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Immobilien-Rundschau
Globalisierung trifft Immobilien im Tal

Immobilien-Rundschau: Globalisierung trifft Immobilien im Tal
Frank Müller gehört mit seinem Büro „fmi“ zu den größten Maklern in Wuppertal. Er stützt sich auf mehr als 25 Jahre Erfahrung am lokalen Markt und verfügt über mehrere nationale und internationale Qualifikationen in der Immobilienwirtschaft. FOTO: fmi
Wuppertal. Immobilien kaufen, besitzen und verkaufen - das ist auch in Wuppertal ein Thema mit vielen Fragezeichen. Führende Marktexperten erklären in der Rundschau, was Anbieter und Interessenten wissen sollten. Heute: Frank Müller über ausländische Investoren auf dem Wuppertaler Immobilienmarkt.

Zunehmend erwerben ausländische Investoren Wuppertaler Immobilien. Das ist nicht per se gut oder schlecht. Wie bei lokal oder überregional ansässigen Käufer ist zunächst egal, wo der Käufer herkommt. Wichtiger ist die Frage, wie er künftig mit den Häusern umgeht. Viele Käufer kommen derzeit aus der Türkei, aus Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, aber auch aus Österreich, China und Japan. "Warum kaufen die in Wuppertal?", ist eine der häufig gestellten Fragen.

Die Motivation ist abhängig von der Herkunft unterschiedlich. Russen und Chinesen sind teils besorgt, dass ihnen erworbenes Vermögen genommen wird. Kaum jemand hat noch auf dem Schirm, dass zuletzt im Jahre 1998 – also vor genau 20 Jahren – die letzte russische Währungsreform stattgefunden hat. Boris Jelzin hat kurzerhand drei Nullen auf den Guthabenkonten gestrichen. So sind aus 1.000 Rubeln Guthaben 1 Rubel geworden. Da wundert es nicht, dass bei den wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten im Land vermögende Menschen versuchen, einen Teil ihres Geldes in einem sicheren Hafen zu parken. Vergleichbare Unwägbarkeiten empfinden auch Chinesen und Türken.

In Japan sind die Immobilienpreise exorbitant hoch. In und um Tokyo wohnen 37 Millionen Menschen. Wie Fukushima gezeigt hat, treffen Naturkatastrophen die Wirtschaft ins Mark, und das Risiko in Japan ist erheblich. Zudem ist die Bevölkerungsentwicklung in Japan dramatisch. Die Prognosen gehen davon aus, dass sich die Bevölkerung in den nächsten 80 Jahren halbiert. Das ist kein gutes Umfeld für langfristige Investitionen. Logisch, dass die Japaner sich weltweit auf den Immobilienmärkten umsehen.

Österreich verfügt über nur wenige Großstädte. Dort sind die Immobilienpreise in den letzten zehn Jahren explodiert. Deutschland ist nah, sicher und aus österreichischer Sicht billig.

Nun kann man die Auffassung vertreten, dass diese Entwicklung schlecht ist und für Wuppertal keinen Nutzen hat. Es gibt jedoch auch eine andere Sichtweise. Die ausländischen Erwerber zahlen meist etwas höhere Kaufpreise, die dann wieder in den hiesigen Wirtschaftskreislauf fließen. Das Interesse an Wuppertal zeigt, dass die Erwerber hier an den Standort glauben – oft mehr als die Wuppertaler. Da die Erwerber nicht vor Ort sitzen, müssen lokal alle Leistungen zugekauft werden, die hier ansässige Eigentümer oft selbst erbringen.

Die Erwerber haben kein Interesse an schnellem Immobilienhandel, sondern legen die Investition langfristig an. Das hat zur Folge, dass sie Ihren Immobilienbestand auch pfleglich behandeln und wettbewerbsfähig halten müssen, sonst bleiben die Mieten aus.

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