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Schlüssel-Ärger in Wuppertaler Kleingartenanlage

„Schlüssel-Ärger“ in Kleingartenanlage : „Stück Lebensqualität, das mir fehlt“

Gisela Beer ist gehbehindert und darauf angewiesen, dass ihr Sohn Andreas sie zum Grundstück im Vohwinkeler Kleingartenverein „In den Binsen“ fährt. Das klappte, bis der Vorsitzende des Vereins das Schloss an der Zufahrt auswechseln ließ ...

Die Parzelle 63 liegt weit oben am Rand des Geländes. „Mein Willi liebte es, von dort über Vohwinkel und Wuppertal zu schauen. Aus diesem Grund hat er sich damals entschieden, hier unser Kleingartenrefugium zu errichten“, blickt die 86-Jährige zurück auf die Anfangszeit. Und berichtet, dass ihr Mann die Kleingartensiedlung nach dem Krieg mit aufgebaut, über 30 Jahre lang als Vorsitzender verantwortlich mitgestaltet hat. Und erzählt, wie sehr beide gemeinsam mit Sohn Andreas, der schon als Kind ab Mitte der 70er tatkräftig bei der Gartenarbeit mitgewirkt hat und das heute noch tut, all die Jahre die Zeit im Garten genossen haben.

Zwei Schicksalsschläge verändern im Frühjahr 2019 die Situation: Im März stirbt der Ehemann, Wochen später ist Gisela Beer nach einem Oberschenkelhalsbruch dauerhaft gehbehindert, kann sich nur mühsam mit Rollator oder auf Krücken fortbewegen. „Jetzt war ich darauf angewiesen, dass Andreas mich zum Garten bringt und abholt.“ Was zunächst auch, meist zweimal in der Woche, unproblematisch funktioniert.

Bis zu dem Tag im Herbst 2019, als Andreas Beer feststellen musste, dass sein Schlüssel zum Kleingartengelände, den er schon aus Vaters Zeiten besitzt, nicht mehr passt. „Dazu erklärte mir der Vereinsvorsitzende Holger Wolf, dass das Schloss an der Zufahrt aufgrund eines Defektes ausgetauscht werden musste und ich umgehend einen neuen Schlüssel bekomme. Den habe ich trotz mehrerer Aufforderungen und des Hinweises, dass laut Kleingartensatzung der Transport gehbehinderter und betagter Personen bis zum jeweiligen Garten ausdrücklich gestattet ist, bis heute nicht erhalten“, ärgert sich der Sohn im Gespräch mit der Rundschau.

Die weitere, schriftlich geführte Kommunikation bringt ebenfalls keine Lösung des Problems. Eher im Gegenteil: Holger Wolf legt lediglich der Mutter nahe, den Garten zu verkaufen, da sie ja wohl ihre Pflichten dort nicht mehr erfüllen könne. Was Andreas Beer wütend macht: „Das einem Menschen mitzuteilen, der über 45 Jahre seine ‚Scholle’ gehegt und gepflegt hat, anstatt ihm den Zugang per Auto zu ermöglichen, finde ich unverschämt.“

Sehr ärgerlich findet Andreas Beer außerdem, dass die vom 1. April bis 31. Oktober festgeschriebene Öffnungszeit samstags von 8 bis 13 Uhr nicht eingehalten wird. „Auf der Infotafel steht zwar, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Vereinsaktivitäten bis auf Weiteres eingestellt sind, trotzdem fällt für alle Pächter Arbeit an, die eine Zu- und Abfahrt, wie etwa bei der Entsorgung von Laub und Grünschnitt, erforderlich macht.“

Auf Besuche in ihrem Garten verzichten zu müssen, fällt Gisela Beer schwer. „Einmal habe ich versucht, unsere Parzelle 63 zu Fuß zu erreichen. Mit vielen Pausen und großen Schmerzen ist das zwar gelungen, doch mit Rücksicht auf meine Gesundheit darf ich mir diese Strapazen nicht nochmal antun. Auf der Bank vor der Laube sitzen, den Gedanken freien Lauf lassen und ein bisschen träumen, ist ein Stück Lebensqualität, das mir fehlt“, sagt sie traurig.

Ob sich daran in nächster Zeit etwas ändert und warum ihr Sohn keinen passenden Schlüssel erhalten hat, bleibt offen: Auf eine entsprechende E-Mail-Anfrage der Rundschau vom 7. Oktober hat der Vorsitzende des Kleingartenvereins „In den Binsen“ bisher nicht reagiert.