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Interview: "Kleiner Maulwurf" & Co. – ein halbes Jahrhundert Peter-Hammer-Verlag
"Mainstream passt nicht zu uns"

Interview: "Kleiner Maulwurf" & Co. – ein halbes Jahrhundert Peter-Hammer-Verlag: "Mainstream passt nicht zu uns"
Monika Bilstein leitet den Peter-Hammer-Verlag seit 2001. Vor ihr taten das Johannes Rau und Hermann Schulz. FOTO: Frank Dora/photoprop
Wuppertal. Er ist Wuppertals bekanntester und erfolgreichster Buchverlag – der Peter-Hammer-Verlag, auf dem Rott zu Hause. Gerade hat das Unternehmen, das nach einer streitbaren, zensurfeindlichen Pseudonym-Person, die es nie gegeben hat, benannt ist, sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Rundschau-Redakteur Stefan Seitz sprach mit Verlagsleiterin Monika Bilstein.

Rundschau: Lateinamerika, Afrika und Kinderbücher, kann man so das Programm zusammenfassen?

Bilstein: Ja, aber man darf Kalender und Sachbücher nicht vergessen. Rund 100 Autoren aus aller Welt publizieren bei uns, zwölf Bücher und Kalender bringen wir pro Halbjahr heraus, übers Jahr gesehen etwa 25 Veröffentlichungen. Das ist viel für einen Verlag wie uns.

Rundschau: Wie groß ist Peter Hammer?

Bilstein: Wir sind das, was man einen mittelständischen Verlag nennt. Hier arbeiten vier feste Mitarbeiterinnen, draußen mehrere Freie.

Rundschau: Und – keine Lust zu wachsen?

Bilstein: Ehrlich gesagt, nein. Es soll alles so bleiben, wie es ist. Wir waren immer unabhängig und frei von jeder Konzernbindung. Übernahmeinteressen von Großen gab es zwar schon, ich habe aber immer abgelehnt. Ich spreche mit allen Autoren selbst, es geht bei uns sehr persönlich zu, das Verwaltungsgerüst und das menschliche Verhältnis sind wunderbar ausbalanciert. Diese bewusste Konzentration auf das Persönliche wäre nicht mehr zu machen, wenn wir größer wären.

Rundschau: Kinderbücher sind die stärkste Säule. Trotz Internet, Smartphone, TV?

Bilstein: Ja, denn es stimmt einfach nicht, dass Kinder nicht mehr lesen. Im Gegenteil. Unser Kinderbuchsegment ist zuletzt sogar noch stark gewachsen, was viel dazu beiträgt, dass unser Verlag schwarze Zahlen schreibt. Dass es außerdem immer wieder Preise und Auszeichnungen für unsere Kinderbücher gibt, freut uns zusätzlich. Wir machen schöne Bücher, andere, schräge, witzige, nachdenkliche, kritische. Uns geht es darum, Kinder als Leser ernst zu nehmen, ihnen auch schwierige, kritische und gesellschaftlich wichtige Themen zuzumuten. Das funktioniert. Sehr gut sogar.

Rundschau: Der Buchmarkt ist heiß umkämpft, und die Vergangenheit war nicht immer einfach …

Bilstein: Meine Vorgänger, allen voran Hermann Schulz, haben Großes geleistet, den Verlag durch etliche Krisen geführt, ohne dass er sein Gesicht verloren hätte. Unsere Unabhängigkeit, unsere Nähe zu Autoren und Buchhändlern macht uns innerlich und äußerlich stark. Und dass wir nicht davon ablassen, Themen anzupacken, die aus dem Rahmen fallen, gibt uns ein Profil, das wahrgenommen wird. Dazu gehören Leidenschaft und Belastbarkeit des gesamten Teams. Es ist sehr schön, dass unsere Leser das honorieren.

Rundschau: Wenn Sie in die Zukunft schauen, was sehen Sie dann?

Bilstein: Wir stehen für Überraschungen und Spaß, der auch Altersgrenzen locker überwindet. Mainstream passt nicht zu uns, wir machen etwas Besonderes. Wir schwimmen immer noch ein bisschen gegen den Strom. Daran wollen wir eigentlich überhaupt nichts ändern.