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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Sendersuchirrlauf

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Sendersuchirrlauf
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Manchmal staunt man ja selbst, wie man als kleiner Pressemensch die Welt beeinflussen kann. Vorige Woche habe ich über den Fußball im Fernsehen geschimpft – und prompt hat der führende TV-Anbieter Unitymedia jetzt fast alle Sender abgeschaltet.

Theoretisch sollte es sich zwar nur um eine Neubelegung der Programmplätze handeln. Praktisch können jetzt aber alle möglichen Leute gar nichts mehr sehen, weil exotische Kanäle wie ARD und ZDF auf Sendeplatz 301 sogar noch hinter Rundfunkanstalten wie "Lust pur" und "Penthouse HD" verschwunden und für unbedarfte Zuschauer unauffindbar sind.

Einige wenige Gebenedeite empfangen immerhin noch durch himmlische Fügung die eingespeisten 43 Bibel-TV-Kanäle, auf denen sich Hobby-Geistliche stundenlang ums Würstchen predigen. Mögen sie auch für die beten, die nach dem zehnten Sendersuchirrlauf kurz davor stehen, ihren Fernseher aus dem Fenster zu werfen!

Viele Fernseher würden die neuen Programme automatisch finden, verspricht Unitymedia auf seiner Homepage. In Wirklichkeit werden die meisten Programme aber durch Enkel gefunden, die Notrufe von Oma und Opa erhielten. Gerade ältere Menschen sind nämlich oft hilflos, wenn sie bei der Fernbedienung auf Knöpfchen 1 drücken und dann statt Tagesschau-Sprecher Jan Hofer mit Krawatte plötzlich eine Domina mit Peitsche kommt.

Wenn ich das Wort "automatisch" höre, bin ich sowieso immer skeptisch. Deshalb hat mich auch diese Meldung aufgerüttelt: Der Weltmarktführer unter den Pizzataxis testet aktuell zusammen mit Ford in den USA die Auslieferung mit selbstfahrenden Autos. Das bedeutet im Klartext, dass die Pizzen nicht mehr zu Ihnen, sondern Sie zu den Pizzen kommen. Die müssen Sie dann nämlich aus dem Kofferraum des Pizzataxis holen, weil es selbst hochmoderne Hybridautos relativ selten autonom bis in den zweiten Stock an Ihre Wohnungstür schaffen.

Aus meiner Sicht hat das eigentlich nur einen Vorteil: Nachdem Sie im Dunkeln bei strömendem Regen in Pantoffeln und Jogginghose endlich den richtigen Code zur Öffnung des beheizten Kofferraums eingegeben und hoffentlich die richtigen Pizzakartons da rausgezogen haben, können Sie sich das Trinkgeld eigentlich selbst zahlen ...

Ich werden daher Sonntag pünktlich zum "Tatort" unsere Pizzen lieber wie immer schön bei den netten Leuten von "Stückwerk" bestellen und mich freuen, wenn 20 Minuten später nicht ein Roboterauto hupt, sondern ein echter Mensch an der Tür klingelt.

Für den perfekten Sonntagabend muss ich jetzt nur noch das erste Programm wiederfinden ...

Bis die Tage!