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"Pfandraising" für Flüchtlings-Sprachkurse

"Pfandraising" für Flüchtlings-Sprachkurse
Die „Pfandraiserinnen“ Laura Krämling (li.) und Racel Bosbach suchen noch Verstärkung für ihr ehrenamtliches Team. FOTO: Florian Schmitz
Wuppertal. Zwei Dosenbier und ein Gespräch über die aktuelle Situation von Flüchtlingen – mehr braucht es manchmal nicht, um eine Idee zu haben, mit der man Menschen schnell und einfach helfen kann. Zum Beispiel dadurch, leere Dosen und Flaschen bei anderen abzuholen und von dem Pfandgeld Sprachkurse für Asylbewerber zu finanzieren.

Soziologie-Studentin Laura Krämling (24) und ihr Chef, Politikwissenschaftler Daniel Lorberg, hatten Anfang September auf dem Rückweg von einer Veranstaltung genau diesen Geistesblitz, als sie ein Feierabendbier tranken und sich über Probleme der Flüchtlinge unterhielten. Ganz einfach müsse man helfen können – zum Beispiel per "Pfandraising", wie Lorberg gleich der passende Name einfiel. Zurück in Wuppertal machten sich beide an die Arbeit.

"Wir haben überlegt, was wir aus dieser Idee machen. Am wichtigsten war es, zu schauen, was Flüchtlinge dringend brauchen", sagt Krämling, die durch den gestiegenen Aufwand mittlerweile zur Projektleiterin in Vollzeit geworden ist. Die Antwort: Sprachkurse!

Deshalb hat sie sich an die Uni-Nachhilfe gewandt. Dort geben ehrenamtliche Sprachlehrer aktuell rund 200 Flüchtlingen dreimal wöchentlich Deutsch-Nachhilfe. Das Pfandraising-Geld kann hier zum Beispiel für Lehrmaterial benutzt werden.

Die erste Tour durch Wuppertal brachte am 12. Oktober 105,60 Euro ein – das Auto quoll über. Gesammelt haben die "Pfandraiser" erst einmal in neun Studenten-WGs, die sich per Facebook angemeldet hatten. Die Pfandraising-Profilseite ist auch die erste Anlaufstelle – siehe Infokasten.

Racel Bosbach wohnt selbst in einer WG und war sofort dabei, als ihre Freundin Laura ihr von dem Projekt erzählte. "Viele Leute wollen helfen, wissen aber nicht, wie sie es anpacken sollen. Mit Pfandraising geht das leicht, und man ist auch noch die alten Flaschen los", sagt die 22-Jährige, die ebenfalls Soziologie studiert.

Die Pläne der beiden Wuppertaler Studentinnen wurden schnell größer: Schon in der kommenden Woche soll Pfandraising sogar als gemeinnützigen Verein eingetragen werden. Demnächst wird eine alte Kühltruhe als Pfandsammler an der Uni aufgestellt. Gesucht werden jetzt noch Ehrenamtliche, die Pfandgut abholen oder anderweitig mithelfen wollen. Bisher machen sechs Studenten mit. Aber: Je mehr Menschen sich melden, umso größer werden die Touren. Und der Erfolg. "Die Hauptsache ist, dass wir ein bisschen helfen können", sagt Laura Krämling.

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