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Sonnborn
Ein Optimist und Dissident

Sonnborn: Ein Optimist und Dissident
Diese Tafel erinnert an Jürgen Kuczynski. FOTO: privat
Wuppertal. In der Jaegerstraße 16 ist eine Gedenktafel für den vor 20 Jahren gestorbenen Prof. Dr. Jürgen Kuczynski eingeweiht worden. In diesem Hause wurde er am 17. September 1904 geboren.

"Als letzter Universalgelehrter der deutschen Gesellschaftswissenschaften erlangte der Marxist deutsch-jüdischer Herkunft, der ,hoffnungslose Optimist und linientreue Disssident‘, nationale und internationale Bedeutung. Unvergessen bleibt sein Widerstandskampf gegen die nationalsozialistische Diktatur", so die Inschrift.

An der Zeremonie nahmen Kuczynskis aus Berlin angereister Sohn Thomas, dessen Frau Annette Vogt, Urenkel, Verwandte, Oberbürgermeister Andreas Mucke, die Hauseigentümerin sowie Persönlichkeiten der Stadt, Bewohner des Viertels und Nachbarn teil. Mucke hatte der "Kommission für eine Kultur des Erinnerns" den Vorschlag für die Gedenktafel unterbreitet, der einstimmig beschlossen wurde.

In seiner Begrüßung erinnerte Dr. Dirk Krüger an die Verbindung der Familie Kuczynski mit der Stadt Wuppertal. Vater Robert René Abraham Kuczynski hatte am 4. Februar 1904 einen Brief des Oberbürgermeisters der damals noch selbstständigen und bedeutenden Industriestadt Elberfeld erhalten hat. Darin wurde ihm die "Stelle des Direktors des hiesigen Statistischen Amts gegen das Anfangsgehalt von 5.000 Mark zunächst auf ein Probejahr" angeboten.

Kuczynski bezog mit seiner Frau Bertha die Wohnung im gutbürgerlichen Zoo-Viertel. Sein Büro hatte er im Elberfelder Rathaus. 1906 verließ die Familie Wuppertal in Richtung Schöneberg. Jürgen Kuczynski hat seine Geburtsstadt noch einmal besucht. 1970 war er Teilnehmer an der internationalen Konferenz der Stadt zum 150. Geburtstag von Friedrich Engels.

Nach der Enthüllung in der Jaegerstraße ging es im Historischen Zentrum (Engelshaus) weiter. Dort begrüßte Dr. Eberhard Illner, Leiter des Zentrums und des Stadtarchivs, die Gäste mit einem Vortrag. In zwei Schaukästen wurden wichtige Bücher Kuzcynskis gezeigt. Prof. Georg Fülberth aus Marburg hielt eine Rede unter dem Titel "Nachdenken über Jürgen Kuczynski".

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