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Notwendig – und es wirkt

Betr.: "Deutsch lernen mit Kind", Rundschau vom 16. Juni

Deutschkurse für Frauen mit Kinderbetreuung sind ein wichtiger Beitrag zur Integration. Wie misslich wäre es, wenn Mütter wegen fehlender Betreuung ihrer Kleinen nicht Deutsch lernen könnten?

Dass hier auch Frauen mit dem Wunsch nach Integration und Babys oder Kleinkindern in den Fokus rücken, finden wir ganz wesentlich. Mehr noch: Hier versteckt sich eine große Gruppe von noch ganz kleinen Menschen, die in der großen Debatte um Integration bis jetzt wenige Fürsprecher finden – Babys und Kleinkinder mit Flucht- oder Migrationserfahrung.

In den Bereichen sozialer, emotionaler und sprachlicher Entwicklung können viele der Kleinen von Unterstützung profitieren. In den allerersten Jahren ist diese Unterstützung besonders wichtig, weil dann schon die Grundsteine für das spätere Leben gelegt werden.

So ist es zum Beispiel wichtig, dass Kinder vor dem Eintritt in das Bildungssystem (hier: Kita) lernen, sich verständlich zu machen. Denn wer in der Kita Bedürfnisse kommunizieren und sich gut orientieren kann, hat es viel leichter, die dort gemachten Bildungsangebote auch wahrzunehmen. Das entlastet Kinder, Familien, Kitas, später auch die Grundschulen – und so weiter.

Um solch notwendige Voraussetzungen zu schaffen, reichen kleine, aber regelmäßige Hilfen schon völlig aus. In der ganz frühen Kindheit anzusetzen ist also besonders effektiv und ökonomisch – und erspart im Extremfall den Kindern aufwendige Förderangebote und belastende Bildungserfahrungen im weiteren Verlauf ihres Lebens.

Ein Beispiel für solch frühe, einfache Angebote sind die "Marte Meo Sprachspielgruppen", eine Kooperation der Barmer Kitas Am Wichelhausberg und dem Kinderland Reichsstraße sowie der Winzig-Stiftung.

Eltern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, treffen sich zusammen mit ihren Kindern ab 18 Monaten zweimal pro Woche mit anderen Eltern und Kindern. Die zur Zeit zwei, ab August vier Gruppen werden von zwei erfahrenen Pädagoginnen geleitet, die fast wie nebenbei die sprachliche und allgemeine Entwicklung der Kinder fördern. Die Eltern erhalten für zu Hause Anregungen, um ihre Kinder auch dort zu unterstützen.

Die hohe Nachfrage zeigt, dass solche Angebote notwendig sind. Sie zeigt auch: Es gibt bereits wirkungsvolle Ansätze, die den ganz Kleinen mit wenig Aufwand einen guten Start ermöglichen.

Sarah Heckmann, Winzig-Stiftung

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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