| 11.16 Uhr

Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn vor der Wiederwahl
"Der schönste Job in ganz Wuppertal"

Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn vor der Wiederwahl: "Der schönste Job in ganz Wuppertal"
Dr. Stefan Kühn und sein „wissenschaftlicher Mitarbeiter“, der Büro-Teddy „Dr. Oetker“. Kühn sagt mit Blick auf Montag: „Ich würde mich freuen, wenn der Rat mir noch einmal acht Jahre gibt“. Und „Dr. Oetker“, der heute längst auch Fliege trägt, hätte bestimmt auch nichts dagegen ... FOTO: Raina Seinsche
Wuppertal. Stefan Kühn ist seit 16 Jahren Dezernent für Soziales, Jugend und Integration – seit einem Jahr auch für die Schulen. Am Montag stellt er sich für weitere acht Jahre zur Wiederwahl.

53 ist er (noch), geboren in Köln, aufgewachsen am Niederrhein, 1982 nach Wuppertal gekommen – und dann immer hier geblieben. Nur einmal wollte er weg: 2013 kandidierte Stefan Kühn als Landrat im Kreis Wesermarsch in Niedersachsen. Dort haben er und seine Frau ein Ferienhaus, und Kühns Frau verträgt das norddeutsche Klima viel besser als das im Tal der Wupper. Dass SPD-Mann Kühn gegen den von der CDU-unterstützten Kandidaten verlor, hat viele in Wuppertal gefreut: Weil er hier blieb, wo er ein 2.500 Mitarbeiter starkes Dezernat leitet, dessen Arbeit das soziale Gesicht der Stadt mitprägt.

Zurzeit vor allem in Sachen Flüchtlingsunterbringung & Co.: Wie bei fast allen Themen in den vergangenen 16 Jahren kann Kühn, der mit Fliege statt Krawatte plus Kabarett und Karneval fest verbunden ist, auch dabei auf einen breiten Konsens aller demokratischen Parteien setzen. "Meine Loyalität gehört dem jeweiligen Oberbürgermeister und dem Rat. Ich bin kein Dezernent der SPD, sondern diene der Stadt", sagt der Mann, der schon mit 16 in niederrheinischen Fußgängerzonen Unterschriften gegen Ausländerfeindlichkeit sammelte. Zwei ganz verschiedene OBs waren seine Chefs: Hans Kremendahl (†) und Peter Jung. Von beiden spricht er auch heute noch voller Anerkennung: "Da war immer viel Vertrauen und auch viel Spaß dabei." Jetzt ist Andreas Mucke Kühns "Boss".

Den heute 49-Jährigen kennt er, seit Mucke als 16-jähriger Schüler im SPD-Ortsverein startete. "Damals war ich ja viel älter, nämlich 20", schmunzelt Kühn: "Uns verbindet echte Freundschaft, mit gemeinsamem Kabarett-Duo, mit allen Höhen und Tiefen." Und Kühns Satz "natürlich bin ich auch ein Dezernent, der die Politik berät" – der gilt für Wuppertals neuen OB ganz besonders... Obwohl: "Ich war und bin immer mit den unterschiedlichsten Fraktionen im Gespräch." Das Ergebnis: Ob Soziales, Schule oder alles, was rund um die Integration auf der Tagesordnung steht – fast immer waren die Entscheidungen einstimmig, oder sind "wenigstens mit großer Mehrheit gefallen".

Klingt ja alles ganz toll – und ein Trauerkloß ist Kühn sowieso nicht. Aber es gab auch eine Schattenseite: "Talea war der Tiefpunkt", erinnert sich der Dezernent, der auch Chef des Jugendamtes ist, an den gewaltsamen Tod des Pflegekindes, der 2008 die Stadt erschütterte. "Wenn man ein Kind zu dessen Schutz aus der Elternfamilie nimmt, und es dann in der Pflegefamilie umkommt, das ist dramatisch, unfassbar. Diese Sache hat der ganzen Jugendhilfe den Boden unter den Füßen weggezogen."

Stefan Kühns stets fröhliche Stimme verändert sich deutlich, wenn er zurückblickt: "Der Tod von Talea war ein Super-GAU, das kann man nie vergessen." Die Nachricht von dem Fall erhielt Kühn seinerzeit frühmorgens, als er sein Handy einschaltete: "Ich habe danach Jahre gebraucht, um mein Telefon ohne Beklemmungen abzuhören ..."

Und doch: Mit dem Amt als Sozialdezernent (so der Sammelbegriff für den Mehrbereichs-Mann) ist für Stefan Kühn ein Traum in Erfüllung gegangen. "Ich war immer politisch. Sich vor Ort und in hautnahen, handfesten Debatten um soziale Gerechtigkeit zu bemühen, das macht meine Arbeit zum schönsten Job in ganz Wuppertal. Ich bin verwoben mit dieser Stadt und kann auf meine Art meine Heimat mitgestalten."

Apropos lokal und global: Kühns sozialwissenschaftliche Doktorarbeit drehte sich genau darum. Damals ging's an der Uni Bochum um die Frage, ob kleinteilige, regionalpolitische Strukturen angesichts der Globalisierung noch sinnvoll sind.

Kühns Antwort: "Auf jeden Fall. Wuppertal ist jeden Tag der beste Beweis dafür."

Die Rundschau-Radrunde