Bald 20.000 Wohnungen im Tal leer?

Bald 20.000 Wohnungen im Tal leer?

Wohin geht der Trend beim Wuppertaler Wohnungsmarkt? Eine neue Studie informiert über Chancen und Probleme.

Laut Andreas Mucke von der Wuppertaler Quartiersentwicklungsgesellschaft (WQG) gab es bisher wenig aufschlussreiche Untersuchungen zu diesem Thema. Deshalb hat das Büro mit Dr. Guido Spars von der Bergischen Universität einen Fachmann beauftragt, die Situation genauer zu analysieren. "Die Frage war, wie sich Institutionen und Privatleute auf den Wohnungsmarkt der Zukunft einstellen müssen", sagt Mucke. Die Ergebnisse, findet er, "haben es in sich". Wuppertal befinde sich nach wie vor in einer schwierigen Situation, sagte Spars, der für seine Studie nicht quantitativ, sondern qualitativ geforscht hat. Das heißt, er hat nicht rein auf Zahlen wie Wohnungsangebot und Nachfrage geschaut, sondern auch danach, welche Bedürfnisse und Wertevorstellungen die Haushalte in bestimmten Vierteln haben.

Was läuft gut auf dem Wohnungsmarkt? "Die Quartierentwicklung trägt langfristig Früchte", so Andreas Mucke. In Vierteln mit kreativ geprägten Bewohnern wie der Nordstadt gebe es einen Aufschwung. Er verwies auch auf den Arrenberg, in dem die WQG vor zehn Jahren mit der Vernetzung im Quartier begonnen habe — mit spürbaren Verbesserungen. Die Gründerzeithäuser und das günstige Miet- und Kaufpreisniveau sollen helfen, Menschen für die Stadt zu begeistern. Seit 2009 ziehen immer mehr Wuppertal dem Rheinland vor, weil Preise und Angebot dort zu wünschen übrig lassen.

Die Kehrseite der Medaille: Sechs Prozent Leerstand sind ein sehr hoher Wert — im regionalen Vergleich schneidet Wuppertal schlecht ab. Aus heute 13.000 leerstehenden Wohnungen könnten bald 20.000 und mehr werden, denn Guido Spars geht davon aus, dass die Stadt bis 2025 weiter schrumpfen wird — trotz des aktuellen Stopps beim Abwärtstrend. "Die Zuwanderung aus dem Ausland ist durch Krisen sehr hoch. Das wird sich ändern. Die Abwanderung aus Wuppertal in andere deutsche Städte ist dagegen nach wie vor hoch", bilanziert Spars. Problemfälle sind die Lagen im Tal und der Osten der Stadt — aber auch die Stadtränder dürften nicht vernachlässigt werden. Zudem sollten Standortvorteile wie die Nordbahntrasse oder das Potenzial als Universitätsstadt in Zukunft noch mehr genutzt werden. "Die Uni darf keine Pendler-Uni mehr sein", so Spars.

Was nun? Aus allen Kritikpunkten soll ein großes Ganzes werden: Die WQG hat bereits mit der Stadtspitze gesprochen und will Politik und Verwaltung vorschlagen, auf Basis der Studie einen Aktionsplan zu erarbeiten.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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