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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Zuhause im Bahnhofsglück

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Zuhause im Bahnhofsglück
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. "Wuppertal Hbf" - die Abkürzung steht für "Hier biste falsch", denn nach Hauptbahnhof sieht in Elberfeld schon ziemlich lange gar nichts mehr aus Das will die Deutsche Bahn bekanntlich ändern und hat deshalb ein riesiges Schild im Bahnhof Elberfeld aufgehängt, das großartige Renovierungsarbeiten für acht Millionen Euro verspricht, an deren Ende keine Gebüsche mehr auf dem Bahnsteig wachsen und Aufzüge für Komfort sorgen sollen. Dieses Ende ist allerdings noch nicht wirklich in Sicht und der Anfang nicht an allen Stellen vielversprechend.

Das belegt auch das beeindruckende Leserfoto unten, das die Bemühungen der Bahn dokumentiert, Gleis 1 baulich vom 19. ins 21. Jahrhundert zu transportieren. Dies geschieht offensichtlich mit Hilfe einer kühnen Konstruktion aus Holz-Paletten, die man in ähnlicher Form gerne im Do-it-yourself-Segment und bei Heimwerkersendungen im Fernsehen antrifft. Ich musste bei diesem Anblick auch spontan an meinen letzten Besuch im Baumarkt denken, wo im Eingangsbereich eine Vorführung zum Thema "Möbelbau aus Europaletten" lief – acht verschiedene Gestaltungsideen wurden vorgestellt, ein Bahnsteig war allerdings nicht dabei. Das dürfte seine Gründe haben.

Möglicherweise verhält es sich mit den Umbauarbeiten ja ähnlich wie mit den Süßwarenautomaten auf dem Bahnsteig, die derzeit neben dem Auflecken von Taubenkot die einzige Versorgungsoption innerhalb des Bahnhofs darstellen. In ihnen steckt nur Zeugs, bei dessen Anblick jeder verantwortungsbewusste Ernährungsberater sofort die Polizei holen müsste, aber auf der Rückseite steht riesengroß dran: "FRISCH und LECKER – Einfach genial!!!"

Sollten Sie sich jetzt Sorgen machen, dass die Bahn möglicherweise mit dem Hauptbahnhofsprojekt überfordert ist, kann ich Sie beruhigen. Ich habe nämlich Initiative ergriffen und mich darum gekümmert, dass wir Hilfe kriegen. Und zwar so: Sie kennen doch bestimmt auch die TV-Sendungen "Die Bauretter" und "Zuhause im Glück – Eizug in ein neues Leben" auf RTL2. Darin kümmert sich eine ganze Truppe fleißiger Planer und Handwerker darum, dass Menschen, die unverschuldet ein gescheitertes Bauvorhaben oder eine komplett verranzte Immobilie am Bein haben, kostenlos geholfen wird. Da habe ich Wuppertal jetzt angemeldet.

Die Bewerbung lautete so: "Liebe RTL-Redaktion, wir sind 350.000 Menschen, die dringend eure Hilfe brauchen. Viele von uns sind alt und gebrechlich und wir haben mehr Schulden als Peter Zwegat in 100 Jahren abbauen könnte. Jetzt ist auch noch unser Bahnhof total im Eimer und steht nur noch auf Europaletten. Könnt ihr bitte kommen und es uns da wenigstens ein ganz klein bisschen netter und praktischer machen?

Und könntet ihr außer Handwerkern vielleicht auch noch ein paar Möbelpacker mitbringen, die uns in der Zwischenzeit helfen, schwere Koffer aus einem gruseligen Tunnel rauf auf Gleis 2 zu schleppen. Das müssen wir nämlich seit einer Ewigkeit selbst machen und viele von uns kommen gar nicht oben an. Sollte das klappen, werden wir auch garantiert am Ende für die Kameras schön weinen, wenn ihr uns durch den neuen Bahnhof führt. Herzlichst grüßt euer Wuppertal.

Bis die Tage!

P.S.: Tine Wittler müsst ihr nicht mitbringen, lindgrüne Bilderrahmen und Regale brauchen wir nicht.

Die Rundschau-Radrunde