die Förderung des selbstständigen und individuellen Lernens sowie die Akzeptanz von Heterogenität unterstützt werden können", erklärt Marion Rose vom SIKoM.

Neben dem SIKoM sind bei InProD2 das Oberlin Berufsbildungswerk in Potsdam, das mmb Institut — Gesellschaft für Medien und Kompetenzforschung in Essen, das Institut für Textoptimierung in Halle/Saale und der Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien in Kassel eingebunden.

Einen anderen Ansatz verfolgt das Projekt Reality Coach. "Wir möchten Menschen, die infolge eines Unfalls oder einer Erkrankung von einer Behinderung betroffen sind, so weiterbilden, dass sie ihre Kompetenzen und ihr Wissen weiterhin einsetzen können", sagt Dr. Michael Krause vom SIKoM. "Sie sollen befähigt werden, als Ausbilderinnen oder Ausbilder unter Anwendung moderner digitaler Lern- und Kommunikationsmedien tätig zu sein oder als Fachkraft/Problemlöser synchron mittels Virtual bzw. Augmented Reality in Arbeitsprozesse einzugreifen."

Um das zu erreichen, entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Qualifizierungskonzept. Es besteht aus einem strukturierten Assessmentverfahren sowie individualisierten und kooperativen Lernarrangements mit Fokus auf dem professionellen Umgang mit digitalen Medien und Formaten wie Audio, Video oder Text. Anschließend wird das Konzept in verschiedenen Unternehmen ausgetestet, angepasst und validiert.

"Um die berufliche Re-Integration und Inklusion sicherzustellen, wird die Umsetzung in den Unternehmen von Tutorinnen und Tutoren begleitet, die wichtige Schnittstellen — zum Beispiel in der Personalabteilung — besetzen", beschreibt Dr. Michael Krause. "Dafür werden im Rahmen des Projektes auch Tutoren geschult." Mittelfristig, so der Wissenschaftler, soll die Qualifizierung zum Reality Coach in das Regelangebot der Rehabilitation überführt werden. Zusammen mit dem SIKoM sind daran die GFN AG, Heidelberg, und das Berufsförderungswerk Schömberg, Standort Stuttgart, beteiligt.