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Berufliche Wege: Nach der Schule in die Selbstständigkeit – Ja oder Nein

Berufliche Wege : Nach der Schule in die Selbstständigkeit – Ja oder Nein

Nach der Schule gleich in die Selbstständigkeit starten – ein Traum vieler junger Menschen. Oftmals entsteht auch schon während der Schulzeit eine spannende Idee, die man am liebsten sofort verfolgen und in ein Business verwandeln würde. Doch schnell kommt die Frage auf – Geht das eigentlich, noch als Schüler oder gleich nach der Schule selbstständig zu werden? Und falls ja: Gibt es denn dann bestimmte Dinge zu beachten? Was sind die besonderen Schwierigkeiten für junge Gründerinnen und Gründer?

Dinge, an die jede*r Selbstständige denken muss

Zunächst einmal sollte sich jeder, der sich selbstständig machen möchte, über grundlegende Dinge klar werden, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt. Diese Dinge gelten universell für jede*n Selbstständigen – egal, ob mit 18, mit 30 oder mit 50 Jahren eine selbstständige Tätigkeit aufgenommen wird.

1. Zunächst einmal ist man erst dann wirklich selbstständig, wenn man ein Gewerbe anmeldet. Bei einer freiberuflichen Tätigkeit, wie etwa der Arbeit als Journalist, ist dies nur dem Finanzamt zu melden. Alle anderen nicht freiberuflichen Tätigkeiten sind in jedem Fall beim Gewerbeamt anzumelden. Dort läuft das Ganze dann unterschiedlich ab – je nachdem, in welchem Bereich sich jemand selbstständig machen möchte. Manchmal sind auch spezielle zusätzliche Unterlagen, Zeugnisse oder Qualifikationen notwendig. Wer etwa als Handwerker selbstständig werden möchte, braucht auch noch einen Meisterbrief.

Je nach Stadt können die Kosten für eine Gewerbeanmeldung variieren. Meistens zahlt man zwischen 20 und 50 Euro. Am Kostenaufwand hierfür sollte die Selbstständigkeit also nicht scheitern.

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2. Neben der Gewerbeanmeldung müssen sich alle Einzelunternehmer und jeder der eine GbR (zusammen mit einem weiteren Gründer) gründet auch noch beim Finanzamt, dem Handelsregister und der IHK anmelden. Wer eine GmbH oder eine UG gründet, muss sich beim Handelsregister nicht anmelden. Zusätzlich können noch weitere Einträge nötig werden, wie im Falle von Handwerkern etwa eine Registrierung bei der zuständigen Handwerkskammer. Darüber hinaus sind mitunter auch eine Gewerbeerlaubnis und etwa ein Gesundheitszeugnis notwendig, wenn man zum Beispiel einen Betrieb in der Gastronomie eröffnen möchte. Wichtig ist, sich frühzeitig über alle Genehmigungen zu informieren und diese bald zu beantragen.

3. Jede Selbstständigkeit bringt auch gewisse Risiken mit sich, gegen die es sich abzusichern gilt. Diese Absicherung erfolgt auf unterschiedliche Weise und meist mittels mehrerer Versicherungen und Vorsorgen. Die meisten Selbstständigen schließen zumindest eine Betriebshaftpflichtversicherung und eine Rechtsschutzversicherung sowie eine private Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ab. Sinnvoll können aber auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder auch bestimmte Rentenprodukte sein, die sich für viele Selbstständige besonders lohnen. Der Staat unterstützt Selbstständige mit diversen Angeboten auf verschiedene Art und Weise. Auch hier gilt, sich in Ruhe zu informieren und individuell zu entscheiden, welche Angebote einem passend erscheinen und ob diese nötig oder sinnvoll sind.

In jungen Jahren selbstständig werden

Häufige Probleme junger Selbstständiger

Der KfW-Gründungsmonitor 2019 zeigt: Mehr als 14 Prozent aller Gründer waren in Deutschland im Jahr 2018 zwischen 18 und 24 Jahren alt. Es ist davon auszugehen, dass einige von ihnen gleich nach ihrem Schulabschluss oder zumindest innerhalb weniger Monate den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben. Der oder die ein oder andere wird dabei auf diverse Probleme gestoßen sein. Probleme, mit denen sich jede*r Selbstständige auseinandersetzen muss, aber auch solche, die vor allem junge Selbstständige betreffen.

· Wer sich gleich nach der Schule und mit wenig bis gar keiner beruflichen Erfahrung in die Selbstständigkeit wagt, hat bislang natürlich nur wenig Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln können. Erfahrungen im Berufsleben sind nicht immer zwingend notwendig, sie können aber natürlich trotzdem hilfreich bei einer Gründung sein. Gerade von kaufmännischen Erfahrungen profitieren die meisten Gründer.

· Hinzu kommt, dass das Fachwissen für die eigene Branche bei vielen frischen Schulabsolventen oft noch recht gering ist. Schließlich haben sie keine Ausbildung, kein Studium und eben keinen Arbeitsalltag hinter sich, der ihnen praktische Erfahrungen vermittelt hätte. Das Durchforsten mehrerer Theoriebücher reicht eben oftmals auch nicht aus. Spezifisches Fachwissen ist aber nun einmal ganz entscheidend, wenn es darum geht, sich als Selbstständige*r gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

· Wer sich besonders jung selbstständig macht und aktiv Kundenakquise betreibt, muss damit rechnen, nicht immer ganz ernst genommen zu werden. Es gibt Kunden, die einem 18- oder 19-Jährigen prinzipiell weniger vertrauen, als einem 30-Jährigen. Das ist schade und sollte nicht so sein, da die Kompetenzen und Skills über eine Zusammenarbeit entscheiden sollten. Leider handelt es sich bei dem „Altersproblem“ aber um eine altbekannte Schwierigkeit für junge Selbstständige.

Häufig verdienen Selbstständige nicht gleich von Anfang an genügend Geld, um davon gut leben zu können. Bestehen keine Rücklagen, kann es für junge Menschen, die nicht unterstütz werden, schwer sein, motiviert zu bleiben und weiter hart zu arbeiten. Auch mit einer vorausschauenden Finanzplanung und dem Umgang mit Steuern und anderen Abgaben haben junge Selbstständige nicht selten ihre Probleme.

Vorteile junger Selbstständiger

· Neben den Herausforderungen und Problemen gibt es aber natürlich auch einige Vorteile, die eine Selbstständigkeit gleich nach der Schule mit sich bringen kann. Gerade junge Menschen haben oft noch keine eigene Familie mit Kind, kein Haus, vielleicht sogar nicht einmal ein Auto. Sie brauchen daher weniger Geld zum leben und können die Anfangsschwierigkeiten einer Selbstständigkeit mit geringen Einnahmen vielleicht besser verkraften und überstehen.

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· Wer sich in jungen Jahren selbstständig macht, kann die Freiheiten einer Selbstständigkeit vielleicht noch mehr genießen, als mit 30, 40 oder gar 50 Jahren. Bei einer Tätigkeit, die vorwiegend oder rein über das Internet stattfindet, kann zum Beispiel eventuell von überall aus gearbeitet werden. Für viele junge Menschen hat das Reisen direkt nach der Schule einen hohen Stellenwert. Warum also nicht die Arbeit und das Welterkunden kombinieren?

· In jungen Jahren hat man oft noch mehr Energie und Ausdauer und hält eventuell auch länger an einer Idee fest, mit der man Startschwierigkeiten hat. Überstunden lassen sich da schneller mal ohne große Probleme abarbeiten, als bei Menschen, die schon seit vielen Jahren im Arbeitsleben sind.

· In einer Selbstständigkeit hilft es ungemein, wenn man offen ist und sich auf Neues einlassen kann – auch, wenn es zunächst entgegen der eigenen Ansichten oder Erfahrungen scheint. Viele ältere Menschen haben mit dieser Aufgabe ein Problem. Junge Menschen hingegen beweisen hier häufig mehr Offenheit. Gepaart mit einer grundsätzlich höheren Flexibilität und der Bereitschaft, viel unterwegs zu sein und eventuell sogar umzuziehen, wenn es das Geschäft erfordert, ist das eine wirklich gute Kombination für eine Selbstständigkeit.

Eine gute Planung ist entscheidend

Gerade für alle, die direkt nach der Schule eine Selbstständigkeit anstreben, ist eine gute Planung ganz entscheidend. Sie hilft dabei, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, eine Aufgabe nach der anderen anzugehen und die Selbstständigkeit diszipliniert und fokussiert zu verfolgen.

Wichtig ist dabei zunächst, die anfänglich oft noch recht vage Geschäftsidee zu konkretisieren. Ob man ein Produkt entwickeln und herstellen oder eine Dienstleistung anbieten möchte – es gilt, eine ganz konkrete Vorstellung der Idee zu haben, mit der man Geld verdienen möchte. Anschließend muss man sich ehrlich die Frage stellen: Kann ich mit dieser Idee etwas besser oder schneller machen, als Anbieter ähnlicher Produkte oder Dienstleistungen?

è Falls nein, sollte die Idee angepasst oder gar verworfen werden.

è Falls ja, sind die nächsten Überlegungen: Was ist meine Zielgruppe? Welcher genaue Bedarf besteht nach meinem Angebot? Wie lässt sich dieser Bedarf am besten decken?

Sobald es mit der ausgearbeiteten Idee dann an die Gründung geht, sollte ein Businessplan geschrieben werden. Er dient einerseits dazu, die genaue Idee festzuhalten und die Richtung vorzugeben und nicht aus den Augen zu verlieren. Andererseits ist er vor allem auch ein entscheidendes Vorzeigemittel nach außen hin. Ob man sich nun an Banken, Investoren, Geschäftspartner oder etwa auch ans Arbeitsamt wendet – der Businessplan stellt das entscheidende Dokument dar, das jeder sehen möchte, der einen auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen soll. Im Businessplan enthalten sein sollten:

- Informationen zur Gründerin/ dem Gründer

- Die genaue Erläuterung der Geschäftsidee

- Vermeintliche Zielgruppen

- Eine Markt-, Wettbewerbs- und Konkurrenzanalyse

- Umsatzprognosen- und Gewinnprognosen

- Ziele und Strategien

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- Eine Einschätzung der benötigten Finanzen und eine Kapitalplanung

Nachdem der Businessplan geschrieben ist, geht es spätestens an die Aufgabe, einen guten Markennamen zu finden und diesen schützen zu lassen. Selbst, wenn man nur Dienstleistungen, wie etwa Schreibtätigkeiten oder Beratungsangebote übers Internet anbietet, braucht das eigene Unternehmen einen Namen, eine Identität. Über diesen kann man gefunden, weiterempfohlen und bekannter werden.

Es folgt die Finanzierung der eigenen Selbstständigkeit, für welche, je nach Idee und finanziellem Aufwand, diverse Fördermittel, wie ein Gründungszuschuss oder Einstiegsgelder beantragt werden können. Auch Crowdfunding-Kampagnen können eine gute Möglichkeit für junge Gründer mit überzeugenden Ideen sein.

Abschließend erfolgen die bereits im ersten Abschnitt erwähnten üblichen Gründungsschritte: Gewerbe anmelden, Rechtsform wählen, Versicherungen abschließen und schließlich natürlich noch Kunden gewinnen. Wer seine Selbstständigkeit in ähnlicher Weise durchplant und sich an den Plan hält, hat zumindest schon einmal die äußeren Bedingungen optimiert. Dann muss letztlich nur noch die Idee fruchten und eine Nachfrage bedienen können.