Interview mit Kulturdezernent Matthias Nocke zur Zukunft des Tanztheaters: "Ein schleichender Prozess"

Interview mit Kulturdezernent Matthias Nocke zur Zukunft des Tanztheaters : "Ein schleichender Prozess"

Im sechsten Jahr nach dem Tod von Pina Bausch wird das Tanztheater Wuppertal weiter am Generationswechsel, an der Repertoirepflege, aber auch an neuen Formaten arbeiten. Rundschau-Redakteurin Sabina Bartholomä sprach darüber mit Kulturdezernent Matthias Nocke.

Wo steht das Tanztheater in der kommenden Spielzeit?

In der kommenden Spielzeit steht das Tanztheater da, wo es hingehört: Auf der Bühne. Gerade beweist das Ensemble in "Danzón" und "Nelken", dass es sein Publikum auch in der 41. Spielzeit zu begeistern weiß.

Welche Herausforderungen gibt es 2015?

Das Tanztheater arbeitet weiter am Generationswechsel, an der Repertoirepflege und in Zusammenarbeit mit der Bausch-Foundation am damit einhergehenden Transformationsprozess, um die mehr als 40 Stücke von Pina Bausch authentisch aufführbar zu halten.

Die Fans müssen sich also darauf einstellen, ihre Lieblinge nicht mehr auf der Bühne zu sehen?

Das wird ein schleichender Prozess sein. Mit Jorge Puerta Armenta, Damiano Ottavia Bigi, Clémentine Deluy, Pascal Merighi und Thusnelda Mercy haben uns Tänzer der zweiten Generation verlassen, um eigene kreative Wege zu gehen. Scott Jennings und Paul White, der Tänzer des Jahres 2014, sind gekommen, ebenso zwei junge Tänzer von der Folkwang-Hochschule und Breanna O'Mara. Weitere werden folgen. Die erste Generation des Tanztheaters wird mehr und mehr die Repertoirepflege übernehmen und den Transformationsprozess aktiv gestalten.

Wird das Tanztheater in der kommenden Spielzeit erstmalig mit einem neuen Choreographen arbeiten?

Auf jeden Fall gibt es eine neue Folge von "Underground". Die ersten drei choreographischen Arbeiten des Ensembles im Zoo, in den Riedel-Hallen und auf dem Parkdeck sind vom Publikum begeistert aufgenommen werden. Es kann eine weitere Premiere in einem größeren Format geben.

Wie geht es mit der künstlerischen Leitung weiter?

Lutz Förster wird auch die kommende Spielzeit gestalten. Im übrigen sind wir am Ball: Ich stelle mir vor, dass wir zu einer Intendanz kommen, die mit unterschiedlichen jungen und älteren Choreographen zusammenarbeitet, Uraufführungen produziert, dem Ensemble eine eigenständige künstlerische Entwicklung ermöglicht und Repertoirepflege betreibt, damit das Tanztheater Wuppertal das Tanztheater Pina Bausch bleiben kann. Wir haben bisher gut daran getan, uns nicht unter Druck setzen zu lassen und unseren Weg zu gehen.

Wie sieht es mit dem Pina-Bausch-Zentrum an der Kluse aus?

Ich bin fest davon überzeugt, dass 2015 das Jahr des Tanztheaters wird und ein Durchbruch beim Projekt Schauspielhaus gelingen kann und gehe davon aus, dass der Bund nach der ersten Million nun Nägel mit Köpfen macht und die weitere Finanzierung des Tanzzentrums im Schauspielhaus auf den Weg bringt. Neben der unterstützenden Partnerschaft mit dem Kulturministerium in Düsseldorf bin ich den beiden engagierten Sprechern von CDU und SPD im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages dankbar und setze vor allem auf die große Durchsetzungskraft von Peter Hintze.

Was erwartet die Zuschauer noch in der kommenden Spielzeit vom Tanztheater?

Ein spartenübergreifendes Projekt mit Tanz, Musik und Schauspiel unter der Leitung von Robert Sturm. Doch das ist noch "work in progress", da kann ich noch nicht mehr verraten.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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