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Im Poträt: Klaus Stiebeling
Ein "Japaner" aus Wuppertal

Im Poträt: Klaus Stiebeling: Ein "Japaner" aus Wuppertal
Stiebeling vor Jahren in seiner Tokioter „Stammkneipe“. FOTO: Sammlung Stiebeling
Wuppertal. Der frühere Kunsthändler Klaus Stiebeling (79) ist Weltreisender sowie Liebhaber von Goethe und des Ginkgo-Baumes – aber auch ein "Fan" von Japan, wo er selbst lange gelebt und gearbeitet hat. Von Matthias Dohmen

Sein halbes Leben war Klaus Stiebeling unterwegs – schon als Schüler bereiste er Skandinavien und Finnland. 1961 beginnt er nach der Mittleren Reife bei Nettesheim die Ausbildung zum Buchhändler. Doch ihn lockt die weite Welt: 1963 und 1964 unternimmt er mit gerade Mitte 20 seine erste Weltreise, während derer er sich neun Monate in den USA aufhält und 36 US-Bundesstaaten kennenlernt. Drei Monate verbringt der junge Mann auf dem Stückgutfrachter "Dragor Maersk", der zwischen den USA, Japan und Südamerika pendelt. Und dann das Land der aufgehenden Sonne selbst: Ein halbes Jahr hält sich Klaus Stiebeling mit Touristenvisum in Japan auf. Plötzlich weiß er: Hierhin kehre ich wohl noch einmal zurück. Vielleicht auf Dauer.

Für zwei Jahre arbeitet er Anfang der 60er Jahre wieder in der Buchhandlung Nettesheim, bevor es ihn erneut nach Übersee zieht. Wieder nach "Nippon", aber diesmal auf dem Landweg. Vier Monate dauert die Reise über den Vorderen Orient, Indien, Nepal und Thailand. Per Schiff geht es von Bangkok nach Yokohama.

Von 1967 bis 1973 ist er im Sanshusha-Verlag tätig, der sich auf Deutschsprachiges spezialisiert hat: Lesetexte, deutsche Grammatiken, Wörterbücher. Ein Buch für Japaner, die Deutsch lernen wollen, mit dem Titel "Zwei Freunde auf Reisen" verkauft sich sehr gut. Die Freunde und Autoren gibt es wirklich: Klaus Stiebeling und den später in Düsseldorf als Gynäkologen tätigen Takahiro Moriyama.

Den umtriebigen Wuppertaler drängt es jetzt selbst ins Geschäft: Er gründet die Europe Art GmbH, mit der er sich, einige Jahre ist's her, einen Namen beim Import von Kunstbüchern und Druckgrafik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemacht hat. Daneben organisierte er Ausstellungen europäischer Grafikkünstler.

Als Klaus Stiebeling mit Unterbrechungen 30 Jahre in Japan verbracht hat, kehrt er mit seinem Sohn, der kurz davor steht, schulpflichtig zu werden, in die Vaterstadt zurück. Dem Fernen Osten hält er die Treue – gründet Mitte der 1990er-Jahre den "Deutsch-Japanischen Freundeskreis Wuppertal". Wer Stiebeling bei Abwesenheit anruft, hört auf dem Anrufbeantworter eine Ansage in Deutsch und auf Japanisch.

Klaus Stiebeling hat sein Lebtag gesammelt – vor allem Dinge, die ein Licht auf den japanischen Ginkgo-Baum und den deutschen Klassiker Goethe werfen. Seit wenigen Jahren findet man im ersten Stock des Velbert-Langenberger Antiquariats "Im Honnes" (Hellerstraße 12) zwei ineinander übergehende Räume, in denen man Devotionalien aller Art rund um den Dichterfürsten – Teller und Tassen, Vasen und Fingerhüte, Kerzenleuchter oder Aschenbecher – sehen kann.

Und der Stiebeling-Goethe-Ginkgo-Raum überrascht mit vielen Büchern, darunter das nur noch antiquarisch erhältliche "Goethe und der Ginkgo: Ein Baum und ein Gedicht" von Siegfried Unseld sowie kunstgewerblichen Artikel und Gebrauchsgegenständen mit dem Ginkgomotiv: Gebäcktabletts im Jugendstil und Tassen, Gläser und Spiegel, Bilder und Grafiken sowie außergewöhnliche Utensilien für eine Teezeremonie. Das Gros der Ausstellungsstücke stammt (natürlich!) aus Japan, der Heimat des Ginkgo-Baums.

Klaus Stiebeling treffen können alle, die am Ginkgo-Forum teilnehmen, das am 1. Mai in der "Vohwinkeler Kunststation" im Bahnhof Vohwinkel von 14 bis 19 Uhr stattfindet. Stiebeling wird dabei selbst gesammelte Ginkgo-Kerne verteilen und hofft auf eine weitere Ausbreitung des ungewöhnlichen Baums.