| 18.27 Uhr

Die Wuppertaler Sängerin Claudia Naujock
Ein kräftiger Hauch von Marlene

Die Wuppertaler Sängerin Claudia Naujock: Ein kräftiger Hauch von Marlene
Claudia Naujock in besonderem Ambiente. FOTO: Jens Grossmann
Wuppertal. Claudia Naujock bewegt sich musikalisch in den guten alten Swingzeiten – da passte das Ambiente von Uwe Dresens Wohnung in der alten Bremme-Villa hervorragend zu einem Video-Dreh. Von Manfred Görgens

Bedenkzeit nahm sich die Wuppertaler Sängerin Claudia Naujock, um im allerbesten Lebensabschnitt zu sortieren, wie es musikalisch weitergehen soll. Ergebnis war im Mai 2017 die CD "Ich denk noch mal drüber nach" bei ADair-records. Das kann sich sehen und hören lassen: Sechs Wochen unter den 50 Bestsellern ihrer Rubrik bei Amazon, wo sie unter Jazz einsortiert wird. Aber wie das so ist mit Labels – sie funktionieren oft nicht. Denn wer reinhört, lauscht eben auch Tango, Swing, Balladen, Salsa und fühlt immer den Hauch der goldenen 20er bis weniger goldenen 40er.

Claudia Naujock. FOTO: Jens Grossmann

Zu dieser Ära hat Claudia Naujock ihre besondere Affinität, was nach weiterer Bedenkzeit dazu führte, den Liedern die goldenen Bilder beizufügen. "Die 'Marlene‘ ist mein Lieblingsetablissement", erzählt sie und hat deshalb in dieser Kultkneipe an der Hochstraße ihren Tango "Bis zum Morgenrot" in einen Videoclip umgesetzt. Für die soeben gedrehte zweite Auskoppelung "Es ist, wie es ist" schien es dann fast zwingend, in der schillernden Privatadresse von 'Marlene‘-Kneipier Uwe Dresen vorbeizuschauen: der stadtbekannten und vertrauten Bremme-Villa. Dann also auf: Video schauen, Songs hören, über Text und Stimme staunen.

Derweil beschäftigt sich Claudia Naujock mit dem, was sie im CD-Titel bekennt: Sie denkt. Mitunter geht es dabei zurück in die Vergangenheit, auch in die Zeit als Fotomodel. Bei nur knapp 1,70 Meter waren dem Aufstieg Grenzen gesetzt, aber es blieben Erfahrungen. Naujock hat mit bekannten Fotografen gearbeitet, als Visagistin Damen wie Dolly Buster geschminkt, Leichtigkeit vor Kamera und Publikum entwickelt und gelernt, was aus einem Film-Take oder Foto-Shooting am Ende werden kann. Die Videos von Frank Nau tragen deshalb immer auch ihre Handschrift. "Ich liebe vor allem das Schneiden", sagt sie, während ihr der Dreh selbst oft zu langatmig sei.

Auf dem Weg nach oben. FOTO: Jens Grossmann

Aber auch das gibt Zeit zum Nach- und Zurückdenken. Auf die Modelkarriere folgte der Gesang. 20 Jahre "Die Nachtschwärmer" mit Auftritten in ganz Europa, bis der Gesangspartner 2015 ausstieg und ein Neustart fällig war. Und damit ging es weg vom Covern, hin zu eigenen Texten, vertont vor allem vom Pianisten und Komponisten Thorsten Schäffer. Das "Blumenladenkind" – Claudia Naujocks Eltern hatten ein wortwörtlich blühendes Geschäft am Sedansberg – ist allerdings nie zufrieden und denkt natürlich schon wieder nach. Männer haben Frauen, Frauen haben die Männer, um sich auszuquatschen, zu ärgern, anzulehnen, abzulehnen. Das waren die Themen der ersten CD mit eigenen Stücken: Freundschaft und Ex-Freundschaften, Liebe – aber eine weit gefasste Liebe. "Ich würde jetzt über andere Dinge schreiben, nicht nur von Männern. Auch Sozialkritisches", sagt sie und bekennt, beim Schreiben der CD-Texte emotionsmäßig ein wenig gebeutelt gewesen zu sein.

Nun, das passiert und war noch um insbesondere weibliche Hörer anzusprechen. Allerdings kommt dabei zu kurz, dass Claudia Naujock auch die Rampensau sein kann und gerade schüchterne Männer warnt, sich nicht in die vorderste Reihe zu setzen. Gelegenheit, entweder vorne oder hinten im Saal Platz zu nehmen, wird es im März oder April 2018 geben. Dann bringen "Claudia Naujock & Plan B" die CD zum ersten Mal live auf die Bühne. Bis dahin wird – was wohl – gedacht.

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