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Ausstellung im Rathaus
"Man ist schon sehr schockiert"

Ausstellung im Rathaus: "Man ist schon sehr schockiert"
Meire Wessler, Vanessa Kraffczyk und Amelie Kruse (v.li.) sind die Schüler-Guides im Rathaus-Lichthof. FOTO: Wuppertaler Rundschau
Wppertal. Im Barmer Rathaus läuft eine intensive Ausstellung über die Opfer der rechtsextremistischen "NSU"-Terrorzelle und die Aufarbeitung von deren zahlreichen Verbrechen. Besonderheit: Für Schulklassen übernehmen drei Schülerinnen die Aufgabe, durch das Thema zu führen. Von Stefan Seitz

24 Tafeln umfasst die Ausstellung – aufgestellt in zwei Ringen: Der innere zeigt die Geschichte von zehn Opfern des Todes-Terrors der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) sowie viele andere ihrer Sprengstoff-Verbrechen, der äußere Kreis thematisiert die Aufarbeitung der bundesweiten Mordserie gegen ausländische Mitbürger und eine Polizistin, die von 1999 bis 2011 andauerte und gerade – nach fünf Jahren Prozess – in München auf ein Urteil zuläuft.

Vanessa Kraffczyk, Amelie Kruse und Meire Wessler – alle drei Neuntklässlerinnen der Gesamtschule Barmen – haben sich im Rahmen ihres Unterrichtes mit dem facettenreichen Thema und der Ausstellung, die erstmals in Wuppertal zu sehen ist, auseinandergesetzt. Zusätzlich gab es einen kompletten Tag als Schulung, um andere Jugendliche kompetent durch die Schau im Rathaus-Lichthof führen zu können. Die drei haben außerdem zu Hause daran gearbeitet, frei zu sprechen und eventuelle Nachfragen beantworten zu können.

Beim Rundschau-Besuch im Rathaus war eine neunte Klasse der Barmer Gesamtschule vor Ort, um sich die Ausstellung anzusehen. Kein Schüler hatte bisher etwas vom "NSU" gehört – eine Jugendliche hatte das Wort am Vorabend des Ausstellungsbesuches gegoogelt.

Hinterher dürfte die Gruppe ein Stück schlauer gewesen sein – zumindest beeindruckt waren die jungen Leute definitiv: "Krass" – das Wort fiel oft in der kurzen Nachbesprechung. Und eine Schülerin gab das Statement "Man ist schon sehr schockiert" zu Protokoll. Schockiert über die Geschichten der willkürlich ausgewählten, fast ausschließlich türkischstämmigen Todesopfer, über die wörtlichen Zitate ihrer Verwandten – und über die Tatsache, dass die Polizei jahrelang unterstellte, es handele sich um Mordtaten aus dem eigenen Umfeld der Opfer.

Beeindruckend auch das Ausstellungsplakat, das zeigt, wie weit gefächert das (teilweise definitiv bundes- und landesbehördliche) Netzwerk war, dass den "NSU"-Mördern zuarbeitete, ihnen half, sie deckte. Signifikant dabei: Das hessische Landeskriminalamt hat alle "NSU"-relevanten Akten für 120 (!) Jahre gesperrt. Aufklärung und offene Arbeit gegen rechtsextremistische Gewalt sehen anders aus ...

Die Ausstellung und eine Vielzahl von Vortrags- sowie Diskussionsveranstaltungen in Sachen "NSU" hat unter dem Dach der von DGB und VHS getragenen politischen Bildungsorganisation "Arbeit und Leben" viele Wuppertaler Partner, von der Universität über Schulen oder den Verein "Tacheles" bis hin zur Utopiastadt.

Die Rundschau-Radrunde