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Wuppertaler Initiative „Cars of Hope“​ half in der Ukraine

Wuppertaler „Cars of Hope“ in der Ukraine : „Die traurigen, leeren Augen fast aller Kinder“

In der ersten Oktober-Woche waren die Helferinnen und Helfer der Wuppertaler Initiative „Cars of Hope“ in der Ukraine auf ihrer fünften Hilfsmission seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar. Diesmal reisten sie gemeinsam mit der Gruppe „Help War Victims“ aus Kiew in die Oblast Charkiw.

René Schuijlenburg, einer der Sprecherinnen und Sprecher von „Cars of Hope“: „Zunächst fuhren wir nach Kiew, um uns mit Leuten von ,Help War Victims‘ zu treffen. Am nächsten Morgen fuhren wir gemeinsam nach Charkiw. Wir hatten eine Menge Medikamente, Verbandsmaterial, Lebensmittel, Streichhölzer, Kerzen und andere nützliche Dinge in den beiden Transportern. Ja, auch Dinge wie Kerzen, denn wir sind auch in die Nähe der Frontlinie gefahren und dort haben viele Menschen keinen Strom.“

Die Helferinnen und Helfer von „Cars of Hope“ waren auf den Einsatz nahe der Frontlinie gut vorbereitet. So hatten sie zum Beispiel vor drei Monaten eine taktisch-medizinische Ausbildung in Kiew absolviert, damit sie sich im Notfall gegenseitig unterstützen können. Humanitäre Arbeit an der Front ist wichtig, aber immer gefährlich. Taktische Medizin oder taktische Notfallmedizin ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der notfallmedizinischen Unterstützung befasst, die notwendig ist, um die Sicherheit sowie die körperliche und geistige Gesundheit von Menschen bei Spezialeinsätzen (taktischen) und anderen Einsätzen in Kriegsgebieten und anderen Krisensituationen zu erhalten. (Bilder:)

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Am 6. Oktober verteilte die Gruppe Medikamente in einer Provinzstadt, die etwa fünf Kilometer von der Frontlinie entfernt liegt. Bereits am Vortag hatten sie nach eigenen Angaben immer wieder Explosionen von Artilleriebeschuss gehört, die jedoch mehrere Kilometer entfernt waren. Diesmal war es anders. Schuijlenburg: „Wir verteilten gerade Medikamente an Menschen, die in der Nähe der Frontlinie leben, als ich den ersten Einschlag hörte. Kurz nach der zweiten Explosion folgte die dritte. Der Teil der Stadt, in dem wir in dem Moment arbeiteten, wurde mit Mörsergranaten beschossen.“

Eine der Frauen von „Help War Victims“, eine ausgebildete „Tac-Med“ („tactical medicine support“), spielte während des Beschusses eine wichtige Rolle. Schuijlenburg: „Eine Frau brauchte Medikamente für ihr Herz, als der Beschuss des Stadtteils begann, in dem wir uns befanden. Die Mörsereinschläge kamen näher und näher. Die Frau hatte Angst, dass wir uns sofort zurückziehen würden und sie die für sie lebenswichtigen Medikamente nicht bekommen würde. Unser Tac-Med suchte in unserem Wagen nach den richtigen Tabletten und sprach mit beruhigender Stimme zu ihr. Sie schaffte es, die ältere Frau zu beruhigen, gab ihr die Medizin und erst danach zogen wir uns schließlich zurück.“

Schuijlenburg: „Etwa en Kilometer weiter setzten wir unsere Verteilaktion fort. Eine ältere Frau kam, weinend und erschöpft. Unsere Tac-Med nahm ihre Hand und sprach beruhigend mit ihr. Es gelang ihr, die alte Dame zu beruhigen. Im Hintergrund war das Donnern der Artillerie zu weiterhin zu hören.“

Die Mitglieder der Gruppe waren sich bewusst, dass sie dort unter Beschuss geraten könnten. Der „Cars of Hope“-Sprecher: "Natürlich war es eine gefährliche Situation. Aber die Arbeit in einem vom Krieg zerrütteten Land ist immer gefährlich. Wir wussten immer, worauf wir uns einließen, als wir uns entschieden haben, in der Nähe der Front zu arbeiten. Für mich ist es nicht das erste Kriegsgebiet, in dem ich arbeite. Auch während des Kosovo-Krieges war ich bei humanitären und Evakuierungseinsätzen dabei. Für die Menschen, die in der Nähe der Frontlinie leben, ist nicht nur die materielle Unterstützung wichtig: Die Anwesenheit von Menschen von außerhalb gibt ihnen das Gefühl, dass sie nicht vergessen werden. Auch der persönliche Kontakt und Austausch sind für sie wichtig. Eigentlich auch für uns. Ich habe viel von diesen Menschen gelernt."

„Cars of Hope“ brachte auch Hilfsgüter in ein Kinderkrankenhaus in Charkiw. Die Kinder, die dort behandelt werden, kommen aus Gebieten, die von der russischen Armee besetzt sind. Für Schuijlenburg war das der schwierigste Teil während ihres Einsatzes in der Ost-Ukraine: „Wir haben dem Krankenhaus unter anderem Decken, Medikamente und einige medizinische Geräte übergeben. Einige Fenster des Krankenhauses sind durch die Druckwelle nach Raketenangriffen und Artilleriebeschuss auf Charkiw zerbrochen.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses blieben oft wochenlang rund um die Uhr bei den Kindern: „Im März und April, als der Beschuss in der Umgebung des Krankenhauses sehr stark war, mussten die Kinder in fensterlosen Fluren untergebracht und behandelt werden. Ich war wirklich beeindruckt von dem Krankenhauspersonal. Sie geben alles. Für mich persönlich waren die traurigen, leeren Augen fast aller Kinder in der Nähe der Front und im Kinderkrankenhaus eindeutig das Härteste während unserer Einsätze in der Ukraine. Nicht die Situation, dass das Gebiet, in dem wir waren, unter Beschuss war."

Die meisten Menschen, die nicht von der Frontlinie geflohen sind, seien ältere Menschen. Sie sähen oft keine Perspektive für den Aufbau eines neuen Lebens im letzten Teil ihres Lebens. Aber auch Geld spiele eine Rolle. Schujlenburg: „Abgesehen von den vielen älteren Menschen, die oft keinen Sinn darin sehen, sich in einem fremden Land, das sie nicht kennen, ein neues Leben aufzubauen, ist es klar, dass wie in jedem Krieg gerade Menschen mit wenig Geld einen hohen Preis zahlen. Die Flucht von der Frontlinie ist für sie oft sehr viel schwieriger. Sie können sich oft kein Auto leisten, haben keine Ersparnisse und wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Das ist einer der Gründe, warum wir dorthin gegangen sind. Diese Menschen brauchen die Unterstützung von Gruppen wie uns oft am meisten. Aber sie haben auch eine Menge zu geben. Ihr Wissen, ihre Freundlichkeit, ihre Wärme, ihre Überlebenskünste. Ich habe in der vergangenen Woche viel von ihnen gelernt.“

Bald werden wieder Helferinnen und Helfer von „Cars of Hope“ in die Ukraine fahren. Sie sind dankbar für all die Unterstützung, die sie von Menschen in Wuppertal und darüber hinaus erhalten haben. Aber sie brauchen weiterhin Unterstützung, um ihre Arbeit in der Ukraine fortsetzen zu können. Schuijlenburg: „Wir haben viele Spenden von Menschen aus Wuppertal, aber auch aus anderen Teilen des Bundesgebietes erhalten. Es ist toll, so viel Unterstützung zu bekommen. Im Moment bereiten wir eine Kampagne für einen gebrauchten Bulli vor. Aber zunächst brauchen wir Spenden, um neue Aderendhülsen, Verbände, Medikamente und andere notwendige Hilfsgüter zu kaufen.“

Außerdem benötige man „Spenden für Generatoren, die mit Solarstrom, Autobatterien und normalem Strom aufgeladen werden können. Viele Menschen, die in der Nähe der Frontlinie leben, haben keinen Strom, und die meisten Heizungsanlagen dort laufen auch mit Strom. Der Winter ist in der Ukraine härter als in Deutschland, daher sind die Generatoren sehr wichtig. Aber wir brauchen auch Dinge wie Kerzen, Streichhölzer, Wasseraufbereitungstabletten, Taschenlampen und Batterien in allen Größen. Man kann aber die Dinge, die ich zuvor erwähnt habe, auch als Sachspende abgeben. Für eine Sachspende können Menschen uns per E-Mail kontaktieren.“