Gesundheit Was können Männer gegen nächtlichen Harndrang tun?

Treibt es Patienten nachts immer wieder auf die Toilette nennen Ärztinnen und Ärzte das Nykturie – auch bekannt unter nächtlichem Harndrang (1). Vor allem bei den über 70-jährigen müssen über 60 Prozent der Männer mehr als zweimal pro Nacht raus. In jüngeren Altersklassen sind sie deutlich seltener betroffen.

Was ist nächtlicher Harndrang?

Von nächtlichem Harndrang sprechen Medizinerinnen und Mediziner, wenn Betroffene regelmäßig mehr als zweimal pro Nacht zur Toilette müssen (2). Ob das nur gefühlt oder tatsächlich der Fall ist, können Sie eigenständig mit einem Selbsttest ermitteln.

Dabei gilt die sogenannte Nykturie nicht als Erkrankung. Vielmehr ist sie ein Symptom und damit die Folge eines anderen körperlichen Problems. Daher sollten Sie die Ursachen ermitteln lassen, wenn der Harndrang Sie nachts öfter raustreibt.

Sie müssen nachts öfter zur Toilette? Mögliche Ursachen für den Harndrang

Die Gründe für nächtlichen Harndrang können vielfältig sein. Bei älteren Männern hängt er allerdings oft mit einer Vergrößerung der Prostata zusammen (2).

Es kommen aber auch noch einige andere Ursachen infrage, die mit dem vermehrten Harndrang nachts in Zusammenhang stehen. Sie können unter Umständen auch gleichzeitig auftreten. Dazu zählen beispielsweise (1,3):
• chronische Harnwegsinfekte
• Diabetes mellitus
• Herzkrankheiten (wie Herzinsuffizienz)
• eingeschränkte Nierenfunktion
• hormonelle Störungen
• veränderte Blasenmuskulatur
• Schlafapnoesyndrom (nächtliche Atemaussetzer)
• psychische Probleme

Auch die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln kann einen Einfluss darauf haben, wie oft Sie nachts zur Toilette müssen. Folgende Medikamente fördern nächtlichen Harndrang und sind die Ursache für eine erhöhte Urinproduktion: Mittel gegen Bluthochdruck, entwässernde Medikamente oder Antidepressiva (4).

Nächtlichen Harndrang behandeln

Essenziell ist es, die Ursachen des Harndrangs zu behandeln, damit Sie nachts wieder durchschlafen können. Suchen Sie also ruhig die Praxis Ihres Vertrauens auf und betreiben Sie Ursachenforschung. Dabei kann ein sogenanntes Miktionsprotokoll helfen: Halten Sie fest, wie viel Sie getrunken und welche Menge an Harn Sie wieder ausgeschieden haben. Für die endgültige Diagnose führen Ärztinnen und Ärzte eine körperliche wie auch Urin- und Blutuntersuchung, einen Ultraschall oder ein EKG durch (4).

Daneben können Sie sich aber auch mit kleinen Tricks im Alltag behelfen (3,5):
• Wichtig ist, dass Sie immer noch ausreichend trinken: Im Durchschnitt sollten es 1,5 Liter Flüssigkeit sein – bei körperlicher Aktivität oder heißem Wetter entsprechend mehr.
• Vermeiden Sie außerdem harntreibende Getränke wie schwarzen Tee, Kaffee oder Alkohol.
• Bauen Sie mit der Hilfe von Entspannungsmaßnahmen Stress ab. Besonders gut eignen sich dafür Atemübungen, Meditation oder die progressive Muskelentspannung.
• Beckenbodentraining kann dabei helfen, den nächtlichen Harndrang in den Griff zu bekommen. Stellen Sie sich dafür vor, Sie müssten den Urinstrahl anhalten. Das trainiert die entsprechenden Muskeln.
• Absolvieren Sie den Toilettengang direkt vor dem Schlafengehen. Er sollte zu Ihrem allabendlichen Ritual gehören. • Ist die Blase leer, hat sie mehr Kapazität, um die nächtlichen Urinmengen aufzunehmen.

Zudem können Sie daran arbeiten, Ihre Schlafqualität zu verbessern. Legen Sie sich dazu Ihr persönliches Entspannungsritual am Abend zu. Das kann vom kleinen Spaziergang an der frischen Luft bis hin zur Yogaeinheit alles sein, was Sie danach entspannt und damit erholsam schlafen lässt.

Folgen bei nächtlichem Harndrang

Nächtlicher Harndrang kann unabhängig von der Ursache die Lebensqualität durchaus beeinträchtigen. Wer nachts oft raus muss, schläft schlechter und ist entsprechend weniger erholt am Morgen. Sie können sich also sowohl körperlich als auch geistig schon morgens nach dem Aufstehen erschöpft fühlen. Viele leiden zudem unter Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche (3).

Fühlen Sie sich weniger leistungsfähig, kann sich das sowohl auf das Berufs- wie auch Privatleben negativ auswirken. Wer unter dem Schlafmangel leidet, dem schlägt das womöglich am Folgetag auf die Stimmung. Hält der nächtliche Harndrang längere Zeit an, kann er auch die Partnerschaft beeinträchtigen, wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner immer wieder mit geweckt wird.

Aus dem Grund gilt es, sich keinesfalls mit der unwillkommenen nächtlichen Erscheinung abzufinden. Außerdem helfen
• ein gesunder Lebensstil,
• eine ausgewogene Ernährung und
• ausreichend Bewegung

dabei, den möglichen Grunderkrankungen – und somit nächtlichem Harndrang – vorzubeugen (3).

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(1) „Nykturie - wenn nachts die Blase drückt“. Urologie-badkissingen.de, https://www.urologie-badkissingen.de/35-290-1200-N%C3%A4chtliches-Wasserlassen-beim-Erwachsenen-%28Nykturie%29.html/. Zugegriffen 17. Oktober 2022.

(2) „Nykturie – wenn nächtlicher Harndrang zunimmt“. AOK - Die Gesundheitskasse, https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/organe/nykturie-wenn-naechtlicher-harndrang-zunimmt/. Zugegriffen 17. Oktober 2022.

(3) „Nykturie: Nächtlicher Harndrang als Warnsignal“. Vigo.de, https://www.vigo.de/rubriken/koerper-und-seele/gesunder-koerper/lesen/nykturie-naechtlicher-harndrang-als-warnsignal.html/. Zugegriffen 17. Oktober 2022.

(4) „Wie viel sollte man am Tag trinken?“ Verbraucherzentrale.de, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/wie-viel-sollte-man-am-tag-trinken-24202. Zugegriffen 17. Oktober 2022.

(5) „Wie viel sollte man am Tag trinken?“ Verbraucherzentrale.de, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/wie-viel-sollte-man-am-tag-trinken-24202. Zugegriffen 17. Oktober 2022.