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Sonntagsöffnung: Eskalation statt Verständigung

Sonntagsöffnung : Eskalation statt Verständigung

Seit Mittwochabend steht es fest: In Wuppertal werden am 6. November die Geschäfte nicht wie geplant zu einem verkaufsoffenen Sonntag öffnen. Dies hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht per einstweiliger Verfügung entschieden.

Die Händler sind enttäuscht, der Einzelhandelsverband ratlos — und ver.di irgendwie auch.

Marcel Trapp hatte sich das so schön vorgestellt. Zum verkaufsoffenen Sonntag am 6. November wollte der Inhaber von "Mulligan's" in der Elberfelder Innenstadt den 21. Geburtstag seines Modegeschäfts feiern. Dazu hatte er sich viele hübsche Überraschungen für seine Kunden überlegt. All das muss er jetzt abblasen. "Ich bin entsetzt, fassungslos und wütend", sagt Trapp.

Was die Gewerkschaft ver.di antreibt, die Klage gegen die bereits im Sommer 2015 beschlossenen verkaufsoffenen Sonntage im November und Dezember einzureichen — er versteht es nicht. Vor allem die verkaufsoffenen Sonntage Ende des Jahres seien für den Handel von ganz erheblicher Bedeutung. "Vier gut laufende Sonntage bringen uns das Jahreseinkommen einer Vollzeitkraft ein", erklärt er. Und das sei in so schwierigen Zeiten, in denen sich der Wuppertaler Einzelhandel aktuell befände, "existenziell". "Das", so Trapp", "muss doch auch ver.di klar sein."

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So wie Marcel Trapp beklagen auch andere Einzelhändler aus Elberfeld, Barmen oder Vohwinkel die kurzfristige Absage des verkaufsoffenen Sonntags. Der Hintergrund ist, dass ein besonderer Anlass für eine Sonntagsöffnung gegeben sein muss, der für die Besucher größerer Anreiz ist als die geöffneten Geschäfte. Sie haben viel Zeit und Geld in Werbung und Aktionen gesteckt, die nun gar nicht stattfinden. "Ein verkaufsoffener Sonntag ist im Vorfeld immer mit Werbung und Personalplanung verbunden", erläutert Angelika Finkernagel, Geschäftsführerin der Galeria Kaufhof Wuppertal. Sie sagt: "Die Mitarbeiter nehmen auf freiwilliger Basis an der Sonntagsöffnung teil, und erhalten für fünf Stunden Arbeit einen Freizeitausgleich von elf Stunden."

Viele Händler befürchten, dass nicht mal alle mitbekommen haben, dass die Geschäfte — entgegen der Ankündigung — morgen nun doch nicht geöffnet haben. Kein Wunder, sorgt die Werbung für den verkaufsoffenen Sonntag, die parallel noch zur Meldung über die Absage zu lesen und hören ist, doch für ordentlich Verwirrung bei den potenziellen Einkaufsbummlern. "Wir verprellen die Kunden doch damit", gibt auch Katrin Becker, Center-Managerin der City Arkaden, zu denken. "Wenn sie bei uns vor verschlossenen Türen stehen, gehen sie eben nach Remscheid oder Köln zum Shoppen."

 Ralf Engel, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes: „Für die Wuppertaler Besonderheit müsste man ver.di eigentlich den Marketingpreis verleihen.“
Ralf Engel, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes: „Für die Wuppertaler Besonderheit müsste man ver.di eigentlich den Marketingpreis verleihen.“ Foto: Max Höllwarth

Denn — und das ist ein weiterer Kritikpunkt der Einzelhändler — nicht überall sei ver.di so radikal gegen die geplanten verkaufsoffenen Sonntage vorgegangen. In Solingen etwa hatten am vergangenen Sonntag die Geschäfte anlässlich eines Brückenfestes geöffnet — das es jedoch gar nicht mehr gibt. Einige vermuten daher, dass das strenge Handeln von ver.di durch den "Profilierungswunsch" eines einzelnen motiviert sei.

Die Konsequenz sei jedenfalls, so auch Ralf Engel, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW, dass der Wettbewerb verzerrt sei. "Für diese Wuppertaler Besonderheit verdient ver.di eigentlich den Marketingpreis", sagt Engel sarkastisch. Er fühle sich durch die Klage von Daniel Kolle (ver.di) "vor dem Kopf gestoßen". "Partner, die sich so verhalten, sind mit Vorsicht zu genießen", sagt Engel in Hinsicht auf weitere Verhandlungen mit ver.di.

Ebenso irritiert wie Engel über die für ihn unerwartete Klage von ver.di zeigt sich auch Daniel Kolle. Der Bezirksgeschäftsführer von ver.di sagt, er habe bereits im Juni dieses Jahres gegenüber der Stadt "die umfassende rechtliche Prüfung sämtlicher Kritikpunkte auch für die verkaufsoffenen Sonntage 2016 angekündigt. "Ich habe zu sämtlichen Terminen 2017 und grundsätzlich meine Bedenken ausgeführt und alle Anlässe gelistet, die aus meiner Sicht näherer Konkretisierung bedürfen oder nicht tauglich sind", so Kolle. "Darunter insbesondere Veranstaltungen, die im selben Format wie 2016 stattfinden sollen." Er spricht davon, dass die grundsätzlichen Bedenken von ver.di bei weiteren Besprechungen keine Rolle gespielt hätten und einfach übergangen wurden.

Seine Zustimmung zu den geplanten verkaufsoffenen Sonntagen im November und Dezember 2016, so Kolle weiter, habe er zu keinem Zeitpunkt gegeben. "Ich würde die Auffassung vertreten, dass die Einzelhändler glauben gehört zu haben, was sie hören wollten, und ignoriert haben, was sie besser hätten hören sollen. Und die Stadt verfährt nach dem Motto: 'Finde einen Schuldigen und der Tag hat Struktur!'"

Über den Verkaufsoffenen Sonntag am 4. Dezember wird das Gericht noch entscheiden.