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Arme zahlen mehr dafür

Betr.: Solidarisches Bürgerticket

Das Bürgerticket ist eine gute Idee, denn es sorgt für weniger Autoverkehr und damit höhere Lebensqualität.

"Solidarisch" nennt sich die Initiative wohl, weil (fast) alle zahlen sollen, unabhängig davon, wie viel sie wirklich fahren. Die Initiatoren können sich anscheinend nicht vorstellen, was es für jemanden mit weniger als 900 Euro Monatseinkommen bedeutet, davon 12 Euro abgeben zu müssen – oder 50 von 1.600 Euro.

Solidarisch heißt nicht, alle zahlen das Gleiche, sondern höchstens, alle zahlen den gleichen Anteil, und selbst das ist noch nicht solidarisch, denn für einen Armen bedeutet ein Prozent viel mehr als für einen Reichen.

Dazu eine kleine Rechnung. Die benötigten 148 Millionen Euro bedeuten im Durchschnitt ein Prozent für jeden Wuppertaler. Man sieht sofort: Bei 1.600 Euro Einkommen zahlt man 3,1 Prozent, bei 1.000 Euro immer noch zwei Prozent, während man bei 10.000 Euro nur mit 0,5 Prozent belastet wird. Die Ärmsten zahlen am meisten, das ist das Gegenteil von solidarisch.

Wenn schon gestaffelt, dann wäre folgendes gerecht: Unter 900 Euro nichts, unter 1.500 Euro 0,5 Prozent, unter 5.000 Euro ein Prozent – und über 5.000 Euro zwei Prozent. Dann würde niemand über Gebühr belastet. Und das "Solidarische Bürgerticket" würde nicht dazu beitragen, die Schere zwischen Arm und Reich weiter zu öffnen.

Jonas Seiler

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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