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Inder absolviert Freiwilliges Soziales Jahr in Wuppertal: Dankbarkeit, anders ausgedrückt

Inder absolviert Freiwilliges Soziales Jahr in Wuppertal : Dankbarkeit, anders ausgedrückt

Peter Rahul wurde in Indien wegen seines Glaubens verfolgt. In Wuppertal hat er eine neue Leidenschaft entdeckt.

Die Verständigung mit Peter Rahul ist schwierig. "Können wir das leisten?", fragte sich auch Rainer Keßler als Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Suitbertus, als sich der junge Inder mit rudimentären Deutschkenntnissen bei ihm für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bewarb. "Wer, wenn nicht wir, war die Antwort, die ich mir selber gab", erinnert sich Keßler.

Also begann der 33-Jährige seine Arbeit in der Großküche des Heimes und fand dort bald eine eigene Art, seine Freude über diese Chance auszudrücken. Mit Ananas, die er zu Paradiesvögeln schnitzte und Lauch, der durch seine Hände wie eine Blume aufzublühen schien.

Rainer Keßler und Antje Voß sind glücklich, Peter Rahul (Mi.) im Team zu haben. Foto: Max Höllwarth

Peter Rahul hat nicht immer in Küchen von Altersheimen gearbeitet und auch nicht seit jeher aus Obst Kunstwerke geschnitzt. Rahul war Prediger einer katholischen Gemeinschaft in Indien. Für seine Gemeinde reiste er um die Welt. Er besuchte als Missionar Australien, Israel und traf 2009 sogar in Rom Papst Benedikt. "Mein Leben ist der Glaube", sagt der junge Mann, der erst vor 15 Jahren zum Christentum fand. Denn erst als seine Mutter schwer erkrankte, konvertierte seine gesamte Familie zum Katholizismus — und wurde somit zur verfolgten Minderheit im eigenen Land.

Seit dem Aufkeimen des Hindu-Nationalismus in den 1980er Jahren kam es in Indien immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen. Eine Nachrichtenagentur meldete 2008, dass Hindu-Fundamentalisten Belohnungen für Gewalt an Christen aussetzten. Auch Rahul erlebte den wachsenden Druck auf seine Glaubensgemeinschaft.

"Eines Tages druckte eine Zeitung ein Bild von Jesus, in der einen Hand hielt er eine Zigarette, in der anderen eine Bierflasche", erzählt er. Rahul kritisierte in einem Fernseh-Interview die Gotteslästerung. Die Konsequenz für seinen Einsatz wartete vor seiner Haustür. "Fremde Männer schlugen auf mich ein. Sie sagten, sie würden mich töten, wenn ich das Land nicht verlasse."

Ein tierischer Apfel. Foto: Max Höllwarth

Er beantragte eine Arbeitserlaubnis für Europa und floh.
Indien war seine Heimat, sein Gottvertrauen machte die Welt zu seinem Zuhause. Jetzt also Wuppertal. "Ich vermisse meine Eltern, aber wenn das mein Weg ist, ist das mein Weg", erklärt er schlicht. Seine Mittel sind begrenzt, er macht das Beste aus seiner Situation.

Ein Lauch-Arrangement. Foto: Max Höllwarth

Seit Anfang September arbeitet er in dem Caritas-Altenzentrum an der Kölner Straße. Die Kommunikation mit dem Team ist schwierig, sein Deutsch wird nur langsam besser. "Doch wir haben immer gespürt, was für ein freundlicher und liebenswerter Mensch Herr Rahul ist", sagt die Leiterin der Hauswirtschaft Antje Voß. Als sie einen Brunch vorbereitete, bastelte Rahul zum ersten Mal aus Obst Tierfiguren. Seitdem stehen sie symbolisch für seine Dankbarkeit, in dem Caritas-Team und bei den Senioren einen Platz gefunden zu haben.

Wenn nächstes Jahr der FSJ-Vertrag von Peter Rahul abgelaufen ist, möchte er in Wuppertal eine Lehre zum Koch beginnen. "Ich liebe die Küche", sagt der erste Mann, der in dem Altenzentrum für sein FSJ um einen Job in der Hauswirtschaft bat. Bis dahin wird der obstschnitzende Inder noch einen Deutschkurs besuchen und den Senioren des Altenzentrums noch viele Tage mit Papageien, Delfinen und Igeln den Tag ein wenig bunter machen.