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ADAC-Studie „Mobil in der Stadt“: Schlechte Werte für Wuppertal

Vier Kategorien : ADAC-Studie „Mobil in der Stadt“: Schlechte Werte für Wuppertal

Im bundesweiten Vergleich von 29 mittelgroßen Städten unter 500.000 Einwohner sind die Bürgerinnen und Bürger sowie Pendlerinnen und Pendler in Wuppertal mit ihrer Mobilität unterdurchschnittlich zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt der ADAC-Monitor „Mobil in der Stadt“ (2020). Mit einem Gesamt-Index von lediglich plus 9 liegt Wuppertal im Deutschland-Ranking gemeinsam mit Krefeld auf dem vorletzten Platz.

Einen geringeren Zufriedenheitsindex hat nur Mönchengladbach (plus 3). Bei den untersuchten Verkehrsarten (Auto, Rad, ÖPNV, Fuß) äußern Autofahrer (minus 4) die größte Unzufriedenheit mit ihrer Mobilitätssituation. Etwas positiver bewerten ÖPNV-Nutzer (plus 10) und Radfahrer (plus 12) ihre Rahmenbedingungen. Fußgängerinnen und Fußgänger sind innerhalb Wuppertals am zufriedensten (plus 19).

In allen Teilkategorien liegt die Stadt jedoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt und belegt in der ADAC-Zufriedenheitsstudie hintere Plätze (Auto: 22. Platz; Fahrrad: 19. Platz; ÖPNV: 28. Platz; Fußgänger: 28. Platz). Der ADAC-Indexwert gibt an, ob und um wie viel Prozentpunkte die zufriedenen Verkehrsteilnehmer die unzufriedenen überwiegen. Bei einem Wert von 0 wären gleich viele Einwohner/Pendler mit der Mobilität in einer Stadt zufrieden bzw. unzufrieden.

„Auch wenn in Wuppertal noch die Zufriedenheit mit der persönlichen Mobilität überwiegt, besteht angesichts zahlreicher Kritikpunkte von Einwohnern und Pendlern viel Luft nach oben“, erklärt Prof. Dr. Roman Suthold, Mobilitätsexperte des ADAC Nordrhein. „Zwei Punkte sind entscheidend: Erstens müssen die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer ideologiefrei und bestmöglich aufeinander abgestimmt werden. Und zweitens gehören alle relevanten Verwaltungsbehörden, Akteure und Betroffenen sowie benachbarte Kommunen im Planungsprozess an einen Tisch. Dann kann es ein ausgewogenes Miteinander geben, ohne bestimmte Verkehrsteilnehmer benachteiligen zu müssen.“

Autofahrerinnen und -fahrer kritisieren in Wuppertal vor allem das Baustellenmanagement (minus 20), das Verhalten von Radfahrern (minus 19) und die Höhe der Parkgebühren (minus 16). Auch mit dem Verhalten anderer Autofahrer (minus 14), dem Parkraumangebot im Stadtgebiet (minus 12) und dem Straßenzustand (minus 5) sind mehr Autofahrer unzufrieden als zufrieden. Positiver sehen Pkw-Nutzer die Wegweisung an den Straßen (+ 21) und die Beschilderung der Parkmöglichkeiten (plus 16).

Bei den Radfahrerinnen und -fahrern sind in allen Kategorien mehr zufrieden als unzufrieden. Eine vergleichsweise schlechte Bewertung erhalten das Radwegenetz (plus 8), die Breite der Radwege (plus 8) und die Wegweisung für Fahrradfahrer (plus 4). Am positivsten sehen Radfahrerinnen und -fahrerndie Zuverlässigkeit, ihr Ziel in der geplanten Zeit zu erreichen (plus 30), die Wartezeit an Ampeln (plus 20) und das Verhalten anderer Radfahrer (plus 19).

Unter den ÖPNV-Nutzerinnen und –Nutzern herrscht verstärkt Unzufriedenheit mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis (minus 5). Bei allen anderen ÖPNV-Kategorien überwiegt der Anteil zufriedener Befragter, besonders in punkto Länge der Wege beim Umsteigen (plus 25), Beschilderung in Bahnhöfen (plus 24), Dichte der Haltestellen (plus 22) und Sicherheitsgefühl in den Fahrzeugen (plus 22). Vergleichsweise schlecht bewertet werden Pünktlichkeit/Ausfälle (plus 6), Informationen bei Störungen (0) und das Parkplatzangebot an Bahnhöfen und Haltestellen (plus 2).

 Die Überischt für den Bereich Fahrad und Fußgänger.
Die Überischt für den Bereich Fahrad und Fußgänger. Foto: ADAC

Fußgängerinnen und Fußgänger äußern sich in Wuppertal vermehrt negativ über Sitzmöglichkeiten entlang der Gehwege (minus 18) und das Verhalten von Radfahrerinnen und -fahrern (minus 15). Am positivsten nehmen sie die direkten Wege zur Erreichbarkeit ihrer Ziele (plus 33), das Angebot an sicheren Querungsmöglichkeiten (plus 26) und die Breite der Gehwege wahr (plus 22).

„Die Erreichbarkeit der Städte und die Qualität der urbanen Mobilität sind wichtige Standortfaktoren für Wachstum, Beschäftigung und Lebensqualität. Wuppertal muss aufpassen, hier nicht abgehängt zu werden. Die Ergebnisse liefern der Stadt Grundlagen und Anregungen, um die Mobilitätsinfrastruktur im Sinne der Einwohner und Einpendler weiter zu verbessern“, so ADAC-Experte Suthold.

Von insgesamt zehn untersuchten NRW-Städten schnitt Münster am besten ab und landete auch bundesweit auf Platz eins (Gesamtindex: plus 35). Dahinter schaffte nur Oberhausen noch den Sprung in die Top 10 (8. Platz / plus 26). Zu den Schlusslichtern im deutschen Städtevergleich zählen neben Wuppertal noch Krefeld (27. / plus 9) und Mönchengladbach (29. / plus 3). Aachen (24. / plus 13) und Bonn (22. / plus 14) landeten ebenfalls im unteren Drittel, Gelsenkirchen (20. / plus 16), Bielefeld (19. / plus 18) und Bochum (14. / plus 21) im Mittelfeld.

Zur Methodik (Quelle: ADAC):

„Der ADAC hat im Monitor „Mobil in der Stadt“ (2020) die subjektive Zufriedenheit mit der Mobilität in 29 mittelgroßen Städten zwischen 169.000 und 366.000 Einwohnern untersucht. Befragt wurden in Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Marktforschungsinstitut „infas quo GmbH“ Einwohner mit Haupt- oder Zweitwohnsitz sowie Pendler sowie Besucher (ab 18 Jahren), die im Durchschnitt an mindestens zwei Tagen pro Woche Wege in der jeweiligen Stadt zurücklegen. Erhoben wurde die Zufriedenheit der Autofahrer, ÖPNV-Kunden, Fahrradfahrer und Fußgänger. Insgesamt wurden in der repräsentativ angelegten Online-Befragung 11.637 Interviews mit 1,15 Millionen Antworten zu 58 Einzelaspekten der persönlichen Mobilität ausgewertet.

Pro Stadt fanden im Oktober/November 2020 rund 400 Interviews statt, je Verkehrsart mindestens 100. Die Beantwortung der Fragen erfolgte mit einer Schulnoten-Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 6 (überhaupt nicht zufrieden). Aus den besten (Summe Note 1 und 2) und schlechtesten (Summe Note 5 und 6) Bewertungen wurden die vier Teilindizes Pkw, Fahrrad, ÖPNV und Fußgänger errechnet. Die Index-Werte aller vier Fortbewegungsarten wurden anschließend gleichberechtigt mit jeweils 25 Prozent im Gesamtindex berücksichtigt. Der ADAC Index „Mobil in der Stadt“ gibt an, ob und um wieviel Prozentpunkte die zufriedenen Verkehrsteilnehmer die unzufriedenen überwiegen. Er kann maximal plus 100 und minimal minus 100 betragen. Der Wert 0 bedeutet, dass gleich viele Einwohner/Pendler mit der Mobilität in einer Stadt zufrieden bzw. unzufrieden sind.“