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Wuppertals Whisky-Macher

Top Magazin: Wuppertals Whisky-Macher
Liebe auf den ersten Schluck: Kay Hoffmann und sein Whisky-Partner Norbert Hötten. Nach den ersten Proben aus den elf Fässern (unten), die erst kurz vor der Abfüllung kombiniert werden, sind sie sicher: „Das wird ein richtig guter Coastal Malt!“ FOTO: Dithmarscher Whisky
Wuppertal. Kay Hoffmann bietet in seinem kleinen Café Zweistein an der Aue die bundesweit größte Auswahl an deutschen Whiskys an. Voriges Jahr organisierte er in Wuppertal die erste Messe nur für deutschen Whisky. Und jetzt wird er sogar selbst zum Whiskyproduzenten: Der nach seiner eigenen Rezeptur entwickelte deutsche Malt reift noch bis 2021 in einer geheimen Lagerstätte an der Nordseeküste, ist aber jetzt schon extrem gefragt. Von Roderich Trapp

Whisky mit Wuppertaler Herz von der Nordseeküste? Dafür gibt‘s gleich zwei gute Gründe: Erstens stammt Kay Hoffmann, der vor 25 Jahren ins Tal zog, ursprünglich aus Heide im Landkreis Dithmarschen ganz oben in Schleswig-Holstein. Und zweitens war es bei einem Heimatbesuch, als dem ausgewiesenen Whisky-Experten bei einem Spaziergang an der frischen jod- und salzgetränkten Seeluft eine Frage durch den Kopf schoss: Warum eigentlich gibt es in Deutschland inzwischen mehr Whisky-Produktionsstätten als in Schottland, aber keinen einzigen richtigen Coastal Malt?

Gemeint sind jene Destillate, die den wilden Charakter und die typischen Aromen der Küstenlandschaften in einer ganz eigenen Geschmackswelt einfangen und für viele Kenner quasi die Krone der Whisky-Schöpfung darstellen. Ein Gedanke, der Hoffmann nicht mehr losließ und in den kühnen Plan mündete, diese Marktlücke ganz einfach selbst zu schließen.

Zwei Jahre später, im Dezember 2016, hatte der Wuppertaler die Rezeptur, die dafür passenden Rohdestillate und die geeigneten Fasstypen für die Reifung im Kopf. Fehlten nur noch der richtige Lagerraum und ein Partner, um das aufwändige Projekt zu stemmen. Letzteren fand Kay Hoffmann in seiner Geburtsstadt Heide in Person von Tee- und Weinhändler Norbert Hötten, wie er selbst auch ein bisschen whiskyverrückt. "Ich habe ihn einfach angemailt und meine Idee erklärt", erinnert sich Hoffmann an die Kontaktaufnahme und das anschließende Fachsimpeln am Kachelofen, bei dem die Chemie sofort stimmte: "Es war Liebe auf den ersten Schluck …"

Kay Hoffmann. FOTO: Bettina Osswald

Gemeinsam fanden sie auch die richtige Lagerstätte für ihr flüssiges Gold: an vorderster Meeresfront direkt am Deich mit optimaler Luftzirkulation. Der genaue Ort ist aus Versicherungsgründen geheim, die Namen der Brennereien, die das Rohdestillat liefern, ebenso. "Zwei kleinere und eine größere, alles tolle Handwerksbetriebe", verrät Hoffmann, der gute Kontakte zu vielen Whiskyproduzenten in Deutschland pflegt und sich seit Jahren intensiv mit der Entstehungsgeschichte ihrer Spezialitäten beschäftigt. "Sowas wie wir hat in Deutschland noch nie jemand gemacht. Die Brenner sind selbst gespannt, wie sie sich darin wiederfinden."

Im Frühjahr 2017 befüllte das Duo die ersten elf handverlesenen Fässer unterschiedlicher Größe, unter anderen Ex-Bourbon, mit 1.200 Litern New Make. "Die Fassauswahl ist im Kleinstsegment unglaublich wichtig", weiß Hoffmann, der seine Favoriten in einem riesigen Fasslager quasi erschnupperte: "Das geht alles über die Nase und die Sensorik."

Ein entscheidender Moment, denn Experten schätzen, dass der Geschmack von Whisky zu 70 bis 80 Prozent durch das Fass geprägt wird. Die ersten Probeschlücke haben bewiesen, dass Kay Hoffmann eine ziemlich gute Nase gehabt haben muss. Denn was die Whiskymacher dabei aus dem dunklen Bauch ihrer Schätzchen holten, sorgte für Euphorie: "Das wird ein richtiger guter Coastal Malt", ist Hoffmann überzeugt.

Gute Nachrichten für die vielen Whiskyfans, die bereits vorab sozusagen blind "Dithmarscher Whisky" bestellt haben. Über 600 der insgesamt 850 Flaschen aus der ersten Charge sind schon per Zertifikat verkauft, obwohl sie erst im Juli 2021 nach über vier Jahren Reifezeit abgefüllt werden. Übrigens mit 48 Prozent, denn: "Wir machen ja keine Schorle, sondern ein starkes Gerät."

Der Preis liegt mit gut 60 Euro im branchenüblichen Rahmen für erstklassigen Whisky in Kleinstauflage. Und der Vorabverkauf ist eine Notwendigkeit, um die teure Produktion vorzufinanzieren "Das ist noch ein Hobby, aber nicht nur zum Spaß. Wir haben nicht jedes Jahr ein Mittelklasseauto übrig", umreißt Hoffmann die finanzielle Dimension des Herzensprojekts.

Immerhin wandert in diesen Tagen bereits der zweite Jahrgang in den Lagerraum. Dann liegen dort schon 22 Fässer als Versprechen auf künftigen Whisky-Hochgenuss aus Deutschland …

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