Die evangelische Kirchengemeinde Ronsdorf hat mit einer Besonderheit mitgemacht: Die Trauungen und Segnungen fanden in einem Gottesdienst statt. Wie war das für Sie?
Reis: „Es war ein richtig schöner Rahmen, in dem wir uns als fünf Paare das Ja-Wort gegeben haben. Wir sind gemeinsam in die Lutherkirche eingezogen und saßen alle im Halbkreis vor dem Altar. Pfarrerin Friederike Slupina-Beck hat eine Predigt gehalten und jedes Paar im Wechsel mit Prädikant Christoph Voigt getraut mit den Trausprüchen, die wir uns ausgesucht hatten. Wir haben gemeinsam Lieder gesungen und gebetet. Zwei weitere Paare kamen hinzu, die in dem Gottesdienst gesegnet wurden. Danach gab es einen Sektempfang und Tanz für alle, die dazu Lust hatten.“
Warum haben Sie auf einen eigenen Traugottesdienst verzichtet, in dem Sie allein im Mittelpunkt gestanden hätten?
Reis: „Ich habe meinen Mann vor drei Jahren standesamtlich geheiratet. Es ist meine zweite Ehe. Ich war damals schon alleinerziehend mit drei Töchtern. Wir hatten durchaus vor, uns noch kirchlich trauen zu lassen, aber dann kam unser turbulenter Alltag dazwischen. Ein Jahr nach unserer Hochzeit habe ich Zwillinge bekommen und im September 2024 meinen neuen Job als Diakonin in der evangelischen Gemeinde Ronsdorf angetreten.
Als ich von der Aktion ,Einfach heiraten‘ im Radio hörte, war ich sofort begeistert. Du kannst einfach kommen, deine standesamtliche Traubescheinigung mitbringen, musst keine Feier organisieren und überlegen, wen du alles einladen willst und ob du dir das überhaupt leisten kannst. Es ist schön, den Segen Gottes ganz persönlich zugesprochen zu bekommen und das an einem Tag mit vielen anderen Paaren zu erleben. Zudem noch an einem Datum mit meiner absoluten Lieblingszahl 26.“
Allerdings haben Sie die sogenannte „Pop-up-Hochzeit“ in Ronsdorf organisiert und dann vermutlich sogar mehr Arbeit gehabt, als hätten Sie nur Ihre Trauung vorbereitet, oder?
Reis: „Nein, das war auf keinen Fall so. Im Rahmen der bundesweiten Aktion gab es viel Werbematerial und eine Webseite, auf der man einfach nur seinen Ort eintragen musste. Ich fand es schön, dass wir einer von insgesamt 369 Orten in Deutschland waren, an dem Paare getraut oder gesegnet wurden. Das ist dann ja letztlich eine riesengroße Hochzeit – und wir waren Teil davon! Für eine private Hochzeit hätte ich deutlich mehr Zeit und vor allem Geld investieren müssen.“
Wie haben die anderen Paare „Einfach heiraten“ in Ronsdorf erlebt?
Reis: „Alle fanden es sehr schön und waren von ihren Trauungen oder Segnungen berührt, weil sie so persönlich und liebevoll Gottes Segen für ihre Liebe zugesprochen bekamen. Die Paare waren zwischen 30 und 65 Jahre alt. Manche hatten – wie wir – eigentlich längst kirchlich heiraten wollen, aber der Alltag war dazwischengekommen, andere hatten schwere Zeiten in ihrem Leben durchgestanden und wollten jetzt spontan und unkompliziert ihre Liebe vor Gott bringen.
Manche sind – wie ich – festlich gekleidet gekommen, andere eher leger. Für alle war es sicher ein besonderer Tag, den sie nicht vergessen werden. Dafür sorgt natürlich auch das Datum mit der Schnapszahl 26-06-26.“
Seit September sind Sie Diakonin in der evangelischen Gemeinde Ronsdorf. Was möchten Sie dort gerne bewegen?
Reis: „Ich erlebe die Gemeinde als ausgesprochen offen und freundlich. Bei der Hochzeit waren auch einige Leute aus der Gemeinde dabei, was mich wirklich gefreut hat. Es gibt viele interessante Aktionen und Gruppen in der Gemeinde. Die möchte ich stärken, aber auch mit jüngeren Menschen neue Formate entwickeln, damit die Gemeinde eine Zukunft hat und neue Menschen Heimat in ihr finden.
Ich wünsche mir, dass sie Kirche als einen Ort erleben, an dem der Glaube durch Gemeinschaft gestärkt wird, man den Alltag miteinander teilt und in schweren Zeiten aufgefangen wird. Das habe ich selbst so erfahren und möchte es weitergeben.“