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Offener Brief vor Ratsentscheid: BUGA: Kritik auch von Greenpeace

Offener Brief vor Ratsentscheid : BUGA: Kritik auch von Greenpeace

Mit Blick auf die Ratsentscheidung am Dienstag (16. November 2021) über eine Bewerbung für die Bundesgartenschau 2021 hat Greenpeace Wuppertal einen offenen Brief an Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und die Ratsgraktionen geschrieben. Der Wortlaut.

„Sehr geehrter Herr Schneidewind,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzende,

die Ratsentscheidung über die Bewerbung für die BUGA rückt immer näher. Deswegen nutzen wir, die Greenpeace-Gruppe Wuppertal, diesen Weg, um uns an Sie zu wenden. Wir sehen noch einige offene Fragen, deren Beantwortung unserer Meinung nach wichtig für eine Entscheidung sind. Es geht hauptsächlich um die Pläne für die Königshöhe und die Hängebrücke über das Tal.

Zuerst möchten wir das Verkehrskonzept ansprechen, in dem die Hängebrücke ein zentrales Element darstellt. Durch die Brücke soll ein Rundweg entstehen, der die Hauptstandorte in Vohwinkel über die Sambatrasse und die Nordbahntrasse mit den Standorten an der Königshöhe sowie Kaiserhöhe verbindet.

Doch die Brücke wird höchstens zu Fuß passierbar sein und erst nach der BUGA für den Radverkehr freigegeben - laut der Machbarkeitsstudie. Und das, obwohl das Rad in den Plänen eine zentrale Rolle für die Anreise zur BUGA spielen soll. Räder dürften nach Beendigung der BUGA über die 700 Meter lange Hängebrücke aber nur geschoben werden.

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Die Breite von Lastenfahrrädern und Radanhängern könnte bei der Überquerung zu Fuß zusätzlich Schwierigkeiten bereiten. Da immer mehr Menschen, gerade auch Familien, mit solchen Verkehrsmitteln unterwegs sind, ist dies ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Es sollte dringend vorher geklärt werden, ob diese Art der Räder überhaupt die Brücke passieren können. In der aktuellen Planung hat die Brücke nur eine Breite von 1,80 Metern.

Um den Radverkehr weiter zu stärken und als attraktive Alternative zur Anfahrt mit dem Auto zu etablieren, wäre ebenfalls ein gut ausgebauter Radweg von Vohwinkel zum Zoo vorteilhaft. Dieser fehlt bis heute und erschwert besonders am vielbefahrenen Sonnborner Kreuz das Radfahren. Er würde den am Anfang erwähnten Rundweg erst vervollständigen. Die Machbarkeitsstudie sieht hierfür allerdings keine Pläne vor.

Kommen wir zu einem der Hauptthemen der BUGA: Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit spielt in vielen Bereichen der Stadt Wuppertal schon eine Rolle. Wuppertal ist Fair-Trade-Town und verfolgt das Ziel bis 2035 klimaneutral zu werden. Anscheinend werden diese Ziele aber nicht bei den Plänen der BUGA berücksichtigt. Das enttäuscht uns sehr, da wir uns von einem grünen Oberbürgermeister mehr erhofft hatten.

Eine Klimabilanzrechnung der Hängebrücke, die aus den klimaschädlichsten Baumaterialien Stahl und Beton gebaut werden soll, wurde vom Rat abgelehnt. Und auch Bäume müssten für den Bau gefällt werden. Diese können wiederum nicht weiter zur CO2-Reduzierung beitragen. Junge Bäume, die ggf. an anderer Stelle gepflanzt würden, speichern bei Weitem nicht so viel CO2, wie ältere Bäume. Es handelt sich unter anderem auch um Buchenwälder, für deren Erhalt sich Greenpeace deutschlandweit einsetzt.

Wuppertal will Schwammstadt werden und bereitet sich auf die Folgen des menschengemachten Klimawandels vor. Doch wie sich Stürme oder Starkregen auf die Brücke und das BUGA-Gelände auswirken, wurde bisher nicht untersucht. Stattdessen wird der Boden für den Bau verdichtet und das Gebiet durch das Fällen von Bäumen anfälliger für solche Ereignisse gemacht.

Das Geld, welches für die Instandhaltung der Brücke nach der BUGA benötigt wird, fehlt dann bei dem Budget für Sanierungen der anderen Brücken in Wuppertal. Obwohl sich der Zustand der Brücken seit dem Hochwasser 2021 nicht gerade verbessert hat, werden zukünftige Budgets wohl geringer ausfallen.

Hier wird bewusst eine notwendige Anpassung der Pläne an die Erderwärmung ignoriert. Leider werden ökologische Faktoren nicht mit in die Planung der BUGA einbezogen, sodass das selbst verliehene Siegel .Nachhaltigkeit’ reines Greenwashing darstellt.

Ein letzter offener Punkt bezieht sich auf den Klimaschutz, den die Stadt Wuppertal leisten könnte. Wuppertal trägt nicht umsonst den Titel ,grüne Stadt‘. Wenn Wuppertal sich weiterhin so nennen will, darf die wertvolle Waldfläche auf der Königshöhe nicht zerstört werden. Viel mehr braucht es eine Zusage, die Wälder unter strikten Schutz zu stellen (siehe Petition von Greenpeace: Echter Waldschutz jetzt!), um der Klimakrise etwas entgegenzusetzen.

Das Areal der Königshöhe besteht zum Teil aus forstwirtschaftlich nicht genutzten Waldstücken und Landschaftsschutzgebieten. Diese beherbergen eine Flora und Fauna, die äußerst wertvoll für das Klima und die Biodiversität sind. Man sollte die Leistung des Försters, der diese Fläche bewusst nicht bewirtschaftet hat, anerkennen und nicht durch den Bau einer Brücke zerstören. Offen bleibt, ob die Umsetzung der Pläne wirklich eine ökologische Aufwertung der Flächen bedeutet. Dazu gibt es leider keine Daten. Wir als Ortsgruppe fordern daher, dass ein unabhängiges ökologisches Gutachten angefertigt wird.

Zusammenfassend beinhalten die Pläne der BUGA unserer Meinung nach weder ein nachhaltiges Verkehrskonzept noch eine nachhaltige und durchdachte Durchführung von Anfang bis Ende. Die Auswirkungen auf das Klima und auf die betroffenen Flächen vor Ort werden nicht mit einbezogen. Eine klassische BUGA soll eine Chance sein, um Flächen zu entsiegeln und naturnahe Bereiche zu schaffen. Diese Chance wurde in Wuppertal leider nicht genutzt.

Wir fordern daher eine wirklich nachhaltige BUGA, die diesen Namen verdient hat und die Stadtentwicklung nachhaltig vorantreibt. Denn wo grün drauf steht, muss auch grün drin sein.

Mit freundlichen Grüßen,

Lea Hödtke
i.A. Greenpeace Wuppertal“