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Wuppertal: Wie fühlt sich ein Besuch beim Friseur an?

Wie fühlt sich ein Besuch beim Friseur an? : Frisur zugeschnitten aufs Maskengesicht

Auch wenn es sicherlich Menschen gibt, die nach dem Corona-Lockdown einen Besuch beim Friseur nötiger haben als ich (ich spreche von herausgewachsenen Männerhaarschnitten und schrecklichen, grauen Ansätzen), verspürte ich trotzdem das Bedürfnis nach ein bisschen neuem Schnitt in der Mähne.

Überrascht war ich, als meine Friseurin direkt vier Tage später einen Termin für mich frei hatte. Um ehrlich zu sein, habe ich eher mit einer Vorlaufzeit von vier Wochen gerechnet – aber umso besser. Den Salon muss ich mit Maske über Mund und Nase betreten, meine Friseurin begrüßt mich in rotem Ganzkörper-Schutzanzug und einem durchsichtigen Gesichtsschutz, so einem, wie ihn Schweißer tragen. Praktisch für sie und schön für mich, denn so kann ich wenigstens sehen, ob sie über meine Erzählungen lächelt.

Ich hingegen muss meine Mund und Nase verdeckende Maske anbehalten, beim Vorgespräch, beim Waschen, beim Schneiden und beim Föhnen. Zwei Mal flutscht mir die Stoffmaske mit Gummizug von den Ohren. Wir tuen beide so, als wäre das nicht passiert. Ein Getränk wird mir auch nicht angeboten. Es wäre auch zu kompliziert, es zu trinken, ohne die Maske vom Gesicht zu nehmen. Beim Friseur-Gequatsche muss ich mich mehr als sonst anstrengen, durch die gängigen Nebengeräuschen gehört zu werden. Ansonsten scheint der Mundschutz beim Schneiden nicht zu stören - zumindest lässt sich meine Friseurin nichts anmerken. Da ich mir normalerweise die Haare selbst föhne, bringt sie mich nach dem Schnitt zu einem eigens dafür eingerichteten Tisch und stattet mich mit Schutzhandschuhen aus. Eigentlich dürfen Kunden Föhn und Bürste aktuell nicht selbst in die Hand nehmen, mit Gummihandschuhen scheint es hier allerdings in Ordnung zu sein.

Auf die abschließende Frage, ob mir der Schnitt gefalle, kann ich allerdings keine sichere Antwort geben. Nach wie vor ist die Hälfte meines Gesichts von einem dunklen Stofffetzen bedeckt, das Gesamtkunstwerk kommt so definitiv nicht vollständig zur Geltung. Nach Bezahlen und Verlassen des Salons darf ich mich endlich von meiner Maske befreien, bewundere mich in den spiegelnden Autoscheiben vor dem Salon und schicke ihr telepathisch die Antwort: Ja, gefällt mir.