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Bis ins hohe Alter zuhause leben — Tipps zum altersgerechten Wohnen

Bis ins hohe Alter zuhause leben — Tipps zum altersgerechten Wohnen

Wer auch im fortgeschrittenen Alter noch ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben führen möchte, der sollte sein Zuhause altersgerecht und barrierefrei gestalten. Welche Maßnahmen dabei helfen, den häuslichen Alltag trotz körperlicher Einschränkungen zu meistern, dass erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Zuhause ist es am schönsten!

Altersgerechtes Wohnen ist nicht nur ein Thema für Senioren. Jeder sollte sich frühzeitig darüber Gedanken machen, wie er im Alter leben möchte und wie er das erreichen kann. Schließlich hängt die Lebensqualität im fortgeschrittenen Alter wesentlich mit der Wohnqualität zusammen. Die vertraute Umgebung und die Einbindung in das soziale Umfeld sind gewichtige Gründe, auch im fortgeschrittenen Alter in seinem bisherigen Zuhause wohnen zu bleiben. Daher sollte man möglichst früh einen kritischen Blick auf seine Wohnsituation werfen und sich folgende Frage stellen: Ist die Wohnung bzw. das Haus auch für altersgerechtes Wohnen geeignet? Oder sind Maßnahmen erforderlich? Falls ja, reichen kleine Eingriffe und Umstellungen des Mobiliars oder sind größere bauliche Maßnahmen erforderlich? Wer größere bauliche Eingriffe plant, der sollte sich auch Gedanken über die Finanzierung machen. Dazu mehr im weiteren Verlauf.

Bereits mit kleinen und vergleichsweise kostengünstigen Maßnahmen lässt sich für viele Senioren die Bewältigung des Alltags deutlich leichter gestalten. Im ersten Schritt werden alle überflüssigen Einrichtungsgegenstände aus dem Wohnraum entfernt und lose Kabel sicher verlegt. Dadurch reduziert sich die Anzahl an potentiellen Hindernissen und Stolperfallen; die Bewegungsfreiheit erhöht sich im Gegenzug. Bei Bedarf sollte man im zweiten Schritt die Zimmer so neu aufteilen, dass man im Alltag möglichst kurze Wege hat. Dafür ist es wichtig, sich seine täglichen Aufgaben im Haushalt zu vergegenwärtigen und einen entsprechenden Ablaufplan aufzustellen. Schritt drei beinhaltet, das verbliebende Mobiliar so umstellen, dass Fenster, Türen und Schränke leicht zugänglich sind und sich problemlos vollständig öffnen lassen. Als nächstes werden die Einrichtungsgegenstände auf ihre Standfestigkeit hin überprüft. Rutschige Möbel lassen sich relativ einfach mit Anti-Rutsch-Pads einfach fixieren. Stehen die Möbel fest, werden im fünften Schritt die Flächen der Sitz- und Liegemöbel erhöht. Durch das Anbringen von Erhöhungsblöcken oder-Füßen unter die Stuhl-, Sessel-, Sofa- und Bettbeine wird das Aufstehen und Hinsetzen deutlich erleichtert. Da auch unzureichende Beleuchtung den Alltag erschwert und die Unfallgefahr erhöht, werden bei Bedarf in Schritt sechs zusätzliche Lichtquellen installiert, bis alle Zimmer vollständige und gleichmäßig ausgeleuchtet sind.

Das eigenen Essen eigenhändig zuzubereiten, das bedeutet für viele Menschen ein wichtiges Stück Lebensqualität. Mit einer Neuanordnung des Küchenmobiliars und des Koch- und Essgeschirrs lässt sich die alltägliche Küchenarbeit auch im fortgeschrittenen Alter noch selbstständig meistern. Dafür ist es notwendig, zuerst alle Küchenutensilien, die man häufig verwendet, in greifbarer Nähe zu platzieren. Besteck, Gläser, Pfannen, Tassen, Teller und Töpfe sollten aus schlecht zugänglichen Schränken entnommen werden und auf der Anrichte platziert werden. Auch der Einbau kleiner Wandregale in Griffhöhe erleichtert die Arbeit. Was nicht täglich gebraucht wird, kann aber weiterhin in Unterschränken aufbewahrt werden. Wichtig dabei ist es, dass die Schubladen der Unterschränke nicht überfüllt werden und sich leicht öffnen bzw. schließen lassen. In die Oberschränke kommen nur noch Dinge, die man nur alle paar Wochen oder Monate braucht. Die Einlegeböden der Oberschränke sollte man gegen durchsichtige Glasböden aus Sicherheitsglas ersetzen. So behält man stets den Überblick und vermeidet das Herausfallen übersehener Gegenstände. Auch die Platzierung von Spiegelglas an den Innen- und Oberseiten hochgelegener Regalfächer hilft dabei, die Übersicht zu bewahren. Außerdem sollten Herd, Spüle und Waschmaschine auch im Sitzen benutzbar sein, schließlich fällt das längere Stehen vielen Älteren sehr schwer und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls. Hierfür kann man die Arbeitsplatte herabsenken; durch das Entfernen unnötiger Unterschränke entsteht Beinfreiheit.

Experten schätzen, dass hierzulande jährlich etwa eine Viertel Millionen Menschen in ihrem Badezimmer einen Unfall haben. Neben Kindern sind vor allem Senioren betroffen. Rutschige, teils spiegelglatte Oberflächen, scharfen Ecken und Kanten bilden eine gefährliche Kombination. Ein besonders gefährlicher Moment ist das Ein- und Aussteigen aus der Badewanne bzw. Dusche. Um die Standfestigkeit in diesen Momenten zu erhöhen, ist es unabdingbar Haltegriffe anzubringen. Auch beim Setzen auf die Toilette und beim Wiederaufstehen gibt ein Haltegriff die nötige Sicherheit. Sehr niedrige Toiletten, wie man sie heute noch häufig in Altbauten findet, können mit einer Toilettensitzerhöhung in die optimale Position gebracht werden. Längeres Stehen in der Dusche lässt sich durch die Installation eines Duschstuhls vermeiden. Wer über eine Badewanne verfügt, der kann sich auch mit einem elektrischen Tuchlifter oder Badewannenlift in die Badewanne hinein- und hinausheben lassen. Diese Lösung ist nicht unbedingt günstig, allerdings übernehmen viele Krankenkassen einen Anteil der Anschaffungskosten. Noch besser ist natürlich eine frei begehbare, bodengleiche und damit stufenlose Dusche, in die man sogar mit dem Rollstuhl hineinfahren kann. Allerdings sind hierfür einige tausend Euro Investitionskosten nötig.

Damit der häusliche Alltag reibungslos abläuft, sind feste Griffe und Bedienvorrichtungen in Greifhöhe unabdingbar. Doch nicht immer lassen sich Lichtschalter, Sprechanlagen, Türdrücker und Heizkörperthermostate problemlos auf einer optimalen Höhe installieren. Hier bieten intelligente Funksteuerungssysteme aus dem Bereich Smart Home eine äußerst komfortable Alternative. Mit Smart-Home-Technologien lassen sich Licht- und Heizungssteuerung einfach programmieren und genauso bequem steuern, wie alle anderen smarten Haushaltsgeräte. Zu den smarten Haushaltsgeräten und -Funktionen zählen Staubsaugerroboter, automatische Abschaltvorrichtungen für den Herd, Schutzmaßnahmen gegen Einbrüche und vieles mehr. Unter dem Begriff Ambient Assisted Living (AAL) werden heute eine ganze Reihe technischer Innovationen geführt, die Menschen im fortgeschrittenen Alter und mit körperlichen Einschränkungen den Alltag erleichtern. Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist die Umrüstung des eigenen Zuhauses auf Smart-Home-Anwendungen weniger kostenintensiv als gedacht. So lassen sich Häuser und Wohnungen mit der KNX-Funktechnologie intelligent nachrüsten. Komfort und Sicherheit nehmen dadurch deutlich zu und ermöglichen somit ein verbessertes Lebensgefühl im Alltag.

In manchen Fällen reichen einfache Sofortmaßnahme oder kleinere Investitionen nicht aus, um das eigene Zuhause den eigenen Bedürfnissen nach altersgerecht umzugestalten. Vor allem das Begehen der Wohnung bzw. des Hauses, einzelner Räume und Etagen fällt manchem Senior so schwer, das größere bauliche Maßnahmen unumgänglich sind. Fest installierte Zugangsrampen erleichtern das Betreten der eigenen vier Wände und einzelner Zimmer, vor allem dann, wenn man auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist. Verteilt sich der Wohnraum über mehrere Etagen und lassen es die baulichen Begebenheiten zu, ist auch die Montage eines elektrischen Treppenlifts denkbar. Liegt ein sogenannter Pflegegrad vor, kann die Pflegeversicherung diese Umbaumaßnahme mit bis zu 4000 € pro Person fördern. So können beispielsweise drei pflegebedürftige Personen zusammen maximal 12.000 Förderung beantragen. Die Förderung kann jedoch auch ein Zuschuss zur Miete eines Treppenlifts sein. Auch andere bauliche Maßnahmen können gefördert werden. Grundsätzlich steht es jedem Bürger mit Pflegegrad zu, einen Zuschuss bei seiner Pflegeversicherung zu beantragen. Ein Rechtsanspruch auf diese Förderung besteht jedoch nicht. Allerdings kann jeder, der durch den Umbau seines Wohnraums eine altersgerechte Wohnsituation schafft im Sinne der Barrierefreiheit, einen Zuschuss der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen.

Der Investitionszuschuss 455-B der KfW wird auch Zuschuss für altersgerechtes Wohnen genannt und bezuschusst bis 6.250 Euro für Maßnahmen zur Erhöhung der Barriere­freiheit und des Wohnkomforts — unabhängig davon, ob man sein Eigenheim umbaut oder altersgerechten Wohnraum erwirbt. Insgesamt sieben Einzelmaßnahmen zur Reduzierung wohnlicher Barriere­n werden gefördert und können sogar miteinander kombiniert werden:

  1. Umbau des Bades
  2. Anlegen von Wegen zu Gebäuden und Wohn­umfeldmaßnahmen
  3. Umgestaltung des Eingangs­bereichs und des Wohnungszugangs
  4. Hilfen zur Überwindung von Treppen und Stufen
  5. Neue Raum­aufteilung und Schwellen­abbau
  6. Schaffung von Gemein­schafts­räumen in Mehr­generationen­wohnen
  7. Maßnahmen zur Orientierung, Kommunikation und Unterstützung im Alltag

Sie möchten wissen, wie hoch die Förderung für Ihr bauliches Vorhaben ist? Im KfW-Zuschussportal erfahren Sie mit wenigen Klicks, ob dieses förderungsfähig ist und wenn ja, wie hoch die Fördersumme ausfällt.

Doch egal für welche Maßnahme Sie sich letztendlich entscheiden: Je früher Sie das Thema altersgerechtes Wohnen angehen, desto einfacher wird Ihnen der Einstieg gelingen.