Didgeridoo und Elektro: Archaisch und modern

Didgeridoo und Elektro: Archaisch und modern

Der Didgeridoo-Spieler Marvin Dillmann und der Musikproduzent Markus Kammann haben unter dem Projektnamen "Ritual Bass" ihr erstes gemeinsames Electro-Album veröffentlicht — und dabei einen ganz neuen Sound made in Wuppertal kreiert.

Marvin Dillmann spielt Didgeridoo. Als elfjähriger Junge besuchte er 1995 seine Großmutter, die nach Australien ausgewandert war. Dort kam er das erste Mal mit dem hierzulande ungewöhnlichen Instrument in Berührung: "Ein Aborigine hat gespielt und mir gezeigt wie es geht. Als ich dann auch einen Ton herausbekommen habe, war das ein echtes Erfolgserlebnis. Von da an wollte ich auch Didgeridoo spielen." Tatsächlich ließ ihn die neue Leidenschaft nicht mehr los. 2000 gewann er mit seinem Didgeridoo das Wuppertaler Schülerrockfestival. Ein Plattenvertrag sowie Auftritte in Moskau, Paris und Istanbul folgten. Dann musste die Plattenfirma Konkurs anmelden. "Als Musiker gibt es immer wieder Höhen und Tiefen", weiß Dillmann zu berichten.

Oft hat er als Straßenmusiker gespielt, um neben unregelmäßig stattfindenden Konzerten sein Einkommen aufzubessern. Im vergangenen Jahr konnte sich der heute 35-Jährige jedoch über mehr Höhen als Tiefen freuen: Gemeinsam mit dem aktuell erfolgreichsten Bollywood-Sänger Arijit Singh tourte er durch Indien, Kanada und Großbritannien. Dillmann kann es kaum glauben: "Ein Jahr zuvor spielt man noch vor den City-Arkaden und auf einmal steht man vor 40.000 Leuten auf der Bühne."

Markus Kammann ist ein Urgestein der Wuppertaler Musikszene. Nachdem er im Teenageralter als Gitarrist in verschiedenen Bands angefangen hatte, begann er bereits 1981 elektronische Musik zu machen: "Als ich 'Afrika Bambaataa' gehört habe, war das mein Schlüsselerlebnis", erinnert sich der mittlerweile 60-Jährige. Später wurde seine "Beatbox" auf der Wesendonkstraße ein großer Erfolg und als Jazz-, Hip-Hop- und Reggae-Club überregional bekannt. Nach vielen Jahren als Konzertveranstalter und Mitbetreiber der Disco "45rpm" hatte er dann irgendwann genug: "Ich wollte zum Wesentlichen zurück — zum Musikmachen." So produzierte er in den letzten Jahren unter dem Namen "Robo Bass Hifi" mehrere moderne Reggae-Alben.

Dillmann, der im Luisenviertel heimisch ist, und Kammann, der auf dem Ölberg lebt, kennen sich seit Jahren aus dem Café "Milia's". Dass man eigentlich mal gemeinsam Musik machen müsste, wurde zum Running Gag, lacht Dillmann. Im vergangenen April entstand endlich der erste gemeinsame Song. Daraus wurde schließlich ein ganzes Album: "Blown Tubes" vereint verschiedene Subgenres von Elektronischer Tanzmusik (EDM) mit dem Didgeridoo. Von der Kombination sind beide begeistert: "Die Musik ist energiegeladen, transportiert gute Stimmung und animiert zum Tanzen. Dabei bringt das Didgeridoo mit seiner organischen Klangfarbe eine gewisse Wärme in die elektronische Musik", erklärt Dillmann.

Kammanns Wunsch nach innovativen Klängen wurde damit erfüllt: "Die Mischung aus archaischen Sounds und moderner Elektronik ergibt ein reizvolles Spannungsfeld und wirkt trotzdem wie aus einem Guss”, findet Kammann. Und auch Dillmann strahlt: "Nachdem ich bei anderen Projekten eher Begleitmusiker war, steht hier mal das Didgeridoo im Vordergrund." Zudem freut er sich auf Live-Auftritte mit dem neuen Projekt — auch wenn mal weniger als 40.000 im Publikum stehen.

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