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Kommentar über Wuppertaler: Premium-Plätze zum Weglaufen

Kommentar über Wuppertaler : Premium-Plätze zum Weglaufen

Neulich bei einem Rundgang mit dem Oberbürgermeister durch das kurz vor der Eröffnung stehende Parkhaus am Döppersberg: Als wir die 20 Radboxen erreichen, die innen neben der Ausfahrt stehen, rümpft Andreas Mucke die Nase, denn es stinkt in der brandneuen Anlage atemberaubend nach Urin.

Einschlägige Spuren an der Wand lassen keinen Zweifel: Die Löcher in der unmittelbar angrenzenden Sandsteinmauer werden offenbar von Wildpinklern als Einladung empfunden, sich von außen ins Parkhaus zu erleichtern. Da hier derzeit noch kein Verkehr fließt, kann man es offenbar ganz gut laufen lassen, ohne gesehen zu werden …

Merke: Wo nicht hingeschaut wird, tut sich bemerkenswert schnell allerhand, das niemand sehen (oder auch riechen) will. Deshalb horcht man auch auf, wenn bei demselben Rundgang zwei Etagen höher darüber philosophiert wird, wie der neue "obere" Platz vor dem historischen Teil des Hauptbahnhof wohl genutzt werden wird. Hier locken bei schönem Panoramablick über Elberfeld Grüninseln, Treppenanlagen und manch verstecktes Eckchen — aber wer wird sich künftig hier wohlfühlen?

Die Stadtspitze hofft, dass es "die richtigen Leute" sein werden. Wenn ich an den einladenden Wupperabgang am Islandufer in Elberfeld oder die Bänke am Beer-Sheva-Ufer in Barmen denke, bin ich da nicht so sicher. Das sind zwei potenzielle Premium-Plätze am Fluss, die mit einem intelligenteren Konzept (Public Beach, bewirtschaftete Chill-Out-Zone) urbane Wohlfühlqualität für die breite Bevölkerung haben könnten, jetzt aber eher dazu einladen, einen Bogen um sie und ihre Nutzergruppen zu machen.

Deshalb hat die Wuppertaler FDP völlig zu Recht im Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit nach einem Konzept gefragt, dass am neuen Döppersberg langfristig für Sauberkeit und Sicherheit sorgen soll. Die Antwort: An diesem Konzept wird gerade gesamtstädtisch gearbeitet. Genauer gesagt im Dezernat des Beigeordneten Nocke, der das Vergnügen hat, mit 40 Ordungsdienstmitarbeitern für zwei Schichten ganz Wuppertal auf die Finger zu sehen. Und das am besten an immer mehr Stellen und mit immer mehr Aufgaben.

Ich bin sehr gespannt, wie dieses Konzept aussehen und wo es uns hinführen wird.