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"Fair" ist etabliert

"Fair" ist etabliert

Die GEPA wird 40. Der Pionier in Sachen "fairer Handel", der seine Zentrale in Wuppertal hat, ist längst ein Name auf dem Markt, nachdem er in seinen Anfängen 1975 mit den berühmten Jutetaschen verbunden und entsprechend belächelt wurde.

Im Jubiläumsjahr konnte man nach Schwankungen wieder ein Umsatzplus präsentieren.

Eine Jahrespressekonferenz der GEPA wirkt heute so routiniert wie bei sonst einem Unternehmen: Im Sitzungsraum am Vohwinkler GEPA-Weg liegen akkurat drapierte Warenproben für jeden Gast am Platz. Matthias Kroth, der kaufmännische Geschäftsführer, referiert die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahrs — Umsatzsteigerung um 6,7 Prozent auf rund 68 Millionen Euro, "das beste Ergebnis der Firmengeschichte". Und wird frech noch eine Frage zu den ethischen Grundsätzen gestellt, erwidert Mitgeschäftsführer Robin Roth leicht süffisant: "Ach so, wir können jetzt gern in die philosophische Diskussion einsteigen."

Aber Grund zum Auftritt hat die GEPA ja in der Tat. Nicht erst seit sie 2014 zur "nachhaltigsten Marke" gekürt wurde: Nach zunächst probeweisem Verkauf von fairem Kaffee 1989 bestätigte der Zuspruch mittlerweile die junge Idee, weltweite Handelsbeziehungen auf Dauer aufzubauen und angemessen zu zahlen. Heute ist das Sortiment weit hinaus über Kaffee und Jute — und umfasst auch zahlreiche Schokoladensorten bis hin zu "Marzipan Kirsch Liqueur" oder auch "faire Pasta" mit Bio-Quinua aus Bolivien. Hinzu kommen Non-Food-Artikel wie Geschirr oder Accessoires. Überraschend: Seit 2011 setzt GEPA auf die Eigenbezeichnung "fair plus" und verzichtet dafür meist auf das übliche Fairtrade-Siegel, das inzwischen auch bei Discountern Standards setzt. Damit will sie sich abgrenzen, auf ihre Pionierfunktion und höheren Ansprüche hinweisen.

Robin Roth: "Wir wollen zeigen, dass man eindeutig anders handeln kann, und zwar mit Gewinn." Tatsächlich darf man wohl sagen: Aus der Ecke "nur gut gemeint" ist fairer Handel auch durch die GEPA heute klar heraus. Ein bisschen Profi-Gehabe ist da fairerweise das kleinere Übel.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)