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Wuppertaler Stadtmission: Renate Görler war immer nah am Menschen

Stadtmission Wuppertal : Renate Görler war immer nah am Menschen

25 Jahre lang hat Renate Görler bei der Wuppertaler Stadtmission gearbeitet. Jetzt geht die langjährige Leiterin des Werkes in den Ruhestand. „Das war eine lange Wegstrecke. Eine reiche Zeit geht zu Ende“, sagt die fast 65-Jährige mit etwas Wehmut in der Stimme.

Besondere Freude hat ihr das ganzheitliche Arbeiten gemacht. „Einerseits konnte ich diakonisch-sozial arbeiten und andererseits das Evangelium von Jesus Christus verkündigen“, sagt Görler, die vor ihrer Zeit bei der Stadtmission Jugendreferentin im Kirchenkreis Barmen war. „Beides zusammen zu bringen, das hat mich rückblickend besonders gereizt und mir bis zum heutigen Tag große Freude gemacht.“ Nah am Menschen zu sein und zugleich sich „im Glauben getragen“ zu wissen, das habe ihre Arbeit geprägt.

Als Herausforderung hat sie die Schicksale der Menschen empfunden. „Manchmal konnte ich gar nicht so viel tun und musste die Not der Menschen aushalten und mittragen. Das hat mich gelegentlich an meine Grenzen gebracht“, gibt Renate Görler zu. Auch der Umbau des Gemeindehauses im Jahre 2000 habe sie und das Team der Stadtmission stark gefordert: Damals wurde entdeckt, dass tragende Balken morsch waren. Das Haupthaus drohte, zusammenzubrechen. Um dem zu begegnen, musste die Stadtmission binnen kurzer Zeit 250.000 DM aufbringen und rief deshalb zu einer Spendenaktion von 1.000 x 250 DM auf.

Mit Hilfe vieler privater Spenden, unter anderem auch durch die Unterstützung des Kirchenkreises, konnte die Summe schließlich aufgebracht und das Gemeindehaus neu aufgebaut werden. „Für ein kleines Spendenwerk wie die Stadtmission ist die Akquise von Spenden immer eine große Anstrengung“, sagt sie. „Aber diese Aktion war schon mit einem besonderen Kraftakt verbunden.“

In all den Jahren war es Renate Görler wichtig, sich für soziale Gerechtigkeit stark zu machen: „Es ging mir immer darum, für die Armen und Bedürftigen einzutreten, ganz gleich, ob es Flüchtlingsfamilien oder Rentnerinnen waren, die nur eine Kleinstrente bezogen. Ihnen wollte ich eine Stimme geben und mich für sie einsetzen.“ Rückblickend ist sie dankbar für manch positive Wendung, die durch ihr Engagement eingetreten ist. „Manch einem ist aufgrund unserer Fürsprache Recht widerfahren. Aber an anderen Stelle sind wir auch gescheitert. Das ist die Realität und hat mir gelegentlich zu schaffen gemacht.“

100 Jahre Stadtmission

Das 100-jährige Jubiläum der Stadtmission im vergangenen Jahr konnte aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht wie geplant gefeiert werden. Eine Tatsache, die Renate Görler sehr bedauert. „Ich hätte das Jubiläumsjahr gerne in vollen Zügen mitgestaltet und wäre dabei vielen Menschen begegnet. Aber es kam anders. Das Festjahr ist ausgebremst worden, genauso wie ich in meinen letzten Dienstwochen komplett ausgebremst wurde. Ich kann mich nicht treffen, habe wenig Möglichkeiten, mich mit Einzelnen zusammenzusetzen und mit ihnen ein wenig Rückblick zu halten. Nach 25 Jahren Einsatz und viel Herzblut, das in die Arbeit eingeflossen ist, wirkt das ein bisschen so, als wollte ich mich davonschleichen. Das ist echt schade.“

Konkrete Pläne für die Zukunft hat die 65-Jährige noch nicht. Sie wird sich Zeit lassen, sich „neu zu sortieren“ und dann zu schauen, wo sie sich ehrenamtlich einbringt. Angefangen hat sie aber schon eine Weiterbildung zur geistlichen Begleitung. „In der ersten Zeit stehen auf Fälle ausgiebige Spaziergänge und Besuche bei Freunden außerhalb Wuppertals an“, verrät sie.

Neue Ladenkirche in Barmen

„Die Arbeit der Stadtmission werde ich weiterhin im Gebet begleiten“, sagt Renate Görler. Sie wünscht der Stadtmission einen klaren Blick für die Wahl des neuen Quartiers für die Ladenkirche, die in Barmen entstehen soll. „Und ich hoffe sehr, dass die Stadtmission sowohl innerhalb des Kirchenkreises als auch der Stadt einen guten Platz einnimmt und so unter dem Segen Gottes für die Menschen in unserer Stadt Gutes bewirken kann.“

Ende Februar wird Renate Görler in den Ruhestand verabschiedet. Ihre Entpflichtung findet am 28. Februar 20121 im Rahmen eines kurzen Gottesdienstes um 15 Uhr statt, der per Live-Streaming mitverfolgt werden kann. Der Link folgt in Kürze auf www.wuppertaler-stadtmission.de