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Fußball-Regionalliga
WSV: Prämienverzicht und 130.000 Euro

WSV-Spieler verzichten auf Prämien
Kapitän Gaetano Manno im Testspiel beim SC Paderborn II. FOTO: Jochen Classen
Wuppertal. Auf dem Feld ist der Fußball-Regionalligist Wuppertaler SV erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Obwohl zahlreiche Leistungsträger fehlten, setzte sich das Team von Trainer Adrian Alipour beim Westfalen-Oberligisten SC Paderborn II mit 4:0 (3:0) durch. Der Sport spielt beim WSV momentan aber ob der massiven Finanzprobleme nur die Nebenrolle. Von Jörn Koldehoff

"Die Jungs haben es gut gemacht und souverän gewonnen", lobte Vorstandsmitglied Manuel Bölstler den Auftritt der Mannschaft, die ohne viele (ehemalige) Stammkräfte angetreten war. Neben Christopher Kramer (TSV Steinbach), Jonas Erwig-Drüppel (RW Essen), Joshua Mroß (Chemnitzer FC) und Kamil Bednarski (SC Wiedenbrück), die ihre Verträge aufgelöst haben, waren auch Len Heinson, Dennis Malura, Peter Schmetz, Daniel Grebe, Silvio Pagano und Enes Topal nicht dabei.

Dass sich aus diesem Kreis weitere Abgänge generieren, ist nicht gesagt. "Sie alle waren verletzt oder krank", bestätigte Bölstler. Nur Enes Topal absolviert andernorts ein Probetraining. Gut möglich also, dass Vertragsauflösungen auch den Kreis derjenigen betreffen, die in Paderborn das rot-blaue Trikot überzogen.

Wie viele Spieler den Verein noch verlassen, ist derzeit nicht zu sagen. Es hängt entscheidend davon ab, ob einerseits die Crowdfunding-Aktion (Ziel sind 100.000 Euro bis zum 19. Januar) erfolgreich ist. Anderseits aber auch, ob die weiteren 160.000 Euro über Sponsoring-Einnahmen und Einsparungen zusammenkommen. Wobei Vertreter des WSV noch einmal betonten, dass die Spendengelder auf jeden Fall nur eingezogen werden, wenn wirklich 100.000 Euro erreicht werden. Eine Teilsumme davon zu nehmen, um die drängenden Forderungen der Krankenkassen, Berufsgenossenschaft und des Finanzamtes zu erfüllen, sei nicht geplant und möglich.

Am Abend teilte der Club mit, dass, alles zusammengerechnet, bislang 130.000 Euro eingespart worden sind. "So verzichten beispielsweise die Spieler auf alle Prämien und auch die beiden hauptamtlichen Vorstände Maria Nitzsche und Manuel Bölstler verzichten auf Teile ihres Gehalts. Der dritte Vorstand Lothar Stücker hat seine Sponsoringzusage deutlich erhöht", heißt es. Weitere mündliche Zusagen sollen in der kommenden Woche schriftlich manifestiert werden.

Kapitän Gaetano Manno: "Natürlich bekommen wir Spieler hautnah mit, wie sich alle für den WSV einsetzen und daher tragen wir Spieler auch unseren Teil mit dazu bei. Ich persönlich bin seit mehr als drei Jahren beim WSV und konnte mich immer auf den Verein verlassen. Jetzt sind wir Spieler gefragt und haben beschlossen, auf unsere Prämien zu verzichten."

"Sollte es gelingen, auch die zweiten 50 Prozent aufzutreiben, warten die nächsten großen Aufgaben auf uns. Vorstand und Verwaltungsrat sind dabei, im Detail zu klären, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Über die Ergebnisse werden wir transparent berichten. Noch wichtiger sind aber die Antworten auf die Fragen: ,Wie können wir das zukünftig verhindern?‘ und ,Wie können die Verbindlichkeiten so schnell wie möglich zurückgeführt werden?‘", so die Vorstände Lothar Stücker, Manuel Bölstler, Maria Nitzsche sowie die Verwaltungsräte Thomas Lenz und Bernd Gläßel in der Stellungnahme. "Zu beiden Themenfeldern, die eng miteinander verzahnt sind, werden Lösungsansätze erarbeitet, mit den Mitgliedern diskutiert und gemeinsam verabschiedet werden. Dazu sind Workshops angedacht, die bereits vor der JHV stattfinden sollen, um zur Sitzung im April bereits konkrete Anträge formulieren zu können."

Neuverpflichtungen (jung und preiswert) sind momentan nicht geplant, auch wenn es natürlich prophylaktisch Gespräche gibt. Zunächst einmal will der WSV weiter daran arbeiten, die Finanzkrise zu entschärfen. Mit einem kleineren Gesamtkader, dem dann auch A-Jugendliche angehören können.

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