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Facebook-Post schlägt hohe Wellen: Heynkes, Jung und die IHK

Facebook-Post schlägt hohe Wellen : Heynkes, Jung und die IHK

Darf sich der Vizepräsident der IHK als Privatperson bei Facebook im aktuellen OB-Wahlkampf klar für einen Kandidaten positionieren? Diese Frage schlägt an diesem Wochenende hohe Wogen. Auslöser ist ein Facebook-Kommentar des Wuppertaler Unternehmers und IHK-Vizepräsidenten Jörg Heynkes.

In dem erhebt Heynkes schwere Vorwürfe gegen Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) und die IHK. Dieser Post wurde mittlerweile mehr als 500 Mal geteilt.

Der Post im Wortlaut: "Ich musste heute morgen mein Profilbild mit einem 'Werbesticker' für die Wahl des OB Kandidaten Andreas Mucke von meiner FB Seite nehmen, weil Peter Jung und zahlreiche andere konservative Kräfte dieser Stadt in massiver Weise meine Kolleginnen und Kollegen bei der Bergischen IHK unter Druck gesetzt haben. Kritisiert wurde, dass ich, trotz meiner ehrenamtlichen Funktion als Vizepräsident der Bergischen IHK, hier bei FB als Bürger und Privatmann offen für die Kandidatur Mucke eingetreten bin und es gewagt habe, den amtierenden OB Peter Jung in angeblich unwürdiger Weise zu kritisieren. Die IHK wurde aufgefordert, mich entweder zum Schweigen zu bringen, oder aus meinem Amt zu entfernen. Am kommenden Dienstag findet deshalb eine Sondersitzung unseres Präsidiums statt. Es mag sein, dass solche Vorgänge im frühen Mittelalter an der Tagesordnung waren. Es mag sein, dass bei den erzkonservativen Kreisen in Wuppertal die Nerven mittlerweile dermassen blank liegen, dass man so gar nicht mehr weiss, wie man diese Wahl noch gewinnen könnte. All das mag sein. Und ich habe auch Verständnis dafür, das bei denjenigen, die in Kürze womöglich ihre Macht verlieren, der Spass gerade aufhört. Aber niemand von denen hat Macht über mich. Für mich habe ich entschieden, dass ich für solche perfiden Spiele nicht zur Verfügung stehe und mich nicht mundtot machen lasse. Ich werde ab sofort wieder offensiv für einen politischen Wechsel in dieser Stadt werben. Ich werde mir von niemandem verbieten lassen meine Meinung kund zu tun. Ich werde mein Amt nicht zur Verfügung stellen. Wenn die Vollversammlung der IHK der Meinung ist, das ich hiermit falsches tue, dann sollen sie mich abwählen. Das werde ich dann jederzeit akzeptieren."

Im Gespräch mit der Wuppertaler Rundschau erklärte Heynkes, er habe am Freitag (18. September 2015) einen Anruf von Michel Wenge, Hauptgeschäftsführer der IHK, bekommen, der ihm geraten habe, den Wahlwerbesticker für Andreas Mucke (SPD) von seinem Facebook-Profil zu entfernen. Es habe zahlreiche kritische Anrufe bei der IHK gegeben, dass sich Heynkes nicht so öffentlich für den OB-Kandidaten der SPD stark machen könne.

Am Nachmittag habe Heynkes schließlich eine Mail erhalten, in der man ihn zur Sondersitzung des IHK-Präsidiums am kommenden Dienstag (22. September 2015) einlädt. Thema: Heynkes öffentliche Statements auf Facebook. In dieser Sitzung, so Heynkes, soll es auch darum gehen, ob er seinen Hut nehmen muss. Es heißt, Peter Jung habe sich bei IHK-Präsident Thomas Meyer über Heynkes beschwert und dieser sei nun sauer auf den Vize.

Heynkes: "Ich habe mich anschließend juristisch rückversichert, ob ich mit meinen Äußerungen gegen bestimmte Regeln in meiner Funktion als IHK-Vizepräsident verstoße. Doch man hat mir versichert, das sei deshalb in Ordnung, da ich diese Äußerungen nie in meiner IHK-Funktion, sondern immer als Privatperson getätigt habe. Ich habe nichts Unrechtes getan." Man versuche, so Heynkes weiter, ihn mundtot zu machen. "Darauf werde ich mich aber nicht einlassen. Darüber muss man öffentlich sprechen."

Oberbürgermeister Peter Jung erklärt auf Rundschau-Nachfrage: "Ich habe Herrn Heynkes eine SMS geschrieben, in der ich ihm mitgeteilt habe, dass ich die Art und Weise, in der er sich als IHK-Vizepräsident äußert, nicht für angemessen halte." Jung bezieht sich dabei auf Formulierungen Heynkes' wie "...niemand weiß, ob Andreas (Mucke Anm. der Redaktion) die Power und die Eier hat oder entwickeln wird, um sich gegen die konservativen Kräfte um Klaus Jürgen Reese innerhalb der SPD durch zu setzen". Jung: "So etwas ist seines Amtes nicht würdig. Ich denke, die Form sollte ein gewisses Niveau nicht unterschreiten."

Jung sagt, er habe auch eine Mail an Heynkes und in "cc" an Meyer und Wenge geschickt, in der er das kritisiert. Er bestreitet hingegen, Druck auf Meyer bezüglich der Personalie Heynkes ausgeübt zu haben. "Mir geht es in meiner Kritik ausschließlich um die Form und die Wortwahl, nicht um den Inhalt", stellt Jung klar.

Michael Wenge will sich momentan nicht zu den Vorfällen äußern und verweist auf die Sondersitzung am Dienstag.