| 12.46 Uhr

Vohwinkel
"Einfach einen fahren lassen"

Vohwinkel: "Einfach einen fahren lassen"
Torsten Jahnke, Martin Silz und der zwölfjährige Jan Hendrik Exner (v.l.) – ganz versunken in ihrem Hobby: den Modelleisenbahnen. FOTO: Turek
Wuppertal. So wie unsere Überschrift lautet das Motto, unter dem sich zahlreiche Modelleisenbahnbegeisterte zum "Tischbahning" in der Pina-Bausch-Gesamtschule getroffen haben. Von Jan Turek

"Wir treffen uns regelmäßig in Lokalen und Gaststätten. Dann bringt jeder ein paar Schienen und eine Lok mit und dann fährt man zur Freude der Anwesenden", erzählt der 58-jährige Torsten Jahnke über seinen Modelleisenbahn-Insiderstammtisch. Irgendwann sei das allerdings zu klein geworden und die Idee zum "Tischbahning" entstand: Verschiedene Stammtische für Modelleisenbahnen aus Wuppertal und dem Ruhrgebiet schlossen sich lose zusammen, um gemeinsam größere Bahnen bauen zu können.

Da "eine große Anzahl gleich hoher Tische" benötigt wurde, lag es nah, das Ganze in Schulen stattfinden zu lassen, erläutert Mitorganisator Jahnke. In der Pina-Bausch-Gesamtschule traf man sich nun schon zum dritten Mal. Insgesamt wurden dazu in knapp sieben Stunden etwa 1.100 Meter Schienen der Firma Märklin verlegt.

Der 50-jährige Computerfachmann Martin Silz, der bei der Veranstaltung mit seinem Laptop die Aufgaben eines Fahrdienstleiters übernimmt, berichtet stolz, dass diesmal versucht wurde, eine Strecke nach schwedischem Vorbild möglichst originalgetreu nachzubauen. "Es ist toll, wirklich einmal viel Platz zu haben, um lange Züge fahren zu können. Jeder, der ein passendes Fahrzeug hat, ist herzlich eingeladen", sagt der Computerfachmann. Jahnke, ein Wuppertaler Radiologe, hat die Begeisterung für Modelleisenbahnen von seinem Onkel geerbt und hofft, sie eines Tages an seine Enkel weitergeben zu können. Für ihn ist das Hobby "ein wichtiger Ausgleich zum Beruf ".

Im Leben von Silz aus Essen, der sich etwa 15 Stunden pro Woche mit Modellbahnen beschäftigt, hat diese Leidenschaft noch einen deutlich höheren Stellenwert: "Ich lebe für meine Modellbahn", fasst er zusammen. In seinem Schlafzimmer hat er eine fünf mal drei Meter große Anlage fest installiert. Auch im Portemonnaie macht sich das bemerkbar: "Ein Mittelklassewagen steckt da drin." Und für eine Frau bleibt ihm auch keine Zeit. Die Modelleisenbahn, so sagt er, sei auch "im Wesentlichen ein Männerhobby, was eigentlich schade ist." Schade findet er auch, dass sich nur noch verhältnismäßig wenige junge Leute für Modelleisenbahnen begeistern können.

Jan Hendrik Exner widerlegt das Klischee des aussterbenden Hobbys. Er gehört zur jüngeren Generation und ist erst zwölf Jahre alt. Er ist extra aus Taunusstein in Hessen angereist, weil es ihm "grundsätzlich sehr viel Spaß macht, mit der Eisenbahn auf großen Strecken zu fahren". Dass sich in seinem Umfeld nur wenige Kinder für Modelleisenbahnen begeistern können, stört ihn nicht. Schließlich hat er stattdessen seinen Vater "anstecken" können.

Auch in Jan Hendriks Anlage stecken, so schätzt er, bereits 8.000 Euro. Diese Anlage möchte er bald noch erweitern. Neben der Schule schafft er es, etwa vier bis fünf Stunden wöchentlich für sein Hobby aufzubringen. Das macht ihm viel Spaß, erzählt er: "Und mein Herz hängt daran."