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Polizeipräsident: "Warten sehnsüchtig auf Verstärkung"

Polizeipräsident : "Warten sehnsüchtig auf Verstärkung"

Eigentlich glaubte Wuppertals neuer Polizeipräsident in Düsseldorf vor anderthalb Jahren seine finale Karrierestation schon angetreten zu haben. Aber dann erreichte Markus Röhrl ein überraschender Anruf in der Mittagspause ...

Am Handy meldete sich Innenminister Herbert Reul, der dem Leiter der Düsseldorfer Direktion Kriminalitätsbekämpfung den Posten des Polizeipräsidenten für Wuppertal, Remscheid und Solingen anbot. "Ich habe ja gesagt und mich hinterher gefragt: 'Was hast du da eigentlich gemacht?'", erinnert er sich an die spontane Zusage, die den 56-Jährigen in ein noch einmal deutlich größeres Tätigkeitsfeld schleudert. 1.700 Mitarbeiter hat er im Bergischen Städtedreieck unter sich, in Düsseldorf waren es "nur" 600.

Zu seiner offiziellen Vorstellung kommt Markus Röhrl auf die Minute pünktlich. Erster Eindruck: Ein drahtiger Macher mit gewinnendem Auftritt, der gut und gerne auch als Titelmodell eines Brillenprospekts durchgehen würde. Hinter der smarten Fassade steht aber ein ganz bodenständiger Mensch, der seine persönlichen Daten mit einer guten Portion Humor aufsagt: Der gebürtige Benrather lebt seit 20 Jahren in Hennef an der Sieg, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Röhrl hat sein ganzes Leben lang leidenschaftlich Fußball gespielt, bis die Beine nicht mehr wollten, steht jetzt dafür auf dem Tennisplatz, liebt Skat- und Doppelkopfabende im Freundeskreis und ist als gebürtiger Düsseldorfer ausgerechnet Fan des 1.FC Köln, weil sein Vater ihn einst den Geißböcken zuführte. "Da hat man sich was angetan, ich wäre besser Bayern-Fan geworden ..."

Röhrls ältere Tochter studiert übrigens Jura — genau wie der Vater, der nach den juristischen Staatsexamen erst ein Jahr als Anwalt arbeitete und dann 1995 als Seiteneinsteiger zur Polizei wechselte. "Ich bin kein geborener, sondern ein gekorener Polizist", sagt er deshalb über sich selbst und seine nicht wenigen Stationen in den unterschiedlichsten Leitungsfunktionen im Landeskriminalamt und Innenministerium. Besondere Wirkung hinterlassen hat dabei sicherlich der von ihm von 2010 an sechs Jahre lang verantwortete Aufbau des Cybercrime-Kompetenzzentrums für NRW.

"Das ist mit 130 Leute heute das größte neben dem des BKA und ein wichtiger Partner für die Kreispolizeibehörden. Also auch für Wuppertal", betont Röhrl, der sich jetzt ganz neuen Aufgaben stellen muss. "Wir haben hier drei eigenständige Großstädte mit drei Oberbürgermeistern und drei Verwaltungen, zu denen man engen Kontakt halten muss, das ist schon etwas Besonderes", findet Röhrl. Bauen kann er bei seinem Start darauf, "ein sehr gut bestelltes Haus vorgefunden zu haben". Und: "Wuppertal ist quantitativ kein Hotspot der Kriminalität", so Röhrl, auch wenn nicht zu übersehen sei, dass gerade Wuppertal mit politisch motivierter Kriminalität zu tun habe.

Große Probleme sieht Röhrl indes in der personellen Ausstattung seiner Behörde. Grund: "Alleine in Wuppertal haben wir heute pro Tag 100 Einsätze mehr als vor zehn Jahren — bei gleicher Personalstärke. Die Kollegen kommen kaum noch aus den den Stiefeln raus. Wir warten sehnsüchtig auf Verstärkung. Aber die ist ja avisiert." Ein weiterer Anruf des Ministers mit der amtlichen Bestätigung wäre in dieser Hinsicht nicht schlecht ...