Der Feuervogel, die Flucht, der Frosch

Der Feuervogel, die Flucht, der Frosch

"Papiertiere": Die eigenwilligen Stempelbilder des Wuppertaler Bildhauers Bodo Berheide in einem aufwendig gestalteten Buch mit kleiner 100-Exemplare-Auflage.

Vor Jahren schon hat Bodo Berheide, der Schöpfer der weltgereisten "Figura Magica" auf dem Platz vor dem Schauspielhaus, damit begonnen, aus recyceltem Zeitungspapier das Material für Bild-Objekte herzustellen, indem er Holzstempel schneidet, und die individuellen Motive dieser Stempel in die noch weiche Papierbrei-Masse drückt. Daraus entstehen etwa 20 mal 20 Zentimeter große Stempelbilder, die Berheide einfärbt, leicht bearbeitet — oder natürlich belässt. Jetzt gibt es 39 der Berheide-Stempelbilder in einem quadratischen Buch. "Papiertiere" heißt es — und hat nicht nur mit Tieren zu tun.

Ein Beispiel von vielen für Bodo Berheides „Papiertiere“-Stempelbilder: „Gingko“. Foto: Bodo Berheide

Die Motive haben teilweise bereits 25 Jahre "auf dem Buckel": Bodo Berheide hat sie während der langen Reise seiner "Figura" durch alle fünf Kontinente gefunden. Den Ausgangspunkt lieferten Abbildungen und Holzarbeiten von Indianern, auf die der Wuppertaler Künstler während der "Figura"-Station in Kanada stieß. Dann wurde Berheide klar, dass weltweit fast in allen Kulturen ähnliche Motive aus der Welt der Pflanzen und Tiere, der Tierkreiszeichen, der Totems, der Natur-Magie sowie auch der modernen Piktogramme existieren.

Der Bogen spannt sich vom "Beuyshasenstempel" (Berheide war Schüler von Joseph Beuys), über Bär, Biene, Frosch, Wal oder Kojote zu Ahornblatt, Gingko und Kalebasse. Auch Herz, Flucht, Sonne und Mond, Osten und Westen sowie das Denken, einen Feuerlöscher oder den Adler-Feuervogel plus vieles mehr findet man auf den 84 Seiten von "Papiertiere".

Jede Abbildung ist mit einem Text ergänzt: Dabei entwickelt sich ein kultureller, gesellschaftlicher und mythologischer Streifzug durch mehrere tausend Jahre Menschheitsgeschichte. Und Bodo Berheide erzählt hier ganz en passant auch viel von sich selbst: Von seiner Sicht auf die Kunst, auf die Welt und auf die Verantwortung des Menschen.

"Papiertiere" ist von Peter Klassen wunderschön gestaltet. Ganz reduziert aufs Wesentliche. Dass einzelne Stempelbilder (leider!) nur schwer zu erkennen sind, liegt an der immer wieder tiefblauen, tiefroten oder tiefgrünen Farbigkeit der außergewöhnlichen Produkte sowie an der porösen Struktur des Materials, aus dem sie sind. Und wer sich in Sachen der (hochinteressanten) Texte nach ein paar Minuten eingelesen hat, wird sich an die Berheide-typische konsequente Kleinschreibung (auch am Satzanfang!) gewöhnen...