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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Eine kurze Geschichte der Sommerzeit

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Eine kurze Geschichte der Sommerzeit
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Ende der 80er Jahre habe ich das Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" des jetzt verstorbenen Stephen Hawking gelesen. Der Titel war Beschiss, weil das Ding erstens dann doch 240 sehr klein bedruckte Seiten hatte und ich zweitens die kurze Geschichte der Zeit sehr lange nicht verstanden habe. Genau genommen bis heute nicht. Von Roderich Trapp

Dazu hätte ich mich nämlich im Physik-Unterricht statt mit dem Versenken von Schiffen mehr mit der Gravitation von Quanten beschäftigen müssen. Deshalb schreibe ich jetzt lieber selbst eine kurze Geschichte der Sommerzeit.

Die fängt ja in ein paar Stunden wieder an. In wie vielen kann man allerdings nicht genau sagen, weil ja um zwei Uhr gleichzeitig drei Uhr sein wird. An solchen Kleinigkeiten sieht man sofort, welche riesigen Probleme die Zeitumstellung macht. Überlegen Sie mal: Wer heute Nacht um 1.59 Uhr in der Kneipe ein Pils bestellt, muss darauf wahrscheinlich über eine Stunde warten.

Solche Eklats könnten verhindert werden, wenn man die Zeitumstellung abschafft. Theoretisch wäre das möglich, zumal das Argument für ihre Einführung inzwischen nicht mehr richtig greift: 1916 wollte man damit in Deutschland abends Energie für die Straßenbeleuchtung sparen, um mehr Saft für die Rüstungsproduktion im Ersten Weltkrieg zu haben. Selbiger ist nach meinen Unterlagen inzwischen weitgehend erledigt. Genau wie die Theorie, dass man mit der Zeitumstellung Energie sparen kann. Trotzdem drehen wir weiter zweimal im Jahr an der Uhr und danach alle am Rad.

Wenn wir das ändern, stellt sich allerdings die Frage, welche Zeit eigentlich die richtige ist. Wegen des ständigen Vor- und Zurückstellens der Uhren weiß das niemand mehr so genau. Deshalb sollten wir uns einfach die beste Zeit aussuchen. Das ist eindeutig die Sommerzeit, wo es abends schön lange hell bleibt, weil wir die Sonne nicht schon überflüssigerweise mitten in der Nacht wieder aufgehen lassen. Und im November wäre es dann morgens auch länger dunkel, was durchaus positiv ist, weil man den Nieselregen und den Nebel so erst viel später richtig sehen kann.

Bei Umfragen bekommt die dauerhafte Sommerzeit von Bürgern übrigens regelmäßig viel mehr Stimmen als beispielsweise die Große Koalition. Die ist deshalb beleidigt und hat jetzt im Bundestag konsequenterweise einen Antrag der FDP abgelehnt, mit dem die ewige Sommerzeit auf den Weg gebracht werden sollte.

Als ich das hörte, fiel mir der Brief eines alten Ehepaars wieder ein, das im Dezember 2001 den Chef der Stadtsparkasse Wuppertal angeschrieben hatte und mitteilte: "Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden, an der Umstellung auf den Euro nicht teilzunehmen." Warum machen wir das bei der Zeitumstellung nicht alle genauso und benachrichtigen die Regierung rechtzeitig vor dem letzten Sonntag im Oktober, dass wir persönlich im November auf die Rückstellung der Uhr verzichten? Wenn sich 80 Millionen Deutsche dabei einig sind und alle nach ihrer eigenen Uhr leben, kann uns doch eigentlich egal sein, wie viel Uhr es bei der Regierung gerade ist.

Viele meinen ja, die Zeit der GroKo wäre sowieso sehr schnell abgelaufen ...

Bis die Tage!

Die Rundschau-Radrunde