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Wovon Lieder reden sollen (mit Video)

Wovon Lieder reden sollen (mit Video)
Kein Getränkeverkäufer mehr: Thorsten Willer kann endlich nur noch von und für seine Musik leben. FOTO: Florian Schmitz
US-Rockmusik mit deutschen Texten – so beschreibt der Musiker Thorsten Willer seine Songs. Derzeit nimmt sich der Wuppertaler eine kurze Auszeit, bevor es wieder auf Tour geht. Von Florian Schmitz

Wer Thorsten Willer zurzeit in der Stadt trifft und ihn grüßt, sollte sich nicht wundern, wenn es erstmal keine Reaktion gibt. Das liegt nicht daran, dass der 33-jährige Sänger völlig abgehoben ist. Vielmehr schreibt der Singer-Songwriter momentan an neuen Songs. Per Kopfhörer hört er sich seine Demos auf dem MP3-Player an, während er gedankenversunken durch die Straßen seiner Heimatstadt zieht und an Texten und Melodien feilt. "Als Musiker schaltest du eigentlich nie ab. Selbst wenn ich ins Bett gehe, denke ich noch über meine Songs nach", sagt der Sänger aus der Südstadt.

Nach 90 bundesweiten Konzerten im letzten Jahr gönnt sich Willer gerade eine kleine Auszeit, um an seinem neuen Album zu arbeiten. Im August hatte er "Wovon sollen Lieder reden" veröffentlicht – sein Debüt auf Deutsch, mit dem er die Aufmerksamkeit des großen Labels "Motor Music" fand. Bei der Plattenfirma hatten zuvor bereits Westernhagen oder Rammstein ihre Musik herausgebracht. Der Sänger ist immer noch sehr zufrieden mit seiner LP: "Ich höre sie auch heute noch gern und habe nach dem Release viele gute Shows spielen können." Ob das Album auch finanziell erfolgreich war, wird sich noch zeigen, wenn die Verkaufszahlen aus den Läden kommen.

Willer schreibt seine Songs alle selbst. Sie spiegeln, was ihn beschäftigt. Entsprechend sind die Texte sehr persönlich. Der Song "Die Schwebe" zum Beispiel handelt vom Auseinandergehen einer Beziehung:

"Ich kann es nicht verstehen, warum wir betteln und wir flehen, um einen Sinn, den wir nicht sehen"

, heißt es da. Das vielbeachtete Video zu "Schwebe" hatte Willer im Schnee auf dem Dach seiner Wohnung gedreht, mit Talblick.

Als "amerikanische Rockmusik mit deutschen Texten" sortiert der 33-Jährige seinen Sound ein. Willer-typisch sind die Songs hinterlegt von der akustischen Pedalsteel-Gitarre, deren Töne den Nerv der Songs treffen. Und seiner Zuhörer. "In deinen Texten liegt sehr viel, was mich berührt", schreibt eine Youtube-Userin unter eines seiner Videos, und dürfte damit die Schnittmenge der Willer-Fans zeigen. Von denen gibt es immer mehr. Nicht umsonst hat er es nach "Wovon sollen Lieder reden" endlich geschafft, nur noch von und für die Musik zu leben. Die Jahre als Getränkeverkäufer sind vorbei.

Für 2015 hat sich Willer viel vorgenommen: Er wird wieder touren, auch in der Schweiz und Österreich spielen, häufiger seine Band mitbringen. Und mit Oliver Henrich ("Bounce") und Sven Martin ("t.A.T.u.") das neue Album produzieren. Eventuell schaffen es diesmal sogar eine oder zwei positive Nummern auf die CD. "Das liegt daran, dass im Moment vieles gut läuft, und das zeigt sich eben auch in meinen Songs", so Thorsten Willer zufrieden.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
Die Rundschau-Radrunde