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Förderzusage
Ein Bekenntnis zum Tanzzentrum

Förderzusage: Ein Bekenntnis zum Tanzzentrum
So lange die Finanzierung der Betriebskosten eines Tanzzentrums im alten Schauspielhaus nicht geklärt ist, mag sich Wuppertal nicht endgültig dazu bekennen. FOTO: Wuppertaler Rundschau / Simone Bahrmann
Wuppertal / Berlin. Der Bund gibt in den nächsten Jahren 2,2 Millionen Euro für die weitere Planung des Pina-Bausch-Zentrums. Ein wichtiges Signal aus Berlin, das dem Projekt wieder Aufwind verleiht. Von Nicole Bolz

Die Nachricht kam überraschend und sie kam genau zur rechten Zeit. Nämlich gerade in dem Moment, als sich abzeichnete, dass der Rat der Stadt nicht– wie oft gefordert – noch vor der Sommerpause einen Durchführungsbeschluss zum Pina-Bausch-Zentrum verabschieden und damit endlich wieder Bewegung in das Projekt bringen wird.

In solch einer Situation kann so eine Nachricht die Beteiligten geradezu beflügeln: 2,2 Millionen Euro, so teilte der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) am Mittwoch mit, werden über den Bundeshaushalt für Planungsmittel für das Pina-Bausch-Zentrum zur Verfügung gestellt. Das ist noch nicht die in Wuppertal lang erhoffte Zusage über die Beteiligung an den Betriebskosten von geschätzt zehn Millionen Euro pro Jahr, aber für die Initiatoren ein positives Signal nach einer langen Durststrecke.

"Das ist ein deutliches Zeichen, dass der Bund das Vorhaben grundsätzlich für wichtig erachtet", sagt Kämmerer Johannes Slawig (CDU), einer der Initiatoren des Tanzzentrums. "Der Bund bekennt sich zum Tanzzentrum und bindet sich damit auch enger an das Projekt. In dieser Deutlichkeit hätte ich nicht damit gerechnet." Ganz ähnlich bewertet auch Christian Koch, Projektgeschäftsführer des Tanzzentrums, die Finanzspritze aus der Hauptstadt: "Das ist ein Riesenschritt vorwärts, ein Superzukunftssignal."

Für Koch bedeutet das jetzt: Nach einem halben Jahr des In-der-Luft-Hängens kann er endlich das Projekt weiter voran treiben. "Wir müssen uns einerseits überlegen, wie die Zusammenarbeit der vier verschiedenen Akteure aussehen soll. Man muss eine Art Verfassung aufstellen, das braucht Zeit, denn das ist völlig neu. Vor allem aber müssen, nein können wir endlich den Bereich des Forums, also der Öffnung nach außen, inhaltlich mit Leben füllen."

Hintergrund: Eine Säule des Tanzzentrums ist das "Forum Wupperbogen". Hier sollen Formen der gesellschaftlichen Teilhabe entwickelt werden. Wuppertaler, die im Theater sonst Zuschauer sind, sollen hier selbst aktiv werden und mitgestalten. In Kooperation mit Schulen, Uni, Kunstakademien, der Junior Uni, aber auch mit dem Wuppertal Institut, dem Duisburger Centre for Global Cooperation Research und international agierenden Institutionen verschiedenster Wissensbereiche, sollen hier ganz neue Formate entwickelt werden. Diese Säule ist die innovativste und daher ein großes Förder-Argument. Mit dem Geld vom Bund, so Koch, könne man die wichtige Anlaufphase jetzt inhaltlich gestalten und über genau solche Formate nachdenken – und sie austesten.

Einig sind sich Slawig wie Koch, dass die insgesamt 2,2 Millionen Euro, die gestaffelt in den nächsten sieben Jahren in die Planungen des Tanzzentrums fließen sollen, ein Signal für weiteres Engagement des Bundes sind. "Ich denke nicht, dass man so etwas bewilligt, wenn man nicht an die Realisierung des Tanzzentrums glaubt", so Christian Koch. Auch Johannes Slawig ist überzeugt, dass diese Nachricht dem Projekt viel Rückenwind für weitere Gespräche und Entscheidungen – "auch in Wuppertal" – verleiht.

Helge Lindh bestätigt: "Diese Förderung zeigt eine große Verbindlichkeit. Es ist das Bekenntnis des Bundes, dass man das Tanzzentrum will." Schwer tue man sich in Berlin indes noch mit der Zusage einer institutionellen Förderung eines Projektes, das überhaupt erst 2025 an den Start geht. Aber da sei man weiter im Gespräch, versichert Lindh. "Mit dem Geld kann man jetzt auch herausfinden, was getan werden muss, um in eine institutionelle Förderung zu kommen."

Wie wichtig gerade die für einen Durchführungsbeschluss ist, hat Oberbürgermeister Andreas Mucke erst am Dienstag beim Jahrestreffen der Freien Kultur deutlich gemacht. "Eine dauerhafte Zusicherung für die Betriebskosten ist das A und O für unsere Entscheidung." Verständlich, findet auch der Kämmerer. "Der Betrag ist sicher für unseren Haushalt eine große Herausforderung. Aber ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden."

Dass in der Stadt längst nicht alle Entscheidungsträger so überzeugt vom Pina-Bausch-Tanzzentrum sind, ist immer wieder hinter vorgehaltener Hand zu vernehmen. Unbeirrt von diesen Bedenken tourt das Tanztheater übrigens gerade durch Europa (nach Amsterdam und Oslo, gastiert man kommende Woche an neun Abenden in Paris) und wird dort mit den beiden neuen Stücken von Presse wie Publikum bejubelt ...