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OB-Wahl 2015 in Wuppertal: Björn Werner (Die Partei)
Mit Ironie und Eierlikör

OB-Wahl 2015 in Wuppertal: Björn Werner (Die Partei): Mit Ironie und Eierlikör
Die Nordstadt ist sein Revier - bald auch die gesamte Stadt? FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Björn "Hose" Werner von der PARTEI wird gerne als "Spaßkandidat" bezeichnet. Vielleicht liegt's an den vollmundigen Wahlversprechen wie "Mehr Geld! Mehr Bier! Mehr Sex!". Doch ganz so einfach ist das alles nicht mit dem Spaß und der Ironie, wie ein Treffen mit dem 25-Jährigen am Ölberg zeigt. Von Nicole Bolz

"Ah, da kommt ja unser Oberbürgermeister!" Die beiden gestandenen Frauen am Eingang des "Café Stilbruch" sind sichtlich erfreut, als Björn Werner sich mit mir im Schlepptau an ihnen vorbei Richtung Tresen drängt. Hose, wie er von allen genannt wird, trägt einen dunklen Anzug und Krawatte – obwohl unser Treffen ja gar nicht hochoffiziell ist. So viel Stil muss sein! "Mensch Hose, grüß Dich, was macht die Wahl?" Auch dem Wirt ist er bestens bekannt. Hose lächelt. Er lächelt viel, eigentlich fast immer. "Darf ich auch 'Hose' sagen", frage ich, während der Wirt ihm ein Bier über den Tresen schiebt. Ich darf. "Prost!"

"Hose", erzählt Hose, "ist ein Spitzname aus Punkerzeiten. Ich trug damals eine selbst genähte Leopardenhose, die alle super fanden. Die habe ich getragen, bis sie auseinanderfiel." Ein Beweisfoto gibt es also nicht mehr. Schade. Damals war der gebürtige Remscheider in sämtlichen Autonomen Zentren im Bergischen unterwegs – richtig politisch war er aber nicht.

Den Weg in DIE PARTEI fand der 25-Jährige ebenfalls gänzlich unpolitisch. Auf dem Ölbergfest sei er gewesen, sagt Hose, der seit zweieinhalb Jahren in Wuppertal lebt, und habe dort diese Gruppe gesehen, die neue Mitglieder für DIE PARTEI werben wollten. "Das sah lustig aus – und es gab Eierlikör, da habe ich unterschrieben." Also, da habe ich wirklich schon langweiligere – und auch angestrengtere – Geschichten gehört.

"Sag mal", will ich von Hose wissen, "die Wahl zum OB-Kandidaten – die war doch geschoben, oder?" Bei einer Veranstaltung der PARTEI wurde Hose im Januar trotz vieler Mitbewerber mit großer Mehrheit zum OB-Kandidaten gewählt. Viel gesagt hatte er damals allerdings nicht. Wieder ein Lächeln. "Nee, das war echt." Auch damals gab es Eierlikör. Scheint so, dass dieses Getränk eine große Bedeutung für seine PARTEI-Karriere hat...

Bei den kommenden Podiumsdiskussionen wird man den Werkzeugmechaniker übrigens nicht so oft antreffen. "Ich habe keine Zeit – ich muss ja auch Griechenland unterstützen." Sagt's und lächelt. Ob die anderen Kandidaten ihn wohl ernst nehmen? "Ich glaube nicht so richtig – aber das ist ein Fehler", meint Hose und verweist auf die Zahl seiner Facebook-Fans. Davon hat er nämlich mehr als die Konkurrenz. Überhaupt lohnt ein Blick auf seine Seite, um ein bisschen zu verstehen, was die PARTEI umtreibt. Wen es amüsiert, dass sich Hose auf dem Fahrrad vor Utopiastadt oder beim Supagolf zeigt und von seinen Wanderungen und Besuchen in den Stadtteilen erzählt, dem sei gesagt: Das ist – zum Teil 1:1 – von anderen OB-Kandidaten übernommen. Und die meinen das ernst...

"Noch ein Bier?", fragt der Wirt. Hose winkt ab. "Ich muss morgen früh raus", sagt der Mann, mit dem kernigen Slogan "Das Bier entscheidet". An einem gewöhnlichen Dienstag entscheidet sich Hose eben auch mal dagegen. Auf die Wahl am 13. September blickt er übrigens sehr zuversichtlich. "Eine Stichwahl ist mit mir nicht zu machen." Wer ihm gratulieren will, sollte ihn jedoch nicht im Rathaus erwarten. "Ich gebe um 18 Uhr eine Siegesfeier auf dem Schusterplatz", verrät er. Da er aber nach eigenem Bekunden "ein Typ zum Knuddeln" ist, hat er auch ein Herz für die Verlierer. "Die besuche ich mit einem Trostkörbchen und Eierlikör."

"Warum willst du für die Wuppertaler eigentlich 'Mehr Geld. Mehr Bier. Mehr Sex.'", will ich zum Abschluss wissen. Die Antwort ist ebenso banal wie charmant. "Damit alle glücklich sind." Wir werden unterbrochen. "Hose", ruft PARTEI-Kreisvorsitzender und Pressemann Christian Deimel nach seinem Schützling. "Komm mal rüber, du sollst am Wochenende hier die Kneipe eröffnen." Hose nickt und reicht zum Abschied die Hand. Keine Frage, auf dem Ölberg ist Hose längst der Oberbürgermeister der Herzen.