Wuppertaler Sozialträger schlagen Alarm „Das ist eine Abrissbirne“

Wuppertal · Berlin plant massive Kürzungen im Sozialbereich. 500 Millionen Euro in diesem Jahr, 900 Millionen im kommenden. Alle Bundesländer und die Sozialträger schlagen Alarm. Auch in Wuppertal. Hier sind Stadtteilservice, E-Schrott-Recycling, Trassenmeisterei und vieles mehr bedroht.

 Diese fünf und viele andere, die im sozialen Bereich aktiv sind, sehen angesichts von massiven Kürzungsplänen der Bundesregierung eine schwarze Zukunft für Wuppertal (von links): Stadtdirektor und Sozialdezernent Stefan Kühn, Thomas Lenz (Jobcenter), Regine Widmayer-Wagner (Wichernhaus), Benjamin Thunecke (GESA) sowie Thomas Bartsch (Diakonie).

Diese fünf und viele andere, die im sozialen Bereich aktiv sind, sehen angesichts von massiven Kürzungsplänen der Bundesregierung eine schwarze Zukunft für Wuppertal (von links): Stadtdirektor und Sozialdezernent Stefan Kühn, Thomas Lenz (Jobcenter), Regine Widmayer-Wagner (Wichernhaus), Benjamin Thunecke (GESA) sowie Thomas Bartsch (Diakonie).

Foto: Wuppertaler Rundschau/sts

Überall da, wo es um Qualifizierungs- und Beschäftigungsplätze für Langzeitarbeitslose sowie junge Menschen unter 25 Jahren geht, müssen sich Jobcenter, Wichernhaus, Diakonie, GESA und etliche weitere Träger mit der gezwungenermaßen drohenden Streichung vieler Angebote auseinandersetzen. Angebote, an deren Existenz sich Wuppertal gewöhnt hat – und von deren Existenz alle Wuppertaler profitieren.

Wichernhaus-Geschäftsführerin Regine Widmayer-Wagner sagt über die Pläne der Bundesregierung: „Das ist eine Abrissbirne.“ GESA-Geschäftsführer Benjamin Thunecke: „Wir verlieren auf allen Ebenen.“ Und Wuppertals Sozialdezernent Stefan Kühn spricht von einem „doppelten Schock“. Er prognostiziert: „Deutlich weniger Geld für viel mehr Aufgaben, das wird scheitern.“

Auf dem Spiel steht nicht nur die personell-finanzielle Ausstattung der Sozialträger, sondern auch die seit Jahren auf individuelle lokale und persönliche Bedürfnisse zugeschnitte Betreuung von arbeitslosen Unter-25-Jährigen durch das Jobcenter. Diese Aufgabe will das Bundesarbeitsministerium in Zukunft an die Bundesagentur für Arbeit übertragen. Die sich dafür allerdings, so Dezernent Kühn, selbst weder organisatorisch noch inhaltlich qualifiziert sieht.

Jobcenter-Chef Thomas Lenz: „Wir müssten an vielen Stellen, wo junge Leute betreut und qualifiziert werden, die Türen schließen. Das wäre ein Drama“. Auch nach Auffassung von Diakonie-Geschäftsführer Thomas Bartsch droht „das Ende des sozialen Arbeitsmarktes“, der gerade in Wuppertal eine immense Bedeutung und Größe habe.

Alle, die sich im „Café Nordbahntrasse“, dessen Existenz ebenso gefährdet ist wie das benachbarte Skater-Zentrum „Wicked Woods“, zur Pressekonferenz versammelt hatten, sind sich einig: Die Zerschlagung von seit Jahren gewachsenen Strukturen der Berufsqualifizierung, Betreuung und Aufgabenübernahme für zahlreiche öffentliche Räume führe zu einem stadtweiten Verlust des sozialen Aspektes. Und an vielen Stellen Wuppertals würden die Menschen, die hier leben, die Folgen dieser Kürzungspläne spüren. In allen Bevölkerungsschichten.

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