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Vorgestellt: WSV-Neuzugang Ercan Aydogmus
"Einsatz, Tore und Vorlagen"

Vorgestellt: WSV-Neuzugang Ercan Aydogmus: "Einsatz, Tore und Vorlagen"
Ercan Aydogmus (li.) will mit dem WSV hoch hinaus. FOTO: Dirk Freund
Wuppertal. Ercan Aydogmus ist einer von bislang vier externen Neuzugängen des Fußball-Oberligisten Wuppertaler SV. Nach zwei erfolgreichen Jahren beim SC Fortuna Köln, für den er in 61 Ligaspielen 21-mal traf und 2014 einen gehörigen Anteil am Aufstieg in die 3. Liga hatte, geht er nun in Wuppertal auf Torejagd. Im Interview mit Rundschau-Mitarbeiter Julian Schumacher berichtet der 1,89 Meter große Stürmer unter anderem vom Trainingsauftakt und erklärt, warum er sich trotz Angeboten aus der Regionalliga für den WSV entschieden hat. Von Julian Schumacher

Rundschau: Herr Aydogmus, ein Trainingsauftakt bei 30 Grad, ist das ein Fluch oder Segen? Und wie sind Sie von der Mannschaft aufgenommen worden?

Aydogmus: Natürlich kann man die Hitze nicht einfach ausblenden, und die kommenden Tage soll es ja sogar noch wärmer werden. Da müssen wir einfach durch. Der Trainer passt das Training auch entsprechend an die äußeren Bedingungen an. Die Jungs haben mich sehr herzlich aufgenommen , ich habe mich überhaupt nicht fremd gefühlt. Einige Spieler kenne ich ja bereits. Mit Dalibor Gataric habe ich 2010 gemeinsam bei den Sportfreunden Lotte gespielt. Seinen Bruder Danijel und "Elle" (Marvin Ellmann, Anm. d. Red.) sind mir ebenfalls seit einigen Jahren bekannt. "Elle" kam gleich zu mir und meinte "Wie geht's Dir, Ercan?". Es war insgesamt ein sehr positives Kennenlernen.

Rundschau: Ihre Verpflichtung stieß bei den Fans auf ein geteiltes Echo. Viele Anhänger zeigten sich begeistert, dass es dem Verein geglückt war, einen Spieler aus der 3. Liga loszueisen. Sie sollen dabei auf viel Geld verzichtet haben. Warum haben Sie sich letztlich für den WSV und gegen den ein oder anderen Extra-Euro entschieden?

Aydogmus: Ja es stimmt, ich hatte andere Angebote vorliegen. Auch von einigen Regionalligisten. Aber ich habe mich gemeinsam mit meiner Frau dazu entschlossen, in die Zukunft zu blicken. Irgendwann ist es vorbei mit dem Fußballspielen, und dann brauchst du eine berufliche Alternative. Diese werde ich mir nun suchen können. Der WSV ist ein Traditionsverein mit tollen Fans. Als ich mit Sportdirektor Manuel Bölstler und Trainer Stefan Vollmerhausen gesprochen habe, hat es sich von Anfang an richtig angefühlt. Es waren sehr positive Gespräche Ich habe danach allen gesagt, dass es die richtige Entscheidung war, hier zu unterschreiben. Ich freue mich über das positive Feedback der Fans.

Rundschau: Das Fachmagazin "kicker" veröffentlichte vor eineinhalb Jahren einen Artikel mit der Überschrift: "Das Wunder Aydogmus". Auf der anderen Seite meinten einige Wuppertaler Fans aber, es sei verrückt, einen 35-Jährigen zu verpflichten. Wie können Sie die Zweifler beruhigen?

Aydogmus: Ich akzeptiere und respektiere die Meinungen der Fans und kann die Skepsis durchaus nachvollziehen. Natürlich fragt man sich bei einem Spieler meines Alters, ob das gut gehen kann. Aber ich werde alles dafür geben, den Leuten zu zeigen, dass man auch mit 35 noch guten Fußball spielen kann. Ich fühle mich absolut fit.

Rundschau: Neben ihren beiden letzten Vereinen, Fortuna und Viktoria Köln, haben Sie unter anderem für den Bonner SC, den VfB Homberg und die Sportfreunde Lotte gespielt. Was waren Ihr bisheriges Karriere-Höhepunkte?

Aydogmus: Mein erstes großes Highlight war 2001 der Aufstieg aus der Landes- in die Verbandsliga mit dem VfB Homberg. Ein weiterer Höhepunkt war dann natürlich 2010 der Aufstieg mit Bonn in die Regionalliga. Der Trumpf war aber schließlich ohne Zweifel, als ich vor gut einem Jahr mit Fortuna Köln in die dritte Liga aufgestiegen bin. In den Entscheidungsspielen haben wir gegen den FC Bayern München II gewonnen - durch ein Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit. Dass ich mit 35 Jahren noch einmal in der 3. Liga spielen durfte, war für mich eine große Ehre.

Rundschau: Sie sind in Deutschland geboren, Ihre Eltern stammen jedoch aus der Türkei. Gab es jemals Angebote von dort?

Aydogmus: Natürlich war es immer ein großer Traum für mich, in der ersten türkischen Liga zu spielen. Als ich 18 war, gab es sogar eine Anfrage zum Probetraining von Genclerbirligi Ankara. Aber weil ich damals noch zur Schule gegangen bin, wollte ich das nicht. Letztlich hat es nicht sollen sein, und da mache ich mir auch gar keinen Kopf mehr drum.

Rundschau: Welche Ziele haben Sie sich für diese Saison gesteckt? Sie wollen sicher regelmäßig spielen.

Aydogmus: Zunächst einmal ist es unser Ziel als Mannschaft, eine Einheit zu werden und geschlossen aufzutreten, sodass jeder für den anderen einsteht. Persönlich will ich dem Verein das mir entgegengebrachte Vertrauen zurückzahlen. Ob mir das letztendlich durch großen Einsatz, Tore oder durch Vorlagen gelingt, ist egal. Die Hauptsache ist, dass ich der Mannschaft helfen kann. Aber natürlich wird ein Stürmer auch immer an seinen Toren gemessen. Ich bin ein ehrgeiziger Spieler und möchte selbstverständlich viel auf dem Platz stehen. Doch das entscheidet am Ende der Coach. Ich muss ihm im Training zeigen, dass er nicht an mir vorbeikommt und sagt: "Okay Ercan, es geht wirklich nicht anders, ich muss dich von Anfang an bringen!" (lacht)

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