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Wo sind die Fahrgäste in den Semesterferien?

Die Bedenken gegenüber einem möglichen Seilbahn-Bau in Wuppertal-Elberfeld teilt der Südstädter Bürgerverein.

In einer Stellungnahme warnt der Vereinsvorsitzende Ralph Hagemeyer, ob und wie hoch etwaigen Entschädigungsansprüche an anliegende Eigentümer ausfallen könnten, sei schwierig abzuschätzen, weil es in Deutschland keine bestehenden Seilbahnen über nennenswerte Wohngebiete gäbe. In der nun anstehenden Hauptstudie zur Machbarkeitsstudie seien qualifizierte Schätzungen hierzu gleichwohl unerlässlich: "Für etwaige Entschädigungsansprüche heutiger Grundstückseigentümer gibt es nämlich keine Förderung durch den VRR." Die WSW müssten solche Kosten komplett selbst aufbringen.

Von den Kosten und den etwaigen Beeinträchtigungen Einzelner abgesehen, ist der Bürgerverein jedoch der Meinung, dass Wuppertal touristisch um eine weitere Attraktion reicher würde. Und: "Die Fahrzeiten würden gegenüber den Bussen deutlich verkürzt. Im Winter bei Eis und Schnee brächte die Seilbahn ihre Fahrgäste verzögerungsfrei und pünktlich zum Ziel."

Allerdings erwartet Hagemeyer, dass Fahrpläne der Buslinien zur Uni und zum Schulzentrum Süd wegen des Parallelangebots "ausgedünnt" werden könnten: "Für die Bewohner etwa der oberen Südstadt ab Schreinersweg abwärts und Fuhlrottstraße aufwärts bedeutet dies zweifellos eine empfindliche Einschränkung."

Noch größere Vorbehalte äußern Anlieger: "Wo sollen denn die ganzen Fahrgäste herkommen. Angeblich 18.000 sollen es bis zur Uni sein, vermutlich Studenten. Wo aber sind diese 18.000 Fahrgäste in den Semesterferien", fragt Antonino Zeidler. Mehr noch, die Seilbahn gefährde nach Ansicht der Anwohner die gewachsenen Quartier-Strukturen. "Wenn für die Seilbahn Bushaltestellen eingespart werden, wie mobil sind dann Menschen ohne PKW? Zum Beispiel Senioren, die auf eine gute Busanbindung angewiesen sind", fragt Martin Gülich.

Dem widersprechen die WSW: "Das heutige Fahrgastpotential in den Bussen sowie Strukturdaten verschaffen uns ein gutes Bild über die Nachfrage und die perspektivischen Nachfragepotentiale", erklärt Judith Birkenbach, Leiterin der Konzernkommunikation. Und weiter: "Die Erschließung der weiteren Bereiche erfolgt nach wie vor durch Buslinien, mit wie bisher dichtem Haltestellenabstand, so dass der gesamte Bereich nach wie vor gut erschlossen wird."

(Rundschau Verlagsgesellschaft)