Forschungsprojekt "Happy Power Hour II" gestartet

Wuppertal · Ein Wuppertaler Forschungskonsortium unter Leitung der Bergischen Universität Wuppertal arbeitet zurzeit an einer Lösung zur Reduzierung der Stromkosten durch Lastverschiebung von industriellen Prozessen.

Erste teilnehmende Industriepartner mit geeigneten Produktionsprozessen konnte das Forscherteam um Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek (Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik) bereits gewinnen. Das Kick-off-Meeting fand heute in der Schwebebahnwerkstatt an der Vohwinkler Straße statt.

Die Teilnahme am Forschungsprojekt "Happy Power Hour II" ist für interessierte Unternehmen weiterhin möglich. Sie können sich telefonisch oder per E-Mail an das Projektteam wenden: Jan Meese, 0202/439-1946, meese{at}uni-wuppertal.de. In einem Vor-Ort-Termin werden dann die Möglichkeiten für eine Beteiligung an dem Forschungsprojekt besprochen.

"Unternehmen können mit der Teilnahme am 'Happy Power Hour II‘ nicht nur ihre Stromkosten senken, sondern die Integration der erneuerbaren Energien aktiv unterstützen und somit einen wichtigen Beitrag für das Energiesystem der Zukunft leisten und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken", sagt Jan Meese vom Projektteam.

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst der Anteil der elektrischen Stromerzeuger, die in Abhängigkeit vom Wetter elektrische Energie erzeugen. Wegen der schwankenden Einspeisung der erneuerbaren Energien kommt es an den kurzfristigen Strommärkten zu teils stark variierenden Strompreisen — bis hin zu negativen Preisen. Durch die Erhöhung des Stromverbrauchs zu Zeiten günstigen Stroms und die Reduzierung des Stromverbrauchs zu Zeiten teuren Stroms ist eine Optimierung der Strombezugskosten möglich.

Das Wuppertaler Forschungsprojekt "Happy Power Hour II" entwickelt einen dynamischen Stromtarif, der die Strompreisschwankungen abbildet und somit einen Lastverschiebungsanreiz bietet. Durch einen dynamischen Stromtarif kann die Industrie einen Teil ihrer Prozesse automatisiert in Zeiten mit günstigen Strompreisen betreiben und dadurch ihre Stromkosten reduzieren.

"Mit dem Projekt können wir vorhandene, aber bisher ungenutzte Flexibilitäten bei mittelständischen Unternehmen erschließen und zum Vorteil für die Unternehmen und das Stromsystem einsetzen", sagt Prof. Zdrallek. Die Bergische Universität Wuppertal wird für das Projekt von Land und EU mit 482.000 Euro gefördert; insgesamt beträgt das Projektvolumen 1,3 Millionen Euro.

Die ersten Industriepartner, deren Produktion nun untersucht wird, sind die drei Wuppertaler Unternehmen Tigges GmbH & Co. KG, Joh. Hermann Picard GmbH & Co.KG, Stahlwille Eduard Wille GmbH & Co.KG sowie das Hagener Unternehmen Hawker GmbH.

"In einem ersten Schritt werden die Industrieprozesse in den Unternehmen genauestens hinsichtlich Lastverschiebungspotentialen analysiert. Nach Installation einer zusätzlichen Automatisierungstechnik kann das jeweilige Unternehmen durch die Wahl eines geeigneten Stromtarifs und der Nutzung des Lastverschiebungspotentials seine Stromkosten reduzieren", erklärt Benedikt Dahlmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Intelligente Netze und Systeme.

Das Forschungskonsortium besteht aus dem Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal, WSW Energie & Wasser AG, NetSystem Netzwerk- und Systemtechnik GmbH, Neue Effizienz — Bergische Gesellschaft für Ressourceneffizienz mbH sowie Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production GmbH.